ICQ? Die gibt es noch? Diese Frage ging mir kürzlich durch den Kopf, als die Firma in ihr Hauptquartier nach Tel Aviv einlud, um ihre neuesten Entwicklungen im mobilen Bereich zu präsentieren. Auch wenn der Instant Messenger seit einiger Zeit (nicht nur) von meinem Radar verschwunden ist, erfreut er sich nach wie vor und nicht ohne Grund großer Beliebtheit – inzwischen eben auch auf dem Android-OS.

ICQ kann guten Gewissens als Urgestein unter den Instant Messengern bezeichnet werden: Seit über 15 Jahren gibt es die Kommunikationsplattform inzwischen. Auch wenn ich sie persönlich seit ungefähr 2005 nicht mehr verwende und die Anwendung dadurch ein bisschen aus den Augen verloren habe, muss sich das Unternehmen allem Anschein nach keine Sorgen um die Nutzerzahlen machen. Diese sind unverändert hoch – allein in Deutschland, das zu den wichtigsten Märkten von ICQ gehört, gibt es über 850.000 Nutzer. Inzwischen reicht es aber natürlich nicht mehr aus, lediglich Versionen für die verschiedenen Desktop-Versionen anzubieten, da der mobile Markt immer mehr Marktanteile übernimmt. Und die Konkurrenz schläft auch in diesem Bereich nicht; um sich abzusetzen benötigt man also Features, über die andere Apps nicht verfügen. ICQ für Android besitzt tatsächlich einige solche Features, die in Kürze sogar noch erweitert werden sollen.

Wir haben uns im ICQ-Hauptquartier Itay Riemer, den Product Manager für die mobilen Versionen geschnappt und ihm ein paar Fragen zur Gegenwart und Zukunft der Android-Version gestellt:

ICQ Mobile Client - Itay Riemer - Interview - androidnext.de.

Wer ICQ also wie ich schon länger nicht mehr genutzt hat, wird mit Sicherheit über den Funktionsumfang der aktuellen Versionen überrascht sein. Inzwischen ist es nicht nur möglich, die komplette Facebook-Kommunikation, die ebenfalls erstaunlicherweise noch existenten VZ-Netzwerke und Google Talk in den Client zu integrieren, auch die eigenen Kontakte aus dem Telefonbuch lassen sich synchronisieren. Der daraus resultierende Aspekt des Cloud Backups ist für Android-Nutzer zwar nicht besonders spannend, da dies auch über das Google-Konto geschieht; aber auf diese Weise automatisch zu sehen, welche Kontakte ebenfalls den Instant Messenger nutzen, ist durchaus komfortabel.

Außerdem verfügt ICQ inzwischen über stark verbesserte Sicherheitsmechanismen wie zum Beispiel einen Spam-Filter oder den sogenannten Safeguard, der den Nutzer vor Kontaktanfragen von unbekannten Personen auf dem mobilen Gerät schützt. Zudem hat man dank Cross Plattform-Angebot immer die Möglichkeit, zum Beispiel einen auf dem Desktop-PC begonnenen Chat auf einem mobilen Gerät fortzuführen. Zwei weitere Features, die mich ziemlich begeistert haben, ist zum einen, dass ICQ auf mobilen Geräten inzwischen komplett ohne Werbung auskommt und dass es unter Android die Silent Hours gibt – dabei schlägt ICQ ab einer bestimmten Uhrzeit vor, die Benachrichtigungstöne abzuschalten, so dass man des Nachts nicht durch eingehende Nachrichten schlafloser Freunde gestört wird.

Aber auch die Konkurrenz sitzt nicht untätig herum und dreht Däumchen; deswegen wird in wenigen Wochen ICQ für Android in der Version 3.1 mit noch mehr neuen Funktionen erscheinen: So wird es zum Beispiel die Möglichkeit geben, Fotos und Videos von dem mobilen Gerät zu teilen. Dabei werden die Dateien nicht etwa wie oft üblich per Peer to Peer-Verbindung geteilt, sondern über eine Cloud-Lösung auf den ICQ-Servern abgelegt, so dass sie bei erneutem Teilen nicht nochmal hochgeladen werden müssen. Während des Dateitransfers kann übrigens munter weitergechattet werden. Aber nicht nur Dateien, sondern auch Locations können in der neuen Version geteilt werden, so dass künftig komplizierte Wegbeschreibungen entfallen.

Aber damit ist die mobile Version natürlich noch längst nicht fertiggestellt – neben einer speziellen Tablet-Version wird es in naher Zukunft außerdem noch die Möglichkeit geben, kostenlose SMS über eine eigene Telefonnummer zu verschicken und kostenlose Telefongespräche zu führen. Dabei wird ein ähnliches System zum Einsatz kommen, wie wir es auf dem MWC bereits von tyntec und Pinger kennengelernt haben.

Insgesamt kann man also festhalten, dass es ICQ noch gibt und er sich inzwischen zu einem sehr umfangreichen Instant Messenger gemausert hat, mit dem auch im mobilen Bereich künftig gerechnet werden kann.

Download: ICQ für Android (kostenlos)

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