Microsoft kauft Nokia: Elefantenhochzeit für 5,44 Milliarden Euro

Frank Ritter 7

Analysten hatten diesen Schritt schon lange erwartet, nun ist es soweit: Microsoft kauft Nokias Kerngeschäfte für 5,44 Milliarden Euro. Die Smartphone-Marke Nokia wird dabei offenbar begraben, zukünftige Geräte werden unter dem Microsoft-Label gefertigt. Steven Elop, Nokias CEO mit Microsoft-Vergangenheit, wird die vereinigte Hardware-Sparte leiten.

Microsoft kauft Nokia: Elefantenhochzeit für 5,44 Milliarden Euro

Zwei Giganten der Neunzigerjahre machen jetzt endgültig gemeinsame Sache: Nein, Nokia wird offenbar nicht komplett von Microsoft übernommen, aber alle relevanten Teile des 150 Jahre alten Gummistiefelherstellers. Das sind namentlich Nokias Smartphone-und Geräte-Business, Nokias Fabriken zur Hardware-Fertigung und die Services-Sparte. Außerdem erhält Microsoft per Lizenzierung weitreichende Nutzungsrechte für Nokias Ortungsdienst Here und Nokias Patent-Portfolio.

Microsoft kauft dabei Nokias Business für 3,79 Milliarden Euro und zenjährige Nutzungsrechte für die Patente der Finnen für 1,65 Milliarden. Interessanterweise ist Nokia damit Microsoft weniger wert als Skype — für den Messenger griff man 2011 tiefer in die Tasche und legte 8,5 Milliarden US-Dollar (rund 6,4 Milliarden Euro) auf den Tisch.

Teil des Deals ist, das 32.000 Nokia-Mitarbeiter fortan Microsoft als Arbeitgeber haben, alleine 18.300 davon in der Fertigung. Steve Ballmer verspricht in einer E-Mail, dass es keine größeren geographischen Änderungen geben wird, die Teams bleiben also größtenteils dort, wo sie sind. Trotzdem wird sich etwas Signifikantes ändern: Nokia-Geräte soll es zukünftig nicht mehr geben, alle Mobilprodukte werden fortan unter dem Microsoft-Label verkauft werden.

Die Übernahme soll im ersten Quartal 2014 abgeschlossen sein. Nachdem Microsoft-CEO Steve Ballmer kürzlich den Rücktritt von seinem Posten in den nächsten 12 Monaten bekanntgegeben hatte, wird Nokias CEO Stephen Elop, der schon früher bei Microsoft tätig war und als möglicher Nachfolger gehandelt wird, zunächst Leiter von Microsofts und Nokias kombiniertem Hardware-Geschäft im Mobilsektor.

Microsoft will mit diesem Deal sein Hardware-Business stärken, das unlängst mit dem Surface-Tablet einen Vorstoß ins Tablet-Segment unternommen hatte, aber seit Jahren in puncto Markterfolg hinter den Erwartungen zurückbleibt. Insbesondere Nokias immer noch lukratives Geschäft mit Einsteiger-Smartphones der Asha-Serie, die bislang Symbian als Betriebssystem verwendeten und in Schwellenländern enorm erfolgreich waren, soll neuen Kunden zukünftig als Einstieg in die Windows Phone-Welt dienen.

Eine solche Meldung hat industrieweite Auswirkungen und ist damit natürlich auch für die Geschäfte von Google und das Android-Ökosystem relevant. Zunächst einmal begräbt die Übernahme leider endgültig sämtliche Hoffnungen auf ein Nokia-Gerät mit Android. Das ist schade, denn wir hätten gern ein Smartphone von der Hardware-Qualität eines Lumia 1020 mit Android gesehen. Zudem wird es zukünftig einen Kampf der Systeme um die Märkte der Schwellen- und Entwicklungsländer geben: Google-CEO Larry Page hatte auf der Google I/O im Mai dieses Jahres ebenfalls mehrfach betont, dass Android auch bei Low End-Geräten stärker vertreten sein soll.

Gut für Android ist, dass sich Microsofts andere Hardware-Partner, etwa HTC, Huawei und Samsung zukünftig wohl noch weniger für Windows Phone engagieren, möglicherweise ganz zurückziehen werden – auch wenn Terry Myerson, Executive Vice President of Operating Systems bei Microsoft in einem Blog-Posting betont, dass man weiterhin offen ist für die Dritthersteller. War Nokia bislang „nur“ Microsofts Premiumpartner, macht es für andere Hersteller künftig wohl überhaupt keinen Sinn mehr, Windows Phones zu fertigen – insbesondere, da der finanzielle Erfolg dieser Geräte nach wie vor ausbleibt.

Links zum Thema:

[via The Verge, The Next Web]

Hinweis: In einer früheren Version behaupteten wir, dass Nokias „Here“-Kartenservices und Nokias Patentportfolio ebenfalls in den Besitz von Microsoft wechseln. Das ist nicht richtig, die Here-Services bleiben, neben NSN (Nokias Netzinfrastruktur-Sparte) und Nokias Patentportfolio im Besitz von Nokia. Microsoft erhält allerdings per Lizenzierung weitreichende und langjährige Nutzungsrechte für die Here-Technologie und die Nokia-Patente.

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