Facebook, Amazon, Netflix: Heute protestieren 80.000 Webseiten für die Netzneutralität

Stefan Bubeck

In den USA tobt ein Kampf um den Erhalt der Netzneutralität. Heute ist der offizielle Aktionstag und fast alle wichtigen Internetseiten sind dabei. Egal, wie sie wirtschaftlich zueinander stehen – hier sind sich Twitter, Google und sogar Pornhub einig. Um was geht es da eigentlich?

Facebook, Amazon, Netflix: Heute protestieren 80.000 Webseiten für die Netzneutralität
Bildquelle: Netflix.

Anmerkung: Das Titelbild dieses Artikels zeigt das Gelände der Netflix-Zentrale in Los Gatos, Kalifornien.

Wer heute Reddit öffnet, wird in einigen Fällen von einer riesigen Warnung überrumpelt: „Es tut uns leid, aber der Zugriff auf dieses Angebot ist nicht in deinem gebuchten Internet-Paket enthalten. Sie müssen eine Zusatzgebühr an ihren Provider bezahlen, um fortzufahren.“ Gleich darunter die Entwarnung: „OK, wir machen nur Spaß. Aber genau das könnte passieren, wenn wir die Netzneutralität verlieren. Klicke hier um den Gesetzgeber und die Regulierungsbehörde FCC zu kontaktieren und um Zensur durch die Netzbetreiber zu stoppen.“

Reddit verlinkt auf die Aktionsseite „Battle for the net“, die von der Non-Profit-Organisation „Fight for the future“ betrieben wird. An der Aktion nehmen zahlreiche populäre Seiten und Dienste teil, neben den hier bereits genannten Unternehmen sind auch Bittorrent, Kickstarter, Etsy, Vimeo, Dropbox, Greenpeace, iFixit, Opera, Pinterest, Sonos, Soundcloud, Spotify und viele mehr aufgelistet.

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Netzneutralität: Die Gleichbehandlung aller Daten im Netz

Was ist Netzneutralität und warum ist sie vielen Nutzern, aber auch NGOs und Internet-Konzernen so wichtig? Immerhin tritt hier ein riesiges Bündnis namhafter Netzneutralitäts-Befürworter gegen die von US-Präsident Donald Trump neu besetzte Telekomaufsicht FCC (Federal Communications Commission) an, um deren Pläne zu stoppen.

Bei der Netzneutralität geht es um die Gleichbehandlung von Daten bei der Übertragung im Internet und den diskriminierungsfreien Zugang bei der Nutzung von Datennetzen. Kurz gesagt: Es dürfen keine Inhalte bevorzugt übertragen werden, sodass andere dann warten müssen oder sogar unterschlagen werden. Daten – egal ob von Wikipedia oder von YouTube – müssen im Internet-Verkehr den gleichen Rang haben, kein Anbieter soll sich eine höhere Priorität erkaufen sollen. In den USA droht nun eine Abschaffung der Netzneutralität, was massive Auswirkungen auf Inhalte, Inhalteanbieter und Rezipienten haben könnte.

Even Pornhub is in, are you?

Corey Price, Vice President bei Pornhub, hat sich gegenüber dem Magazin Motherboard geäußert: „Ohne Netzneutralität hätten die Kabelnetz- und Mobilfunkbetrieber, die den Zugang zum Internet kontrollieren, eine unfaire Macht. Sie könnten die Gewinner und die Verlierer im Markt bestimmen.“

Das Thema betrifft also nicht nur Desktop-Rechner, sondern schlichtweg alle Geräte, die mit dem Internet verbunden sind. Also auch Smartphones, Tablets und Fernseher.

Hierzulande steht aktuell das Produkt StreamOn von der Telekom in Kritik, denn hier können bestimmte Inhalte wie waipu.tv, Apple Music oder ZDF genutzt werden, ohne dass dies vom monatlichen Datenvolumen des Mobilfunkvertrags abgezogen wird. Die Bundesnetzagentur untersucht dieses Angebot derzeit, es stellt sich die Frage, ob es mit den Netzneutralitätsregeln der EU konform ist.

Quellen: Reddit, Battle for the net, Netzpolitik, Motherboard

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