Lenovo IdeaPad 720s im Test: Notebook mit AMDs Ryzen- und Vega-Power

Peter Hryciuk 1

Das Lenovo IdeaPad 720s ist mit einem Ryzen 7 und der integrierten Vega-10-Grafikeinheit ausgestattet. Auf so eine Kombination haben wir Jahre gewartet und große Erwartungen. Doch kann das Lenovo IdeaPad 720s diese erfüllen? Wir haben es im Testbericht herausgefunden.

Lenovo IdeaPad 720s im Test: Notebook mit AMDs Ryzen- und Vega-Power

Lenovo IdeaPad 720s im Test: Inhaltsverzeichnis

Unser Testurteil zum Lenovo IdeaPad 720s

AMD hat mit den Ryzen-Prozessoren den PC-Markt ordentlich aufgerüttelt. Nachdem das Unternehmen den Desktop-Sektor in den Fokus genommen hat, soll nun der Notebook-Markt bedient werden. Dazu hat AMD mobile Versionen seiner Ryzen-Prozessoren vorgestellt und Partner wie Lenovo waren natürlich gerne bereit, diese in ihren Notebooks auch zu verbauen. Zu lange hat man wohl mit Intel nur einen Hersteller von brauchbaren Mobil-Prozessoren im Programm gehabt. Doch kann das funktionieren? Überzeugt der Ryzen-Prozessor mit Vega-Grafikeinheit auch in einem Notebook? Genau das haben wir getestet.

Unser Testgerät ist mit einem AMD Ryzen 7 2700U ausgestattet, der von einer AMD Radeon Vega 10 unterstützt wird. Ähnlich wie bei Intel-Prozessoren mit HD-Graphics-GPU, kann AMD so eine komplett eigene Lösung für bezahlbare, aber leistungsfähige Notebooks anbieten. Dazu gibt es 8 GB RAM und eine 256 GB große SSD. Von den 8 GB Arbeitsspeicher kapselt sich die Vega-GPU 256 MB ab. Sie besitzt also keinen eigenen Grafikspeicher. Diese Konfiguration kostet aktuell . Wem ein Ryzen 5 reicht, der kann ein paar Euro sparen. Insgesamt liegt die Leistung des Ryzen 7 zwischen einem mobilen Core i5 und Core i7 der 8. Generation. Im normalen Gebrauch ist die Leistung sehr gut. Nur beim ersten Starten wurde das System von verschiedenen Prozessen direkt belastet und kam leicht ins Stocken. Nach der Installation aller Windows-Updates im Hintergrund lief das System aber wieder sauber.

Lenovo geht beim IdeaPad 720s mit Ryzen 7 einen interessanten Kompromiss ein. Das Notebook ist in so gut wie jeder Situation sehr leise. Selbst wenn der Lüfter unter voller Belastung des Prozessors läuft, hört man ihn nur sehr dezent. Ganz im Gegenteil zu anderen Notebooks, die mit einem Core i7 von Intel ausgestattet sind. Dafür wird der AMD-Prozessor aber relativ früh gedrosselt. Unter Vollast muss man mit Einbußen von etwa 30 Prozent rechnen. Mehr dazu im Punkt „Leistung“ weiter unten. Durch die Ryzen-Plattform fehlt zudem Thunderbolt 3 als Schnittstelle. Man ist also an die Performance des Notebooks gebunden, die schon vorhanden ist. Die Intel-Version des Lenovo IdeaPad 720s unterstützt hingegen Thunderbolt 3.

Das Lenovo IdeaPad 720s ist mit etwas über 1.100 Gramm sehr leicht und mit 14 mm ziemlich schlank gebaut für ein 13,3-Zoll-Gerät. Die Oberseite des Deckels und der Bereich um die Tastatur sind aus Aluminium gefertigt. Die Unterseite des Notebooks, die sich abnehmen lässt, und der Rahmen um das Display bestehen aus Kunststoff. Viel aufrüsten kann man nicht, nur die SSD lässt sich tauschen. Der Arbeitsspeicher und der Rest sind fest verlötet. Schade eigentlich, denn etwas mehr Arbeitsspeicher würde diesem Notebook in einigen Situationen sicher gut tun.

