Die USA bekommen eine Kino-Flatrate für 10 Dollar – ich will das auch

Stefan Bubeck 1

Ist das echt? Wie kann das sein? Eine neue und unfassbar günstige Film-Flatrate für Kinos könnte die gesamte Branche revolutionieren. Da muss doch irgendwo ein Haken sein.

Die Regeln von Moviepass sind ganz einfach: Das neue Abo kostet 9,95 US-Dollar pro Monat und gilt in den USA landesweit in über 4000 Kinos, was rund 91 Prozent Abdeckung entspricht. Der Besitzer des roten Kärtchens im Kreditkartenformat darf einmal am Tag einen Film seiner Wahl anschauen, theoretisch sind also bis zu 31 Kinobesuche pro Monat drin. Egal ob stumpfer Blockbuster oder tiefgründiges Arthaus-Drama: Einfach zum Kino fahren, vor Ort per Smartphone-App einloggen und per Moviepass „bezahlen“, indem das Kärtchen durch den Kreditkartenschlitz gezogen wird. Das Abo ist monatlich kündbar.

Das offizielle Video ist zwar schon etwas älter, aber es zeigt sehr gut das Grundprinzip:

MoviePass Kino-Flatrate (Trailer).

Moviepass: Das sind die Vor- und Nachteile

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Auf den ersten Blick könnte man meinen: Das Moviepass-Angebot klingt perfekt und ist der wahr gewordene Traum aller Kino-Fans. Ein paar kleine Nachteile sind aber trotzdem zu finden – natürlich abgesehen davon, dass es den Service erstmal nur in USA gibt. Auf meine Anfrage, wann wir hierzulande beglückt werden, erhielt ich bisher noch keine Antwort.

Das sind die Einschränkungen der Moviepass-Kino-Flatrate:

  • Keine 3D Filme, keine IMAX-Produktionen. Moviepass gilt nur für klassische 2D-Filme.
  • Tickets müssen vor Ort reserviert werden: So wird verhindert, dass sich Film-Freaks Plätze sichern, die sie nachher gar nicht besetzen.
  • „Premium-Kinos“ wie ArcLight oder Landmark sind ausgeschlossen.
  • Nur Einzelbuchungen sind möglich. Wer gerne in großen Gruppen ins Kino geht und dabei gleich eine halbe Reihe mit Freunden besetzt, wird Schwierigkeiten haben, das umzusetzen, selbst wenn alle einen Moviepass haben.

Das Unternehmen Moviepass kauft tatsächlich die Tickets beim Kinobetreiber, dem Kunden wird nur der pauschale Abo-Betrag in Rechnung gestellt – egal wie viel das Ticket eigentlich kostet. Derzeit macht Moviepass vereinfacht gesagt Verluste mit jedem Kunden, der mehr als nur einen Film pro Monat anschaut. Kritiker bezweifeln, ob der günstige Abo-Preis überhaupt gehalten werden kann. Geld verdienen will Moviepass langfristig mit den gesammelten Nutzungsdaten und personalisierter Werbung, ganz ähnlich wie das bei Facebook oder Google der Fall ist.

Ein radikaler Schnitt, der die Kino-Branche retten soll

Moviepass ist ein Unternehmen, an dessen Spitze der Netflix-Mitgründer Mitch Lowe steht und das 2011 gegründet wurde. Lowe glaubt, dass in erster Linie hohe Kino-Eintrittspreise die Schuld am Niedergang der Branche tragen und weniger der Wettbewerb durch Streaming-Dienste wie Netflix oder Amazon Prime Video. „Wenn es um Unterhaltung geht, haben sich die Kunden an Abo-Modelle gewöhnt. Die Kinobetreiber haben sich nicht an diese Entwicklung angepasst. Sie müssen nun neue Wege finden, um vor allem junge Zuschauer ins Kino zu locken,“ so der Moviepass-CEO im Interview mit CNBC.

Ein Kinoticket kostete 2016 in den USA im Schnitt 8,65 US-Dollar (Vergleichbar mit Deutschland, hier waren es 8,45 Euro). Die bisherigen Preisemodelle von Moviepass lagen mit rund 30 US-Dollar pro Monat deutlich darüber – das neue 9,95-Dollar-Angebot ist so gesehen ein radikaler Schnitt, ein Preisbrecher im wahrsten Sinne des Wortes.

Moviepass ist ein bemerkenswerter Ansatz – auf der nächsten Seite nennen wir vergleichbare Alternativen in Deutschland.

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