Jahresrückblick 2015: 5 Gadgets, die ihre wahre Bestimmung verfehlt haben

Tuan Le 4

„Oh, das ist aber… nett!“ – der Gesichtsausdruck, den manche Smartphone-Gadgets bei uns hervorrufen, ist durchaus vergleichbar mit der Reaktion auf grausige Weihnachtspullover unter dem Tannenbaum. Genau wie man der Großtante aber einen Gefallen tut und sich die kratzige Geschmacksverrirung überwirft, haben wir uns alle Mühe gegeben, für die folgenden fünf misslungenen Gadgets doch noch einen geeigneten Einsatzzweck zu finden.

Ein weiteres Jahr ist vorbei, immer ein Anlass, zu reflektieren, in sich zu gehen und darüber nachzudenken, was gut gelaufen ist und was man im nun anstehenden Jahr vielleicht besser machen möchte. Dies gilt nicht nur für Menschen in der Mid-Life-Crisis, sondern auch Hersteller für Smartphone-Zubehör: Es ist verständlich, dass so manch ein Unternehmen in Zeiten völliger technologischer Übersättigung ungewöhnliche Wege bestreitet, um sich aus der Masse der Mitbewerber hervorzuheben. Was dann dabei herauskommt, ist aber manchmal wirklich alles – nur nicht nützlich.

Nummer 5: LG Rolly Keyboard

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Wer kennt es nicht: Man ist gerade unterwegs, schlürft im Starbucks seines Vertrauens einen Ice Flavored Frappucino und bekommt unwillkürlich das dringende Bedürfnis, umfassende Veränderungen an seiner Masterarbeit, seiner Steuererklärung oder anderen unwichtigen Dokumenten durchzuführen. Da das MacBook Air aber zuhause an der Steckdose hängt, muss man stattdessen mit seinem iPhone/Smartphone vorlieb nehmen – blöd nur, dass die Touchscreen-Tastatur sich naturgemäß nicht wirklich dazu eignet, um seiner Schreibwut freien Lauf zu lassen.

Als moderner Smartphone-Nutzer von Welt hat man da natürlich in seinem Jackett das LG Rolly Keyboard dabei. Die einrollbare Bluetooth-Tastatur sollte zum alltäglichen Begleiter für alle Großstadtkrieger werden, für die Burnout nur ein Symptom des Erfolgs (und ein Laptop offensichtlich zu unhandlich) ist. Und irgendwie klingt das Versprechen einer stets greifbaren, kompakten Bluetooth-Tastatur in der Theorie ja tatsächlich sinnig. In der Praxis erwies sich das Rolly-Keyboard allerdings höchstens als probates Mittel für einen Stresstest: Der Tastenanschlag ist eine Qual, eine Zahlenreihe fehlt und zielsicher tippen lässt sich auf der Tastatur schon gar nicht. Obendrein verschlingt das Rolly Keyboard Batterien, da es keinen integrierten Akku besitzt. Unser Urteil:

  • Eignet sich gut für: Plätzchenteig ausroll(y)en, als Zauberstab, Rückenkratzer oder Handballenunterlage für eine richtige Tastatur
  • Eignet sich nicht so gut für: Essays verfassen, Super Mario mit Emulator spielen, jede Tätigkeit, bei der man eine Tastatur benötigt

Nummer 4: Rollei Selfie Stick

Selfies sind aus unserer selbstverliebten Gesellschaft einfach nicht mehr wegzudenken – passendes Zubehör ist da auf jeden Fall gefragt. Egal ob man gerade beim Weihnachtsessen mit den Großeltern sitzt, sich auf einer Weltreise befindet oder das dringende Bedürfnis hat, mit einem Burger oder anderen Lebensmitteln vor der Frontkamera des Smartphones zu posieren; mit einem Selfie Stick gelingt die Selbstinszenierung lässig, ja geradezu „effortless“.

Das scheinen zumindest die Menschen zu meinen, die mit so einer Stange durch die Gegend laufen.

