Stiftung Warentest warnt: Warum man keinen Supermarkt-Fernseher kaufen sollte

Stefan Bubeck

Die Stiftung Warentest hat sich Billig-Fernseher angeschaut, wie sie bei Supermärkten wie Lidl, Real oder Kaufland zu finden sind. Das Urteil ist eindeutig.

Während der Discounter Aldi bei TVs seit Jahren auf die Marke Medion setzt, sieht es bei anderen Supermärkten etwas vielfältiger aus: Hier erblickt der Kunde beim Einkauf zwischen Käsetheke und Waschmittelregalen nicht selten verlockend günstige Fernseher von Toshiba, Hitachi, Blaupunkt, Sharp und anderen (wohlklingenden) Namen. Die Stiftung Warentest hat sich in einem umfangreichen Test dieser „Aktionsfernseher“ angenommen und sie gegen „Dauerläufer“ antreten lassen.

Das Fazit: Lieber etwas mehr ausgeben und ein echtes Markengerät statt günstiger Aktionsware erwerben. Die scheinbaren Schnäppchen haben nämlich mit ruckelnder Darstellung bei schnellen Bewegungen (Sportsendungen), Feature-Armut (kein Internet, kein UHD) und schlechtem Sound zu kämpfen. Nur selten sind qualitative Lichtblicke bei den Supermarkt-TVs zu finden. Für „ein paar Euro mehr“ lohne es sich meist, ein höherwertiges Gerät (z.B. LG, Philips, Metz) zu kaufen und die nur kurzfristig verfügbaren Aktionsfernseher zu umgehen. Der 8-seitige Heftartikel „Fernseher: Vorsicht, Schnäppchenfalle“ ist bei Stiftung Warentest als PDF erhältlich (Bezahlartikel).

Stiftung Warentest Fernseher-Test: Aktionsmodelle gegen Dauerangebote

Wichtig ist es, den Fernseher-Markt zu verstehen: Unter „Dauerläufer“ (Dauerangebot) versteht man ein TV-Modell, das für gewöhnlich über Monate oder sogar Jahre im (Fach-)Handel zu finden ist. Ein „Aktionsmodell“ wird hingegen in geringer Stückzahl produziert und nur für einen kurzen Zeitraum angeboten, meist sind es nur einige Wochen. Die Aktionsfernseher sind oft mit klangvollen Markennamen versehen, die leider ihre beste Zeit schon hinter sich haben.

Ein TV von Blaupunkt stammt zwar vom slowakischen Hersteller UMC, wird aber – vor allem von älterer Kundschaft – noch immer für ein Premiumprodukt „made in Germany“ gehalten. Ähnliches gilt für die japanische Marke Sharp, einst ein hochpreisiger Technik-Pionier der Flachbild-TVs (Aquos LC-C1, 2001), heute eine kleine Nummer im Vergleich zu Branchengiganten wie Samsung oder LG. Was auch immer der Kunde mit dem Markennamen auf dem Fernseher verbindet – oftmals sind das Informationen aus der Vergangenheit, die heute nicht mehr anwendbar sind.

Hinter Markennamen wie JVC, Kendo, Hitachi, Toshiba, Techwood und Telefunken steht längst der türkische Elektronik-Riese und OEM-Hersteller Vestel, der hierzulande noch weniger bekannt ist. Was natürlich nicht zwangsläufig bedeuten muss, dass es sich um ein schlechtes Gerät handelt. Es ist einfach schwerer, unabhängige Testberichte zu bestimmten Modellen zu finden, denn sie sind nur kurzfristig erhältlich.

Supermarkt-Fernseher: Wann kann man zugreifen?

Unsere Einschätzung: Aktionsmodelle müssen keineswegs immer schlecht sein. Manchmal sind einzelne Eigenschaften befriedigend oder sogar gut.

Die Frage ist vielmehr, worauf man als Kunde am meisten wert legt (Bildqualität, Vielseitigkeit, Preis…) und welchen Zweck der Fernseher im Haushalt überhaupt erfüllen soll. Ein Küchen-TV, der morgens kurz die Nachrichten zeigt, bevor man auf die Arbeit eilt, muss kein UHD, HDR, Top-Sound und zahlreiche Anschlüsse bieten. Er muss die Nachrichten zeigen, mehr nicht – das schafft auch der 179-Euro-Fernseher vom Supermarkt locker.

Wer aber Kinofeeling im Wohnzimmer aufkommen lassen will und die neueste Panel-Generation sowie alle Smart-TV-Funktionen erwartet, wird kaum umher kommen, sich im Fachhandel umzuschauen. Hier sind zwar neben Samsung, LG, Sony & Co auch die oben genannten Marken zu finden – aber eben nicht nur mit den Aktionsmodellen, die der Supermarkt zum Schleuderpreis anbietet. Das ist sozusagen ein anderer Geschäftszweig.

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