„Wenn Du einen Feind nicht besiegen kannst, dann mache ihn Dir zum Freund“ – diese Volksweisheit scheint sich Microsoft zu Herzen genommen zu haben. Da Windows Phone nach wie vor Probleme hat, sich auf dem Markt gegen die übermächtige Konkurrenz von iOS und inbesondere Android durchzusetzen, scheint das Management bei Microsoft nun drastische Maßnahmen in Erwägung zu ziehen. So überlegt man einem Bericht von The Verge zufolge Android-Apps nicht nur für die Desktop-Version von Windows, sondern auch Windows Phone verfügbar zu machen. Es gibt allerdings bereits jetzt triftige Gründe, die gegen eine solche Entwicklung sprechen.

Lassen wir die Zahlen für sich sprechen: Nach letztem Stand (Dezember 2013) befinden sich mehr als 200.000 Apps im Windows Phone Store – bei Google Play sind es hingegen schon seit August 2013 mehr als eine Million Apps. Aber im Grunde ist es ohnehin fragwürdig, ob die Anzahl verfügbarer Apps alleine viel über die tatsächliche App-Vielfalt und Qualität aussagt, da die meisten Nutzer kaum mehr als 50 Apps regelmäßig verwenden. Erst kürzlich zeigte allerdings das Beispiel Flappy Bird auf, dass man als Windows-Phone-Nutzer gelegentlich das Gefühl haben kann, aktuellen Trends hinterherzuhinken. Die Überlegung liegt daher nahe, Android-Applikation auch unter Windows und Windows Phone nutzbar zu machen – am Desktop wäre die Portierung vermutlich wenig problematisch, schließlich gibt es zum Beispiel mit dem Bluestacks-Player bereits eine recht gut funktionierende Methode zur Emulation von Android-Apps am PC.

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Somit könnten Nutzer von Windows-8-Tablets auch in den Genuss diverser für Touchscreens optimierte Android-Applikationen kommen, welche im Moment noch eher rar sind. Die Modern-UI-Applikationen würden dadurch zwar einen Dämpfer erhalten, da Nutzer möglicherweise auf Android-Alternativen setzen würden. Windows 8 würde dadurch aber als OS selbst keine Nutzer verlieren, weil gerade im professionellen Bereich Windows-Programme wie Photoshop oder Microsoft Office kein entsprechendes Android-Pendant besitzen. Die Einführung von Android-Apps wäre daher am Desktop weniger problematisch – eher für Windows Phone könnte ein solcher Schritt dramatische Folgen haben.

Es ist natürlich schon im Vornherein ausgeschlossen, dass Google Microsoft einen Play-Store-Zugang gewährt und somit würden die Android-Apps in der Theorie vielmehr parallel zu Windows-Applikationen im Windows Store angeboten werden. Technisch ließe sich dies vermutlich wie auch bei Blackberry realisieren, nur ist kritisch zu hinterfragen, was dies für die Zukunft von Windows Phone bedeuten würde. Schließlich würde dann vermutlich ein Großteil der Entwickler nur noch Android-Applikationen entwickeln und Windows Phone als OS dadurch an Relevanz verlieren. Andererseits könnte Microsofts OS dann ob des größeren App-Angebots bei den Nutzern interessanter werden und die Hardware-Verkäufe ankurbeln. Dass Microsoft gegenüber Android nicht vollends abgeneigt ist, deutet sich beispielsweise durch das Nokia X aka Normandy an, das aktuellen Berichten zufolge im Zuge des MWC 2014 vorgestellt werden soll - mit Erlaubnis von Microsoft. Sollte Microsoft in Zukunft auch auf Android-Apps setzen? Eure Meinungen dazu bitte in die Kommentare.

Quelle: The Verge [via Tabtech]