AAA-Entwicklung kann laut Ex-Uncharted-Chefentwicklerin Leben zerstören

Marco Schabel 3

Dass die Entwicklung von Spielen – und insbesondere von großen Titeln – hart sein kann, ist bekannt. Die ehemalige Uncharted-Chefentwicklerin Amy Hennig lässt kein gutes Haar und gibt sogar an, dass AAA-Spiele Leben zerstören können.

Uncharted 3 Drake's Deception.mp4.

Amy Hennig ist nicht nur eine der wenigen großen Frauen in der Welt der Videospielentwickler, sondern auch eine Entwicklerin mit viel Erfahrung. Zuletzt war sie die Hauptverantwortliche für Uncharted 3 und sollte auch für Uncharted 4 eine große Rolle spielen, bevor sie zu EA wechselte und sich dort der Star Wars-Serie für Visceral Games annahm. Mit anderen Worten: Amy Hennig weiß mittlerweile ganz gut, wie der Hase läuft. In einem aktuellen Podcast sprach sie über die sogenannte Triple-A- oder AAA-Entwicklung, also die Entwicklung von Spielen mit großem Budget für den großen Markt. Und wie es scheint, hat sie nicht gerade ein gutes Bild von der Industrie.

Mindestens 80 Arbeitsstunden in der Woche

Demnach seien insbesondere die sogenannten „Crunch“-Zeiten extrem schlimm, Als Crunch wird in der Industrie die Zeit bezeichnet, in der die Entwicklung sich dem Ende nähert und die Verantwortlichen viele Überstunden machen. Amy Hennig gibt an, in ihren knapp 10 Jahren bei Naughty Dog im Durchschnitt nicht weniger als 80 Stunden in der Woche gearbeitet zu haben. Sieben Tage in der Woche mit mindestens 12 Stunden Arbeit und nur manchmal ein paar Tagen Pause. Das beträfe nicht nur die höherrangigen Entwickler, sondern auch alle anderen Angestellten, die oft an den Wochenenden arbeiteten, um die Spiele fertigzustellen. In einer leitenden Rolle werde es nur schlimmer.

Amy Hennig spricht über das mysteriöse Star Wars-Spiel

Manche ihrer Mitarbeiter haben sogar so viel an den Spielen gearbeitet, dass sie ihre Familien nahezu nie sehen konnten. Sie haben Kinder, die aufwachsen, ohne den entsprechenden Elternteil oft sehen zu können. Amy Hennig selbst habe zwar keine Kinder, doch selbst sie hatte irgendwann Probleme mit der vielen Arbeit, während ihre Kollegen zum Teil bereits zusammenbrachen. Manche mussten sich nach der Beendigung eines Spiels in psychiatrische Behandlung begeben, andere kämpften mit einer Scheidung. Oder mit anderen Worten: Die Entwicklung von AAA-Spielen kann das Leben der Entwickler zerstören.

Abschließend richtete Hennig einen Appell an die Industrie, die sich insbesondere im Bereich der High-Budget-Produktionen ändern müsse, damit es den ganzen Aufwand der Entwickler auch wert sei. Es müsse ein sinnvoller, verantwortungsvoller und ethischer Weg gefunden werden.

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Quelle: Idle Thumbs via Games Industry

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