Um das geliebte Smartphone bloß niemandem anders in die Hände drücken oder auch nur einen der Freunde auf dem Bild missen zu müssen, nimmt man einiges in Kauf. Etwa verwackelte Aufnahmen, Krämpfe im Unterarm und intensiven Körperkontakt mit der Security. Immerhin lassen sich Selfie Sticks bei Meinungsverschiedenheiten auch durchaus als Teleskopschläger verwenden – gerade mit einem wuchtigen Nokia-Smartphone am einen Ende eine schlagkräftige Waffe. Wir meinen daher:

  • Eignet sich gut für: Kneipenschlägereien, Fechten, Smartphone-Nutzer mit Weitsichtigkeit, Spinnwebenbeseitigung, Sicherheitsrisiko in Museen werden
  • Eignet sich nicht gut für: Soziale Anerkennung ernten, scharfe Fotos, Würde

Nummer 3: Oehlbach Kopfhörerständer

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Seid ihr es auch leid, eure Kopfhörer in der Ecke verstauben zu lassen? Sucht ihr für eure sündhaft teuren Sennheiser oder Beats by Dre vielleicht noch die perfekte Möglichkeit, sie in Szene zu setzen? Dann solltet ihr euch auf keinen Fall den kaufen. Abgesehen davon, dass der Ständer nur einen einzigen Kopfhörer trägt, bietet er gar keine Möglichkeit, eure ebenfalls sündhaft teuren In-Ear-Headphones von Bose zu platzieren. Obendrein muss neben den Kopfhörern fortan auch die Büste fleißig mit dem Staubwedel gereinigt werden.

Irritierend dürfte auch der Gesichtsausdruck des abgebildeten Konterfeis sein, der irgendwo zwischen ekstatischem Mitgrölen eines Helene Fischer-Songs und schmerzhafter Penetration des Trommelfells liegt (ebenfalls ausgelöst durch einen Helene Fischer-Song). Nicht einmal als Dekorationsgegenstand eignet sich der Kopfhörerständer von Oehlbach: Beim ersten Date vermittelt man damit eher den Eindruck eines egozentrischen Serienkillers als den eines audiophilen Musikliebhabers. Unser Urteil:

Eignet sich gut für: Einbrecherbekämpfung, Schminktutorials, Perrückenhalter, Zurschaustellung geschmackloser Dekadenz
Eignet sich nicht so gut für: Outing als Musikliebhaber (oder Mensch mit Geschmack), In-Ear-Kopfhörer (Designfehler!)

Nummer 2: BlackBerry Mobile Visor

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Ohne Worte.

Nummer 1: Fleshlight iPad-Halterung

Weihnachten – das Fest der Liebe, der Sinnlichkeit, doch für viele vor allem auch das Fest der Einsamkeit. Schließlich hat nicht jeder eine bessere Hälfte, mit der er zusammen Heiligabend in trauter Zweisamkeit feiern kann. Ebenfalls schlimm trifft es diejenigen, deren geliebter Partner sich am anderen Ende der Welt befindet: Eine Skype-Konversation auf dem iPad kann die menschliche Wärme und Intimität, die einem die körperliche Nähe zu der Liebe seines Lebens bietet, einfach nicht ersetzen … zumindest nicht, ohne das passende Zubehör!

Unschuldigen Seelen, die beim Vernehmen des Wortes Fleshlight zuerst an eine kleine mobile Lichtquelle mit eigener Energieversorgung denken, sollten am besten gar nicht erst weiterlesen (und sich erst recht nicht den obigen Werbeclip anschauen!). Was der Hersteller von Erotikartikeln mit der iPad-Halterung für den hauseigenen Verkaufsschlager auf den Markt gebracht hat, ist nämlich auf so viele verschiedene Arten und Weisen obszön, dass 50 Shades of Grey geradezu wie das prüde Werk einer katholischen Nonne wirkt. Wem man erklären muss, warum Sex mit dem iPad gesellschaftlich inakzeptabel ist (und nein, es liegt ausnahmsweise mal nicht an iOS!), dem kann ohnehin nicht mehr geholfen werden – wir schreiten daher geschwind zum Fazit:

  • Eignet sich gut für: … Starbucks-Becher halten, iPad am Unterarm befestigen beim Action-Climbing
  • Eignet sich nicht so gut für: Simulieren menschlicher Geborgenheit, Trostspenden, wenn man sich nachts in den Schlaf weint

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