Wegen veralteter Android-Version: Verbraucherzentrale verklagt MediaMarkt

Rafael Thiel 8

MediaMarkt unter Beschuss: Verbraucherschützer haben Klage gegen eine Filiale der Elektronikkette eingereicht, weil diese ein mit Sicherheitslücken behaftetes Smartphone verkauft hat. Hätten Kunden diese Information vom Händler erfahren müssen?

Wegen veralteter Android-Version: Verbraucherzentrale verklagt MediaMarkt
Bildquelle: MediaMarkt.

Bei preiswerten Smartphones ist die Hemmschwelle oft niedrig. Jedem Kunden ist bewusst, dass er für 99 Euro kaum eine überragende Kamera oder ein hochwertiges Design erwarten darf – das ist kein Geheimnis, schließlich gestaltet sich so die Preisbildung. Doch wie sieht es mit der Software aus?`

Dass ein günstiges Smartphone weniger Softwarefeatures aufweist als das allerneueste Samsung- oder Apple-Modell ist naheliegend, auch dass es vermutlich nicht ganz so flott unterwegs sein wird. Allerdings sollten Kunden davon ausgehen können, dass ihr erworbenes Smartphone auch sicher ist. Diese Meinung hat zumindest die Verbraucherzentrale NRW, die gegen einen MediaMarkt in Köln klagt.

MediaMarkt verkaufte unsicheres Smartphone

Besagte Filiale hat das Cynus T6 von Mobistel verkauft, für attraktive 99 Euro. Problem: Zum Zeitpunkt des Verkaufes war das Smartphone mit 15 „nicht mehr behebbaren Sicherheitslücken“ behaftet, stellten IT-Sicherheitsexperten des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) fest. Diese „wesentliche Information“ hätte den Kunden nach Ansicht der Verbraucherzentrale mitgeteilt werden müssen. Installiert war Android 4.4 KitKat, also eine mehr als veraltete Version, die 2013 das Licht der Welt erblickte.

Die Sicherheitslücken des Cynus T6 waren allgemein hin bekannt. Das BSI hat Mobistel schon im September 2016 darüber informiert. Eine Antwort an die Behörden bleibt das Unternehmen bis heute schuldig, ebenso ein behebendes Softwareupdate. Obwohl die Möglichkeit da gewesen wäre, entschloss sich die Verbraucherzentrale übrigens explizit dagegen, Google als Entwickler des Betriebssystems in die Klage einzubeziehen. Es gehe laut einem Sprecher lediglich darum, dass der Händler seine Kunden über die Risiken hätte informieren müssen – nicht um die Sicherheitslücken als solche.

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Wäre eine solche Informationspflicht für Händler praktikabel?

Noch befindet sich die Klage in einem frühen Stadium. Mit einem Ergebnis ist erst in den kommenden Monaten zu rechnen. Betroffen ist zwar streng genommen nur die eine MediaMarkt-Filiale in Köln, jedoch erhofft sich die Verbraucherzentrale Signalwirkung für alle Händler.

So einfach ist das Ganze aber wohl auch nicht. Denn wo würde die Informationspflicht dann enden? Ein Betriebssystem oder Software an sich ist gemeinhin nie zu 100 Prozent sicher. Die gröbsten Lücken sind zudem in der Regel rasch behoben, wenn auch natürlich nicht sofort.

Vor ein paar Jahren machte etwa die Angst um Stagefright die Runde, eine Sicherheitslücke, die für einige Wochen alle Android-Nutzer betraf. Hätten MediaMarkt und andere Händler vor jedem Android-Kauf warnen sollen? Natürlich ist eine aktuelle Betriebssystem-Version schon mal ein guter Fingerzeig darauf, dass die relative Sicherheit hoch ist. Allerdings kommen eben nicht alle Smartphones jedes Jahr in den Genuss der neuesten Android-Version und sind dennoch nicht zwangsläufig unsicher. Glücklicherweise handelt es sich beim Mobistel ohnehin um einen Extremfall – Smartphone-Käufe mit einem älteren Android als 6.0 Marshmallow sind generell nicht mehr empfehlenswert.

Was haltet ihr von der ganzen Sache? Schreibt uns eure Meinung in die Kommentare.

via Süddeutsche

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