Ein wichtiger Punkt ist die Akkulaufzeit des Lenovo IdeaPad 720s. Bis zu 8,5 Stunden gibt Lenovo an. Verbaut ist dazu ein 45-Wh-Akku. Ganz so viel haben wir im Test nicht erreicht. Bei voller Helligkeit und der Wiedergabe eines Full-HD-Videos sind wir nur auf 4 Stunden gekommen. Reduziert man die Helligkeit auf etwa 70 Prozent, steigt die Laufzeit auf 6 Stunden. Im normalen Betrieb lagen wir meist bei 5 bis 6 Stunden.

Das 13,3-Zoll-Display des Lenovo IdeaPad 720s besitzt erfreulicherweise eine matte Oberfläche. Leider handelt es sich nicht um das hellste Panel auf dem Markt. Möchte man den leichten Spiegelungen der Oberfläche entgegenwirken, muss man die Helligkeit im Freien recht hoch einstellen. Dann lässt sich das Display aber gut ablesen und man kann im Freien selbst im direkten Sonnenlicht damit arbeiten. Auf einen Touchscreen wird bei diesem Notebook verzichtet. Der Bildschirm lässt sich sehr weit aufklappen.

Unerklärlicherweise verzichtet Lenovo beim IdeaPad 720s auf die Möglichkeit eine Speicherkarte einzulegen. Nicht einmal ein microSD-Slot ist vorhanden. Ansonsten hat Lenovo kaum an Anschlüssen gespart. Es gibt an jeder Seite einen vollwertigen USB-Port und an der linken Seite zwei USB-C-Anschlüsse. Mit dem oberen Anschluss lässt sich das Notebook aufladen, an dem anderen Anschluss lässt sich beispielsweise ein Monitor betreiben. Über die 3,5-mm-Klinkenbuchse lassen sich Kopfhörer oder Lautsprecher anschließen.

Bemerkenswert ist der Klang der integrierten Lautsprecher. Es sind Stereo-Speaker von JBL verbaut, die einen richtig guten Sound erzeugen. Nur die Position ist nicht perfekt. Lenovo hat die Lautsprecher unter dem Gehäuse verbaut. Das macht bei einer festen Auflagefläche keinen Unterschied. Ist der Untergrund aber weich, wird der Klang hörbar gedämpft.

Ebenfalls gut gefallen hat uns der Fingerabdrucksensor. Damit wird die Anmeldung unter Windows 10 zum Kinderspiel. Kein umständliches Eintippen des Passworts mehr, sondern nur eine kurze Berührung des Sensors reicht aus, um sich anzumelden.

Die Tastatur des Lenovo IdeaPad 720s besitzt eine angenehme Größe und ist in zwei Stufen beleuchtet. Die Oberfläche der grauen Tastatur ist sehr glatt. Es lässt sich trotzdem sehr gut darauf tippen. Etwas klein ausgefallen sind die Pfeiltasten. Außerdem sitzt der Powerbutton in der rechten oberen Ecke dort, wo normalerweise die Entf-Taste wäre. Das Touchpad arbeitet größtenteils zuverlässig, eine Version aus Glas hätten wir aber bevorzugt.

Fazit: Das Lenovo IdeaPad 720s ist sicher nicht perfekt. Es hat eine etwas zu kurze Akkulaufzeit, der Ryzen-Prozessor wird relativ schnell gedrosselt und das matte Display könnte heller sein. Trotzdem reicht die Leistung für den normalen Gebrauch absolut aus und man bekommt ein sehr leises, leichtes und dünnes Notebook. Das IdeaPad 720s mit Ryzen-Prozessor ist besonders für die Käufer interessant, die echte AMD-Fans sind und keinen Intel-Prozessor in ihrem Notebook wollen. Ansonsten sollte man die erste Generation von mobilen Ryzen-Prozessoren eher aussitzen und hoffen, dass die zweite Generation der Ryzen-Notebooks die genannten Schwächen ausmerzt.

