Netflix: Keine Medien-Downloads für Offline-Nutzung in Mobil-Apps geplant

Tuan Le 8

In Deutschland, Österreich und der Schweiz ist Netflix letzte Woche an den Start gegangen. Der Dienst bringt unter anderem durch eine exklusive Auswahl an Originalserien frischen Wind in die Video-on-Demand-Landschaft. Ein großer Kritikpunkt im Vergleich zur Konkurrenz von Watchever, Maxdome und Google Play Movies ist allerdings das Fehlen eines Offline-Modus in den mobilen Anwendungen. Auf absehbare Zeit ist ein solcher auch nicht geplant: Zu komplex sei das Planen und Herunterladen für die Nutzer, so äußerten sich Netflix-Chef Reed Hastings und Chief Product Office Neil Hunt.

Netflix: Keine Medien-Downloads für Offline-Nutzung in Mobil-Apps geplant

Netflix konnte in den USA ohne Zweifel einen rapiden Aufstieg hinlegen und gilt dort als unangefochtener Marktführer in Sachen VoD-Streaming. Eine gute Auswahl an hochwertigen Serien, optional im Original-Ton und mit Untertiteln, gepaart mit der komfortablen Netflix-App (Test) ermöglicht es dem Anbieter, US-amerikanischen Kunden für sich zu gewinnen und auch die deutschen Kunden sollen aus diesen Gründen vom Anbieter begeistert werden. Hierzulande dürfte man allerdings eine Offline-Funktion – bei anderen Anbietern wie Watchever, Maxdome oder Google Play Movies ist dies möglich – vermissen. Während bei der Konkurrenz höchstens technische beziehungsweise lizenzrechtliche Probleme dafür sorgen, dass nicht alle Serien und Filme zum Offline-Konsum heruntergeladen werden können, sieht die Sache bei Netflix etwas anders aus. Wie Reed Hasting, Mitgründer und Chef von Netflix in einem Interview gegenüber DWDL verlauten ließ, sei die Angelegenheit schlichtweg zu komplex.

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Die Netflix-App wird auf absehbare Zeit keine Möglichkeit erhalten, Inhalte für den Offline-Konsum herunterladen zu können

Auf einer Pressekonferenz standen Hasting ebenso wie der Netflix Chief Product Officer Neil Hunt den Fragen der anwesenden Reporter Rede und Antwort. Natürlich wurde auch der fehlende Offline-Modus zum Gesprächsthema: Hunt antwortete diesbezüglich den Kollegen von DWDL, dass es schlichtweg nicht dem Geschäftsmodell von Netflix entsprechen würde, den Kunden planen zu lassen, welche Inhalte er als nächstes sehen möchte. Passend dazu gab er eine Anekdote darüber zum Besten, wie er einst selbst am Flughafen stand und verärgert feststellen musste, nicht im Voraus neue Folgen eines Podcasts heruntergeladen zu haben. Dass die Unzulänglichkeit eines Offline-Modus im Vergleich zur Alternative - nämlich Inhalte von Vornherein nur mit einer Internetverbindung nutzen zu können - mit diesem Beispiel nicht gerade überzeugend aufgezeigt wurden, sah Hunt allerdings kurz darauf selbst ein. Eine mögliche Lösung schlug er dann in Form von Serverstationen in Flugzeugen, Zügen und Hotels vor - eine Option, die zwar in der Theorie gut klingt, in der Praxis allerdings in absehbarer Zeit nicht umsetzbar sein dürfte.

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Konkurrent Watchever bietet in seinen Mobil-Apps die Möglichkeit, Inhalte Offline bereitzustellen

Auch Reed Hasting bezeichnete die Idee eines Offline-Modus als unpraktikabel, die Planung im Voraus als zu komplex - schließlich solle Netflix im Prinzip wie Fernsehen funktionieren, welches auch nichts weiter vom Nutzer als das Umschalten von Sendern erfordert. Ohnehin ist es in den Augen von Hasting wohl nur eine Frage der Zeit, bis der Nutzen eines Offline-Modus entfällt: In fünf oder zehn Jahren, so der CEO, werden die mobilen Datenraten Streaming quasi überall möglich machen. Geradezu utopische Visionen in den Ohren deutscher Nutzer, die in ländlichen Gegenden sogar um stabile EDGE-Konnektivität bangen müssen, von der, abhängig vom Mobilfunk-Anbieter, dürftigen LTE-Abdeckung ganz zu schweigen.

Gerade für Pendler könnte der nicht geplante Offline-Modus ein Grund sein, sich doch für einen der anderen Anbieter zu entscheiden. Sicherlich ist die Offline-Nutzung nicht für alle Kunden relevant und es gibt gewiss Umwege, auch Netflix-Serien offline auf das Tablet oder Smartphone zu bekommen. Die Einstellung der Netflix-Betreiber wirkt unserer Meinung nach jedoch etwas kurzsichtig - vielleicht waren die Antworten aber auch nur ein Vorwand, um nicht viele Worte über die mit einem Offline-Angebot verbundenen ansteigenden Lizenzkosten verlieren zu müssen. Bei der Konkurrenz von Watchever und Co. dürfte man sich angesichts dieser Aussagen die Hände reiben: Durchaus denkbar, dass Netflix im deutschsprachigen Bereich aufgrund der bereits etablierten Konkurrenz nicht die gleiche Dominanz wie in den USA erreichen wird, zumindest, wenn das eigene Angebot mittelfristig nicht an die Wünsche der Kunden angepasst wird.

Ist der Offline-Modus bei VoD-Diensten für euch wichtig? Meldet euch wie immer in den Kommentaren zu Wort.

Quelle: DWDL [via Blog to go]

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