Motorola-Chef Rick Osterloh: „Die Tage der 600 Dollar-Smartphones sind gezählt“

Rafael Thiel 18

Es ist einiges los bei Motorola dieser Tage: Neben der sich kurz vor Abschluss befindlichen Übernahem von mit Lenovo wurde vor kurzem auch das neue Hardware-Portfolio für die nächsten Monate vorgestellt. Motorola-Chef Rick Osterloh erklärt im Interview nun die langfristige Unternehmens-Strategie und spricht über transparente Preispolitik, die Zusammenarbeit mit Lenovo und das mögliche Ende von überteuerten High-End-Smartphones.

Rick Osterloh über Motorolas Produktstrategie

Motorola hat sich seit der Übernahme durch Google verändert – um nicht zu sagen enorm verbessert. „Der Fokus liegt auf einer Handvoll von großartigen Produkten“, so Osterloh im Interview mit Re/Code. Dabei verfolgt Motorola seiner Meinung nach einen ganz eigenen Ansatz: Während die Konkurrenz weitgehend auf schön zu lesende Datenblätter setzt, konzentriert man sich auf das Gesamtpaket samt Software und gibt dem Käufer Möglichkeiten der Individualisierung mithilfe des Designportals Moto Maker in die Hand. Das gilt für Modelle aller Preiskategorien. Ob diese indes so bleibt, ist derzeit offen, denn dieser Tage hat mit Punit Soni, seines Zeichens Motorola-Produktmanager, eine treibende Kraft für dieses interne Umdenken und Verfechter von brauchbaren Smartphones für den kleinen Geldbeutel, das Unternehmen verlassen. Er ist beispielsweise unter anderem verantwortlich für den Erfolg des Moto G (2013, Test) und die Software-Features Touchless Control und Quick Capture.

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…über unnötig teure Smartphones

Mit den Moto Gs und dem Moto E (Test) führt Motorola äußerst preiswerte aber deswegen nicht minder brauchbare Smartphones im Portfolio, selbst das Flaggschiff ist vergleichsweise günstig zu haben. Wenn es nach Osterloh geht, sind die Tage der 600 bis 700 Euro-Smartphones gezählt. „Die Konsumenten sehen ein, dass sie gar nicht so viel Geld auszugeben brauchen“, erklärt der Chef von Motorola weiter. Außerdem bietet man seine Geräte zunehmend auch außerhalb von Verträgen an (in den USA ein Novum) und forciert eine transparente und faire Preisgestaltung. Infolgedessen konnte Motorola in puncto Marktanteil beispielsweise in Brasilien Platz 2 und in Indien Platz 4 erobern, so Osterloh.

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…über die Übernahme durch Lenovo

Nun steht die Übernahme durch Lenovo bevor. Mithilfe des chinesischen Unternehmens plane man künftig weitere Märkte zu erschließen. Bislang sind die Moto-Geräte in etwa 45 Ländern erhältlich, das chinesische Unternehmen agiert global dagegen in weitaus größerem Rahmen. Davon wird Motorola profitieren können, erklärt Osterloh. Die Akquisition solle demnach noch in diesem Jahr unter Dach und Fach gebracht werden, gleichwohl es keinen festen Zeitplan gebe. Entgegen früherer Berichte, soll die Zusammenarbeit zunächst unabhängig weitergehen; jedoch gäbe es langfristige Pläne, die beide Parteien gleichermaßen zusammen zu verfolgen gedenken.

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Es scheint voran zu gehen bei Motorola und in einer so kurzatmigen Branche führen oftmals eher die langfristigen Pläne zum Erfolg. Allerdings gibt es auch Kritik. So wird dem Hersteller vorgeworfen, bei Bauteilen seiner Produkte unnötig gespart zu haben. Der Prozessor der Moto 360 etwa ist veraltet und der Akku ist ebenso wie beim Moto X (2014) ersten Benutzerberichten zufolge zu knapp bemessen – angeblich alles zugunsten eines niedrigeren Verkaufspreises. Es kommt sogar der Wunsch nach einer teureren Moto 360 auf. Dabei ist die Produktstrategie angesichts der Konkurrenz aus China an und für sich durchdacht. Schaut man sich nur einmal OnePlus an, die einen „Flagship-Killer“ mit grundsolider Software, guter Hardware und via den mittlerweile gestrichenen StyleSwap-Covern individualisierbares Smartphone zum Selbstkostenpreis anbieten wollten – gescheitert ist der große Erfolg nur an der beschränkten Verfügbarkeit. Mit Lenovo im Rücken könnte Motorola jedoch der Spagat zwischen Preis und Qualität gelingen.

Quelle: Re/Code [via MobileGeeks]


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