Weniger Stranger Things und House of Cards? Die EU will Netflix zu einem anderen Programm zwingen

Stefan Bubeck 8

Netflix hat für viele Film- und Serien-Fans längst das klassische Fernsehen ersetzt. Das Programm des amerikanischen Streaming-Dienstes besteht aktuell zu einem großen Teil aus US-Produktionen – sei es selbst produziert oder zugekauft. Nun will offenbar die EU-Kommission eingreifen und mehr europäische Produktionen per Quote vorschreiben. Was bedeutet das für Netflix-Nutzer?

Weniger Stranger Things und House of Cards? Die EU will Netflix zu einem anderen Programm zwingen
Bildquelle: Netflix.

Wie das Magazin Variety exklusiv berichtet, plant die „Generaldirektion Kommunikationsnetze, Inhalte und Technologien“ der Europäischen Kommission neue Vorschriften. Video-Streaming-Anbieter wie Netflix werden dann die Zusammenstellung ihres Programm nach festgelegten Quoten gestalten müssen.

EU-Kommission will mindestens 30 Prozent europäische Produktionen bei Netflix & Co.

Konkret im Gespräch ist eine Quote von „mindestens 30 Prozent“ für europäische Produktionen, die Dienste wie Netflix oder Amazon Prime Video dann in ihrem Filme- und Serien-Katalog sicherstellen müssten. Robert Viola, Chef der zuständigen EU-Generaldirektion, hat keine Zweifel an einer baldigen Umsetzung bereits vorliegender Entwürfe für eine solche Vorschrift: „Wir brauchen nur die Schlussabstimmung, aber das ist eine reine Formsache.“

Ein Start für die Regelung ist für Dezember angepeilt, danach hätten die 28 EU-Mitgliedsstaaten 20 Monate Zeit zur Umsetzung und könnten die Quote nach eigenem Ermessen sogar auf 40 Prozent anheben.

Sinn und Zweck einer Europa-Quote für Serien und Filme auf Netflix und anderen Plattformen

An der Stelle stellt sich die berechtigte Frage, warum die EU in ein System eingreifen möchte, bei dem die Nutzer bereits bestimmen, was sie sehen möchten. Man muss nicht tief in die Zahlen einsteigen, um zu erkennen, dass sich Qualitätsinhalte wie „House of Cards“, „Orange Is the New Black“ oder „The Man in the High Castle“ durchsetzen können. Warum sollte man da Platz für so etwas wie „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ machen?

Nun, so tiefgreifend wird sich das Programm dann hoffentlich doch nicht ändern. Wie auch Viola selbst feststellt, ist das Netflix-Programm schon jetzt nah dran an 30 Prozent europäischen Inhalten. Beispiele dafür sind Serien wie „Dark“, „Die Welle“ oder der populäre „Tatortreiniger“. Hier sind deutsche Serien bei Netflix im Überblick:

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Netflix: Das deutsche Serien-Angebot beim Streaming-Dienst.

Im Kern geht es wie so oft um Geld: Die EU möchte mit der Regelung vereinheitlichen und sicherstellen, dass Streaming-Anbieter entweder den jeweiligen nationalen Produktionsfond (z.B. deutsche Filmförderanstalt) finanziell unterstützen oder eben in die Produktion europäischer Inhalte investieren.

Bereits jetzt fließen die Mittel – aber in die andere Richtung, nämlich aus deutschen Töpfen an Netflix: Die Produktionsfirma Liberty Productions erhielt für den Film „Mute“ (ein „Netflix Original“) eine Million Euro vom German Motion Picture Fund.

Auch YouTube wird zur Kasse gebeten

Daneben wolle man auch Regeln schaffen, die Streaming-Dienste und Video-Plattformen (wie YouTube) dazu verpflichtet, höhere Urheberrechtsabgaben an Filmschaffende und Drehbuchschreiber zu bezahlen. „Es ist paradox, dass in der digitalen Welt die Plattformen die größten Anteile an der Einnahmequelle erhalten und diejenigen, die die Inhalte erstellen und den Datenverkehr ankurbeln, den kleineren Anteil erhalten,“ so Viola.

Alles in allem sind die geplanten Regelungen gut gemeint. Es bleibt natürlich zu hoffen, dass sie auch zu guten Ergebnissen für alle Beteiligten führen. Im Idealfall werden Netflix-Nutzern nicht die geliebten US-Serien wie „Stranger Things“ weggenommen (wo bleibt eigentlich Staffel 3?), sondern durch mehr Inhalte ergänzt, die dann eben aus Europa stammen. Von allem etwas mehr, statt fieser Einschnitte in der Auswahl – das wäre doch zu begrüßen. Was meint ihr dazu? Schreibt uns eure Meinung in die Kommentare.

Quellen: Variety, Spiegel

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