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Lenovo IdeaPad 720s im Test: Bewertung

  • Verarbeitung, Haptik und Design: 4/5
  • Display: 4/5
  • Software: 4/5
  • Performance: 4/5
  • Video und Audio: 4/5
  • Konnektivität und Speicher: 3/5
  • Akku und Alltag: 3/5

Gesamtwertung: 74 %

Lenovo IdeaPad 720s im Test: Leistung im Detail

Unser Lenovo IdeaPad 720s ist mit einem AMD Ryzen 7 2700U ausgestattet. Es handelt sich um einen Quad-Core-Prozessor mit acht Threads und einer Taktfrequenz von maximal 2,2 GHz pro Kern. Im Turbo sind bis zu 3,8 GHz möglich. Die integrierte AMD Radeon Vega 10 arbeitet mit bis zu 1,3 GHz und nimmt sich 256 MB Grafikspeicher vom Arbeitsspeicher, der in diesem Modell 8 GB misst. Die SSD stammt von Samsung und besitzt eine Kapazität von 256 GB. Auf der ersten Partition stehen 212 GB zur Verfügung, wobei Windows 10 und weitere Programme noch etwas Platz einnehmen. Auf einer zweiten Partition mit 25 GB sind die Treiber untergebracht.

Die Samsung-SSD erreicht folgende Geschwindigkeiten:

Insgesamt ist die Leistung des Lenovo IdeaPad 720s sehr hoch. In reinen Benchmarks erreicht das Notebook Werte, die teilweise über denen eines Intel Core i7-8850U liegen. Doch der Prozessor wird auch schnell gedrosselt. Das zeigt sich beispielsweise im Benchmark Cinebench R15. Im ersten Durchlauf erreicht der Prozessor dort 579 Punkte. Der Core i7-8850U im kürzlich getesteten Xiaomi-Notebook kommt nur auf 529 Punkte. Doch schon im dritten Durchlauf wird die Leistung der CPU deutlich gedrosselt. Dann sind es plötzlich nur noch 371 Punkte. Im Gegensatz dazu wird das Xiaomi-Notebook mit Intel-CPU zwar lauter durch intensivere Kühlung der Lüfter, dafür kann die volle Leistung im Grunde aber dauerhaft abgerufen werden.

Ausprobiert haben wir einige Casual Games aus dem Windows Store, die natürlich ohne Probleme laufen. Anno 2205 läuft in nativer Full-HD-Auflösung in brauchbarer Detailstufe flüssig. Bei Battlefield 1 kommt das Lenovo IdeaPad 720s an seine Grenzen. Um überhaupt annehmbar spielen zu können, muss man niedrige Details und eine HD-Auflösung einstellen. Dann läuft es aber relativ flüssig – und das Notebook bleibt beim Spielen immer noch leise. Die größte Wärmeentwicklung ist in der Mitte des Notebooks wahrzunehmen. Nachfolgend noch einige Benchmarks.

Im PCMark 8 hat das Lenovo IdeaPad 720s folgenden Wert erreicht:

Bei 3DMark sieht es auch ziemlich gut aus:

Im normalen Gebrauch spürt man diese Einschränkung durch die frühe Drosselung des Ryzen 7 nicht. Das Notebook bleibt einfach schön leise und arbeitet vor sich hin. Möchte man aber mit dem IdeaPad 720s Videos schneiden, spielen oder es anderweitig dauerhaft belasten, muss man den Leistungsverlust bedenken.

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Das hat uns im Test am Lenovo IdeaPad 720s gefallen

  • Mattes Display
  • Leise – selbst bei starker Belastung
  • Viel Leistung
  • Gute Lautsprecher
  • Fingerabdrucksensor

Das fanden wir am Lenovo IdeaPad 720s im Test nicht so gut

  • Mittelmäßige Akkulaufzeit
  • Prozessor wird sehr schnell gedrosselt
  • Kein Slot für Speicherkarten
  • Kein Thunderbolt 3

Gut zu wissen

  • Die Helligkeit der Tastatur lässt sich in zwei Stufen einstellen
  • Aufgeladen wird das Notebook per USB-C-Anschluss
  • Dolby-Atmos-Klang mit Kopfhörern

Lenovo IdeaPad 720s: Technische Daten unseres Testgeräts

Display  13,3 Zoll, 1.920 x 1.080 Pixel, IPS-Panel mit matter Oberfläche
Prozessor AMD Ryzen 7 2700U
Arbeitsspeicher  8 GB
Speicher 256 GB SSD
Frontkamera  HD-Webcam
Betriebssystem Windows 10 Home
Akku 45 Wh
Konnektivität Wi-Fi 802.11 a/b/g/n/ac, Bluetooth 4.1, 2x USB Typ C, 2x USB-A, Kopfhöreranschluss
Maße  305,9 x 213,8 x 13,6 mm
Gewicht  1.140 Gramm
Besonderheiten  Stereo-Lautsprecher, Fingerabdruckscanner, beleuchtete Tastatur
Preis (UVP)

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