Für viele schien der Verkauf von Motorola an Lenovo zunächst wie eine große Fehlentscheidung, schließlich hatte Google das Unternehmen mit Geräten wie dem Moto X und Moto G nach langer Zeit seit der goldenen RAZR-Ära wieder ins Zentrum der Weltöffentlichkeit gerückt. Wie sich jedoch herausstellte, konnte man sich zwar durch attraktive Geräte beliebt machen, profitabel war die Angelegenheit unterm Strich allerdings nicht. Lenovos CEO Yang Yuanqing will dies bereits innerhalb des nächsten Quartals ändern und Motorola vor allen Dingen in China populär machen.

Lenovo gilt in der Branche schon gewissermaßen als „Brand-Saver“ – ein Titel, den sich das Unternehmen nach dem Aufkauf der PC-Sparte von IBM und der erfolgreichen Vermarktung der ThinkPad-Reihe verdient hat. Aktuell hat das chinesische Unternehmen auch den Smartphone- und Tabletmarkt im Blick und stellte unter anderem mit dem Lenovo Vibe X in der jüngeren Vergangenheit ein sehr interessantes High-End-Gerät vor. Im vergangenen Quartal konnten zudem eine Steigerung der Smartphoneverkäufe um 47 Prozent auf 13,9 Millionen Einheiten verzeichnet werden, sodass Lenovo durchaus dazu in der Lage scheint, Motorola wieder finanziell auf Vordermann zu bringen. Das ist sicherlich dringend notwendig, denn laut Bloomberg verzeichnete Motorola unter Google im vergangenen Jahr mehr als 1 Milliarde US-Dollar Betriebsverlust.

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Um dem entgegenzuwirken, werden drastische Schritte notwendig sein und da die Konkurrenz auf Wachstumsmärkten wie China oder aber auch Indien noch recht spärlich ist, will Lenovo Motorola vor allen Dingen im Niedrigpreis-Segment dort etablieren. Viele der von Lenovo vorgestellten Smartphones wie das Vibe X und das Lenovo K900 wären sicherlich auch für die Nutzer hierzulande interessant gewesen, diese wurden bislang leider nur in wenigen Regionen angeboten. Vor kurzem wurde dieser Umstand durch die starke Dominanz der Netzbetreiber auf dem deutschen Smartphone-Markt begründet, doch 2014 soll schließlich - nachdem alle notwendigen organisatorischen Schritte abgeschlossen wurden - das Lenovo-Portfolio auch in Deutschland erhältlich sein. Interessant wäre dann natürlich die Frage, ob man wirklich parallel zu den eigenen High-End-Smartphones auch noch Geräte von Motorola in Europa anbieten will, oder sich eher auf günstige Geräte konzentriert, wie das Moto G beziehungsweise das kolportierte 40-Euro-Smartphone.

Tatsächlich möchte Lenovo laut Yang zwar primär den asiatischen Markt von Motorolas Produkten überzeugen und dementsprechend einen stärkeren Focus auf Low-Budget-Geräte legen. Dabei soll allerdings die High-End-Sparte keineswegs vernachlässigt, sondern nach wie vor für den westlichen Markt ausgelegt werden. Dem Unternehmen scheint bewusst zu sein, dass Geräte wie das Moto X mit durchdachtem Konzept und personalisierbarem Design auch auf dem stark umkämpften Markt in Amerika und Europa eine Chance haben - sofern man die hohen Fertigungskosten in den Griff bekommt. Das „Project Ara“ steht zwar weiterhin unter der Leitung von Google, ebenso werden aber auch Kunden in Deutschland unter Lenovos Führung einige High-End-Smartphones von Motorola sehen. Lenovo macht hier gleich Nägel mit Köpfen und hat rund 3.500 Mitarbeiter von Motorola in das eigene Unternehmen überführt und plant weitere Umstrukturierungen, um „in einem Quartar das Geschäft umzudrehen“, wie es Yang formulierte.

Ist Lenovo hier zu optimistisch oder wendet sich unter neuer Führung endlich das Blatt für Motorola? Meinungen dazu bitte in die Kommentare.

Quelle: Bloomberg [via Androidpolice]

Tuan Le
Tuan Le, GIGA-Experte.

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