Das deutsche Pendant zu Netflix: Brauch ich nicht!

Sven Kaulfuss 5

Sind wir doch mal ehrlich: Eigentlich gibt’s schon fast zu viele Streaming-Anbieter. Nimmt man dann noch die ganzen Mediatheken und YouTube hinzu, kann man von einem Mangel an Zeitvernichtungsoptionen durch audiovisuelle Berieselung im Internet nicht unbedingt sprechen. Braucht es da wirklich noch ein „Netflix“ aus den untersten Katakomben der deutschen Privatsender?

Das deutsche Pendant zu Netflix: Brauch ich nicht!
Bildquelle: Pixabay.com.

ProSiebenSat.1 plant Großes: Einen „Streaming-Champion“ aus deutschen Landen – getragen vom eigenen Programmangebot, dem derzeitigen Streaming-Anbieter Maxdome (eine ProSiebenSat.1-Tochtergesellschaft), dem Eurosport-Player und von Discovery. Startschuss für das Projekt soll 2019 sein. Abkanzeln möchte man sich jedoch nicht und lädt schon mal die hiesige Konkurrenz der öffentlich rechtlichen Sender und der RTL-Gruppe ungefragt mit ein. ProSiebenSat.1-Chef Max Conze möchte so ein starkes Gegengewicht zu Netflix und Amazon schaffen, eine heimische Alternative zu den amerikanischen Anbietern, die hierzulande immer erfolgreicher „herumwildern“.

Meine Gedanken zum Wochenende: Die Kolumne möchte Denkanstöße liefern, zur Diskussion aufrufen und den „News-Schwall“ der Woche zum Ende hin reflektieren. Eine kleine Auswahl der bisherigen Artikel der Kolumne:

Die Gründe gegen ein „deutsches Netflix“

Da stellt sich mir die Frage: Haben wir, also die zahlenden Kunden, wirklich darauf gewartet? Sicherlich ist eine Stärkung der deutschen und europäischen Kulturlandschaft wünschenswert, denn Vielfältigkeit und Chancengleichheit für die freischaffenden Künstler ist notwendig – auch dies macht eine Gesellschaft aus. Eben nicht nur die reine Konsumtion von Gebrauchsgütern, dem Menschen düngt es nach anspruchsvoller Unterhaltung, nicht nur nach Fressen und Effekthascherei. Allein habe ich da so meine Zweifel, ob die Galionsfiguren der privaten TV-Unterhaltung wirklich für ein solches Projekt die richtige Wahl sind. Bedenken sind demnach angebracht und die Erfolgsaussichten für ein solches Projekt „überschaubar“, im Detail:

  1. Das Überangebot: Die Fragmentierung im Streaming-Markt nimmt ständig zu, bald gibt’s von Disney ein eigenes Streaming-Portal und auch weitere Anbieter, wie eben die deutschen Privatsender, planen eigene Angebote – wie einst schon vor einigen Monaten innerhalb meiner Kolumne thematisiert. Der potentielle Kunde nimmt es zur Kenntnis, wird aber alsbald resignieren – Zeit, Geld und Wille sich mit dem Überangebot auseinanderzusetzen sind begrenzt.
  2. Unübersichtliche Preisgestaltung: Der neue Streaming-Dienst von ProSiebenSat.1 soll verschiedene Zahlungsmöglichkeiten bieten: Werbefinanziert, kostenpflichtig ohne Werbung, unterschiedliche Tarife für Sportübertragungen, Filme und Einzelabrufe. Ergo: Von allen Optionen etwas. Die Konkurrenz hingehen verlangt meist einen Preis für alle Inhalte – Flatrate eben. Das Prinzip haben die deutschen Programmmacher noch nicht verstanden.
  3. Fragliche Qualität: Sollte, und davon ist auszugehen, die derzeitige „Güte“ der deutschen Privatsender Grundlage für das neue Streaming-Angebot sein, dann dürfte die Ablehnung der derzeitigen Netflix-Kundschaft einhellig sein. Die wollen bewusst eben keinen billigen Scripted-Reality-Scheiß und ähnliche, stumpfsinnige Formate sehen. Warum sollten die Privaten ihre Methode, die gleichfalls Grundhaltung ist, für den neuen Streaming-Dienst ändern? Aber vielleicht reißen es ja die öffentlich-rechtlichen Sender raus, sollten sie sich beteiligen? Moment! Deren Sendungen hat der Zuschauer schon durch den Rundfunkbeitrag bezahlt. Ergo: Die Inhalte gehören allein in die kostenfreien Mediatheken der ÖR-Sender, nicht in ein privatwirtschaftliches Projekt. Einen prämierten Lokalcharakter können im Übrigen mittlerweile auch Netflix und Amazon liefern, wie beispielsweise die deutschen Serien „Dark“ und „You Are Wanted“ unter Beweis gestellt haben.
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Netflix Original Filme: Die Besten und Schlechtesten Streifen des Streaming-Dienstes.

Privatsender suchen verzweifelt Zuschauernachwuchs

Kurzum: Also ich persönlich brauche kein „deutsches Netflix“ – der Mix aus dem originalen Netflix, Amazon Prime Video und das Angebot der ÖR-Sender ist mehr als nur ausreichend, sowohl bezogen auf Quantität als auch Qualität. Allein die deutschen Privatsender benötigen ein „deutsches Netflix“, nämlich als letzten Rettungsanker für ihr bisheriges und seit langem schwächelndes Geschäftsfeld.

Wie viele Netflix-Serien guckt ihr gleichzeitig?

Der Trend geht zum Zweit-Fernseher für Netflix! Zwei Serien sind besser als eine! Wie viele Netflix-Serien guckt ihr aktuell? Wie lang ist eure Watchlist? Stimmt ab und schreibt uns eure Meinung zu dem Thema in die Kommentare!

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