Moto Z: Der enttäuschende Hoffnungsträger [Kommentar]

Peter Hryciuk 20

Die Hoffnungen und Erwartungen an die neuen Moto-Z-Smartphones mit ansteckbaren Modulen waren groß – doch die gestrige Präsentation auf der Tech World 2016 von Lenovo hat im Endeffekt doch etwas enttäuscht. Natürlich geht Lenovo mit den Smartphones einen neuen und sehr vielversprechenden Weg. Die Idee dahinter hätte aber viel besser umgesetzt werden können und müssen.

Nur das schlechtere Moto Z für Europa

Den ersten Schlag ins Gesicht der Europäer gab es mit der Bekanntmachung, dass das Moto Z Force, welches besser ausgestattet ist und viel attraktiver für den hiesigen Markt wäre, überhaupt nicht nach Europa kommt. Vielmehr bekommen wir das abgemagerte Moto Z mit einer Dicke von gerade einmal 5,19 mm und einem Akku, der dementsprechend mit 2.600 mAh durchaus als vergleichsweise mickrig bezeichnet werden kann. Was sich Samsung im letzten Jahr beim Galaxy S6 noch leisten konnte, nämlich einen zu kleinen Akku zu verbauen, hat sich in diesem Jahr kein großer Hersteller mehr getraut – bis auf Lenovo.

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Dabei hat man mit dem Moto Z Force das fast perfekte Smartphone mit 3.500-mAh-Akku, bruchsicherem Display und höher auflösender Kamera, die auf 21 MP kommt, im Programm. Das muss natürlich kein Nachteil sein – denn der Sensor im Moto Z löst zwar nur mit 13 MP auf, die weiteren Eigenschaften mit einer Blende von f/1.8 sind aber gleich und es gibt auch hier neben dem Laser-Autofokus einen optischen Bildstabilisator. Trotzdem wertet Motorola das Moto Z damit ab, was sich – so unsere Hoffnung – zumindest in einem niedrigeren Preis widerspiegelt.

Wo ist das Modell für die Mittelklasse?

Zwei High-End-Smartphones sind zwar gut und schön, doch laut den letzten Gerüchten hätte es auch ein Modell für die Mittelklasse geben sollen. Klar, die Hersteller möchten bestimmte Eigenschaften nur für die Flaggschiff-Smartphones behalten und so den Kauf der teuren Modelle forcieren, doch man hätte den Markt mit einem Smartphone für die Mittelklasse, das sich ebenfalls durch Module erweitern lässt, ordentlich aufrütteln können. Der Trend geht weg vom High-End-Smartphone und Lenovo hätte genau jetzt davon profitieren können.

Moto Z macht ohne Module keinen großen Sinn

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Schaut man sich das Moto Z nun als eigenständiges Android-Smartphone an, dann hat es im Grunde keine besonderen Alleinstellungsmerkmale, die einen Kauf rechtfertigen würden. Es ist einfach nur dünn, hat einen kleinen Akku und eine stark herausstehende Kamera. Da gibt es von anderen Herstellern bessere Alternativen. Das Smartphone lebt im Grunde von den Modulen, die auf der Rückseite angedockt werden können. Doch auch da gab es deutlich weniger zu sehen, als bisher spekuliert wurde.

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Gezeigt hat Lenovo insgesamt nämlich nur drei Module. Ein Akku-Pack mit einer Kapazität von 2.200 mAh, einen Mini-Beamer und einen ansteckbaren JBL-Lautsprecher. Der Beamer und der Lautsprecher kommen mit eigenen Akkus und verkürzen die Laufzeit des Smartphones nicht – das ist sehr gut. Das Design ist aber eher misslungen. Das Smartphone sieht absolut hochwertig aus und kommt mit einem schicken Rahmen aus Aluminium. Die dicken Module aus Kunststoff entstellen das Moto Z geradezu. Hätte Lenovo etwas mehr Zeit für das Design der Module investiert, wäre das Gesamtpaket deutlich stimmiger geworden. Hier lautete das Motto wohl: Funktion vor Aussehen.

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Optional kann man sich aber auch ein Style-Cover an die Rückseite heften, welches zwar aus unterschiedlichen Materialien wie Holz oder Leder bestehen kann und das Kameramodul plan mit dem Rücken abschließen lässt, doch keine weiteren Funktionen bietet – dort hätte man eventuell auch einen kleinen Akku unterbringen können.

Wo ist der Kopfhöreranschluss?

Moto Z TurboPower

Der Wegfall des 3,5-mm-Kopfhöreranschlusses hat sich von einem Gerücht zu Apples neuem iPhone 7 zur Realität entwickelt, indem einige Hersteller von Android-Smartphones genau darauf verzichten. Lenovo folgt diesem fragwürdigen Trend und verbaut nur einen USB-Typ-C-Anschluss. Immerhin legt das Unternehmen einen Adapter bei, mit dem man normale Kopfhörer anschließen kann. Dennoch: Das Smartphone aufladen und gleichzeitig Musik zu hören, wie es viele Nutzer machen, geht mit dem Moto Z nicht mehr.

Marktstart in sehr weiter Ferne

Kann man das Moto Z immerhin bald kaufen? Nein! Wie mittlerweile schon üblich bei Motorolas Konzernmutter Lenovo, stellt das Unternehmen zunächst die Produkte vor und bringt diese erst Monate später auf den Markt. So wird das Moto Z erst im September erhältlich sein. Preise wurden auch noch keine genannt. Immerhin sollen die Module zeitgleich erscheinen, was beim ThinkPad X1 Tablet von Lenovo nicht geklappt hat.

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Nun klingt der Kommentar recht radikal und negativ, doch die Erwartungen an das Moto Z waren einfach sehr groß – zu groß, wie sich jetzt herausstellt. Lenovo hätte das beste Smartphone mit einem der besten Konzepte des Jahres bauen und ein Zeichen auf dem Markt setzen können. Vielmehr steckt man nur den kleinen Finger ins Wasser und schaut, was passiert – genau deswegen die Enttäuschung. Im Hintergrund laufen die Vorbereitungen für den Ausbau des Konzepts aber auf Hochtouren und das lässt weiter hoffen. Lenovo öffnet sich mit den Modulen nämlich sofort den Entwicklern und ermöglicht die Umsetzung eigener Ideen. Das allerdings dauert seine Zeit und ein so großes Unternehmen wie Lenovo hätte eigentlich mehr liefern müssen.

Hinweis: Das war ein Kommentar unseres Redakteurs Peter. Kommentare geben lediglich die Meinung der jeweiligen Autoren wieder und müssen nicht notwendigerweise von der gesamten Redaktion geteilt werden.

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Video: Moto Z: Präsentation der neuen Smartphones

Moto Z: Präsentation der neuen Smartphone auf der Tech World 2016.

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