MediaTek Helio X20-Prozessor mit 10 Rechenkernen offiziell vorgestellt

Tuan Le 1

MediaTek hat ganz offiziell seinen Helio X20-Prozessor vorgestellt. Das Besondere an dem Chip ist die neuartige Architektur: Insgesamt kommen zehn Rechenkerne zum Einsatz, die in drei verschiedene Sektoren aufgeteilt sind. In der Theorie soll dadurch eine noch flexiblere Performance abhängig vom Nutzerverhalten möglich sein.

Vergangene Woche tauchten einige Details zum MediaTek Helio X20-SoC auf, jetzt wurde der Prozessor offiziell enthüllt. Mithilfe einer sogeannnten Tri-Cluster-Architektur soll der neue Deca-Core-Chipsatz für eine besonders effiziente Performance in allen Nutzungslagen sorgen und dabei gleichzeitig aus kostentechnischer Sicht eine attraktive Alternative für Hardware-Hersteller sein.

Tri-Cluster-Architektur: So funktioniert die neue Technologie

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Die Tri-Cluster-Architektur ist im Grunde genommen eine intelligente Weiterentwicklung von ARMs  big.LITTLE-Architektur, die aktuell den Prozessor-Markt dominiert. Bei big.LITTLE gibt es stets zwei verschiedene Bereiche: Einen Low-Performance-Sektor mit Rechenkernen, die für einfache Aufgaben zuständig sind sowie einen High-Performance-Teil, der nur bei rechenintensiven Aufgaben aktiv wird. Eine Weiterentwicklung des Prinzips stellte bereits die HMP-Technologie (Heterogeneous Multi Processing) dar, die bei Vollauslastung die Verwendung sämtlicher Rechenkerne auf einen Schlag erlaubt.

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Was MediaTek mit der Tri-Cluster-Technologie verbessern möchte, ist die Anpassungsfähigkeit: Anstelle von zwei gibt es drei verschiedene Arbeitsbereiche: Zunächst einmal sind dies vier Rechenkerne mit Cortex A53-Kernen bei einer Taktung von 1,4 GHz, die für einfachere Aufgaben zuständig sind. Für Aufgaben mit mittlerem Leistungsanspruch wie zum Beispiel Multimedia oder Web-Browsing gibt es dann vier weitere A53-Kerne, jedoch bei einer Taktung von 2,0 GHz. Die Speerspitze zum Bewältigen von besonders rechenintensiven Aufgaben stellen schließlich die beiden High End-Chips mit einer Taktung von maximal 2,5 GHz dar. Hierbei handelt es sich um Cortex A72-Rechenkerne, die auch bei intensivem Gaming eine ausreichende Leistung bieten sollen.

MediaTek Helio X20-Prozessor: GPU bislang noch nicht bekannt

Wie gut die Gaming-Performance jedoch schlussendlich sein wird, bleibt abzuwarten: Über die GPU ist noch nicht viel bekannt, da MediaTek sich selbst in diesem Punkt noch nicht ganz sicher zu sein scheint. Es ist zu vermuten, dass es sich hierbei um eine ARM Mali High End-GPU ähnlich der Mali T880 handeln wird. Hier könnte MediaTek erstmals auch bei der GPU einen starken Anreiz bieten und vielleicht sogar die Performance der Samsung-Chipsätze, die mit der Temperatur-Entwicklung des Mali T880 noch nicht haushalten können, übertreffen.

Laut MediaTek soll der neue X20-Prozessor eine 40 Prozent höhere Performance sowie einen um 40 Prozent reduzierten Stromverbrauch im Vergleich zum Helio X10-Prozessor – ebenfalls bekannt als MT6795 – bieten. Im Vergleich zur big.LITTLE-Architektur soll der Stromverbrauch um 30 Prozent sinken, was ebenfalls beachtlich ist. Der etwas veraltete LPDDR3-RAM mit 933 MHz dürfte hier nicht zum Flaschenhals werden, da das SoC ohnehin keine 4K-Displays unterstützt.

Zusätzlicher Cortex-M4 als Sensor-Prozessor

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Ebenfalls integriert ist ein mit 364 MHz taktender Cortex M4, dem dedizierter SRAM mit einer Größe von 512 KB zur Verfügung steht. Dieser ist stromsparend und ist für Aktivitäten zuständig, die bei ausgeschaltetem Display stattfinden. Dazu gehört etwa die Wiedergabe von Musik aber auch die Verbesserung der Gesprächsqualität bei Telefonaten. Auch Sensoren für Helligkeit, Beschleunigung und Co. dürften durch den Sensor betrieben werden, wodurch die Akkulaufzeit weiter verbessert wird.

LTE Cat.6, bis zu 32 MP-Kameras und 4K-Videowiedergabe mit 10-Bit-Farbwiedergabe

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Es gibt noch einige weitere interessante Features: Ein LTE Cat6-Modem für Downloadgeschwindigkeiten bis zu 300 Mbit/s und 50 Mbit/s im Upstream befindet sich ebenfalls an Bord. Zudem unterstützt der Prozessor Dual ISP für Kameras mit bis zu 32 MP und kann 4K-Videos mit 10-Bit-Farbtiefe wiedergeben, Videoaufnahmen können allerdings nur in 2160p durchgeführt werden.

Erste Testexemplare des neuen Prozessors sollen in der zweiten Hälfte dieses Jahres an Hardware-Hersteller ausgeliefert werden. Anfang 2016 sollen dann die ersten Smartphones und Tablets mit dem neuen Chipsatz erhältlich sein.

Quelle: MediaTek @Google+ via AnandTech

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