Motorola: Was Lenovo mit der Marke vorhat

Andreas Floemer 1

Seit der Übernahme Motorolas durch Lenovo schwebt die Frage im Raum, was der weltgrößte Computerhersteller mit dem US-Handypionier für Pläne hat. Auf diese hat Lenovo-Chef Yang Yuanqing nun ein paar erste Antworten parat. So möchte der chinesische Konzern die eigenen Geräte unter der zugkräftigen Marke Motorola unter anderem in Europa stärken.

Motorola: Was Lenovo mit der Marke vorhat

Motorola war unter der Ägide Googles ein großes Verlustgeschäft, auch wenn das Moto G (Test) ein absoluter Topseller war und für das Unternehmen das meistverkaufte Smartphone der Firmengeschichte darstellt. Beim Topmodell Moto X sah das etwas anders aus. Obwohl man ein Smartphone mit innovativen Features entwickelt hatte und das dank des Moto Makers in den USA (bald auch in Europa) in vielen Farbkombinationen erhältlich ist, schaffte es das Gerät offenbar kaum über den Status des Kritiker-Lieblings hinaus. Einem älteren Interview mit Lenovo-Chef Yang Yuanqing zufolge wolle man Motorola binnen weniger Monate die Kehrtwende schaffen und die Marke vor allem in China populär machen.

Moto-G-Rueckseite-schraeg-Kamera-Lautsprecher-LED

Bild: Das Moto G von Motorola entstand noch unter Googles Ägide und gilt als Erfolg

Wie Yang Yuanqing nun in einem aktuellen Interview mit der Wirtschaftswoche zu Protokoll gibt, werde man aber nicht nur den chinesischen und indischen Markt mit neuen Geräten beglücken, man habe selbstredend auch Europa im Visier. Insbesondere in Deutschland, Frankreich und England plane man „alle Preispunkte“ zu besetzen. Laut Yang könne Motorola nicht nur im Top-Segment aktiv sein, in dem Motorola derzeit das Moto X verkauft, auch den Niedrigpreis-Markt wolle man bespielen. Um dies zu bewerkstelligen, habe man eine Art Huckepack-Strategie in Planung, um Lenovos eigene Produkte unter der Marke Motorola zu vertreiben, anstatt den Vertrieb unter eigener Marke in Europa in Gang zu bekommen. Dies klingt durchaus sinnvoll – weshalb sollte man auch zwei vollständig voneinander getrennte Vertriebskanäle für Smartphones aufbauen?

Interessant ist dies vor allem im Lichte der letztjährigen Ankündigung Lenovos, die eigenen Smartphones ab 2014 auch in Deutschland vertreiben zu wollen. Hierfür hätte man komplett neue Vertriebswege aufbauen müssen, was sich insbesondere in Deutschland als recht kompliziert erweist, da Netzbetreiber noch eine Art Gatekeeper-Status innehaben. Motorola ist in Deutschland seit Jahren etabliert, sodass Lenovo existierende Kanäle und Kontakte nutzen kann. Dass die Lenovo-Smartzphones technisch durchaus interessant sind, haben unter anderem das Lenovo K900 und das Vibe Z (Hands-On) bewiesen.

Mit diesem Huckepack-Konzept hatte Lenovo bereits nach der Übernahme der PC-Sparte von IBM ein gutes Händchen bewiesen. Die Notebooks von Lenovo unter der ehemaligen IBM-Marke Thinkpad – etwa das High End-Modell – sind hierzulande populär und erfolgreich.

Die Übernahme Motorolas durch Lenovo ist derweil allerdings noch nicht in trockenen Tüchern – einige Wettbewerbsbehörden müssen der Akquisition noch grünes Licht geben. Yang gibt sich allerdings sehr zuversichtlich, dass der Prozess innerhalb der nächsten sechs bis neun Monate abgeschlossen ist. Denn man versteht sich bei Lenovo nicht als verschlossenes chinesisches Unternehmen, sondern als „offener, globaler Konzern“, so Yang. Dies habe man bei früheren Übernahmen bereits bewiesen.

Bis die Übernahme abgeschlossen ist, werden wir noch ein paar spannende Produkte aus dem Hause Motorola zu sehen bekommen, die noch unter Schirmherrschaft Googles entwickelt wurden. Hier seien beispielsweise die schicke Smartwatch Moto 360 sowie die Nachfolger des Moto X und Moto G zu nennen.

Quelle: WiWo [via heise]

Zu den Kommentaren

Kommentare zu dieser News

* Werbung