Wird Microsoft das „neue Apple“? (Kommentar und Video)

Sven Kaulfuss 46

Wird Microsoft das „neue Apple“? Ein Underdog im Mobil-Business der langsam aber stetig im Windschatten der großen Tiere gedeiht? Zumindest spielt man im neuesten Werbespot bewusst darauf an. Microsoft und seine Kunden möchten nicht wie jeder andere sein.

Seit heute arbeiten 25.000 Nokia-Mitarbeiter offiziell für Microsoft. Nach der Übernahme der Finnen konzentrieren sich die Macher in Redmond auf die Image-Bildung. Ist Microsoft im Desktop-Bereich seit Dekaden Quasi-Monopolist (und totlangweilig), so muss man sich bei Smartphones und Tablets mit einem einstelligen Marktanteil begnügen. Doch langsam wächst dieser, wie auch die neuesten Zahlen belegen. Windows für Smartphones und Tablets möchte anders sein als iOS oder Android und verspricht eine profunde Alternative.

„Not like everybody else“ in der Tradition von „Think different“

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Endlich Konkurrenz für Android und iOS: Sieht so Microsofts neues Smartphone-Betriebssystem aus?

Der neueste Werbespot thematisiert das Thema: Es ist cool ein Underdog zu sein. In einer trostlosen Schwarz-Weiß-Welt wandert ein Windows-Nutzer als Farbkleks durch die Gegend. Im Hintergrund tönt die britische Rockinvasion in Form der Kinks – I’m not like everybody else!

Not Like Everybody Else.

Am Ende erblickt unser Held sein weibliches Pendant mit einem Windows-Tablet in der Hand – ein Lächeln der Beiden erhellt den Raum. Wir verstehen uns, gehören einer gemeinsamen Sippe an. Worte sind entbehrlich – Words are very unnecessary!

Unglaublich: Microsoft wird cool

Das sitzt erst mal und kommt uns Apple-Usern so bekannt vor. Noch vor wenigen Jahren waren wir der Farbklecks, heute gehören wir längst zur grauen Masse des Mainstreams. Irgendwas läuft hier schief: Ist Microsoft jetzt etwa hip oder auf dem besten Weg dahin?

Wir werden uns wohl oder übel zunächst damit anfreunden müssen. Der Nimbus des Underdogs ist Apple verloren gegangen. Als wertvollste Marke ist man vielleicht noch „cool“, nicht aber hip im eigentlichen Sinne. Wir gehören nun zum etablierten Club – hier zu finden solch illustre Gäste wie Nike, McDonald’s und Starbucks.

Microsoft war dagegen in der Vergangenheit weder cool noch hip. Eher so etwas wie eine Zwangsmaßnahme. Man nutzte Windows, weil es – durch die weitreichende Lizenzierung – jeder verwenden „musste“. Entsagte man diesem Dogma und verwendete Alternativen wie Mac OS X, galt man auch schon mal als hip – zumindest vor etwa 10 Jahren. Davor wurde man als armer Irrer belächelt.

Es klingt paradox: Aber Microsoft hat diesmal eine echte Chance zum ersten Mal in der Geschichte die Rolle des trendführenden Underdogs zu übernehmen und entlehnt auch im Marketing sich der Ideen von Apple – Think different lässt grüßen.

Verrückte Welt.

PS: Unsereiner bleibt Apple natürlich trotzdem treu. Wer einmal die Fast-Pleite der Apfelbauern erleben durfte, der lässt sich auch von einer – zugegeben guten – Image-Kampagne Microsofts nicht verführen.

Das Bananenprinzip: Reifen auch bei dir die Produkte erst daheim?

Hin und wieder gewinnt man den Eindruck, Hersteller wie Apple, Google, Microsoft oder Samsung würden ihre Produkte nur unzureichend im Vorfeld des Verkaufs testen. Am Ende erhält der Kunde ein unausgereiftes Produkt mit Schwächen im Hardware-Design und meist noch fehlerhafter Software. Doch stimmt dies wirklich? Was sind deine bisherigen Erfahrungen?

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