Nintendos Feldzug gegen Emulatoren: Weitere Webseite nimmt ROMs offline

Lisa Fleischer 2

Lange wurden sie von Publishern schweigend toleriert, vor einigen Wochen fing zumindest Nintendo an, gegen ROM-Anbieter vorzugehen. Das schlug solche Wellen, dass nun andere Emulatoren-Webseiten ROMs freiwillig offline nehmen – aus Angst vor einer Klage. Nintendo wiederum will die eigenen Retro-Spiele in Zukunft selbst anbieten – wie zum Beispiel auf dem SNES Mini.

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Update vom 9. August 2018, 13:15 Uhr:

Obwohl sie bislang nicht von Nintendo verklagt wurden, haben jetzt auch die Verantwortlichen der Seite EmuParadise all ihre ROMs offline genommen – nicht nur solche von Nintendo, sondern von jeglichen Entwicklern. In einem Statement auf der eigenen Seite erklärt Gründer MasJ, dass es das Risiko schlicht nicht wert sei. Eine Klage würde alle an der Seite beteiligten Existenzen enorm gefährden. Aus diesem Grund werden auf der Seite EmuParadise keine ROMs mehr zu finden sein, die Emulatoren-Datenbank und Community um Retro-Spiele bleibt aber weiterhin erhalten.

EmuParadise besteht seit 18 Jahren und gilt als eine der bekanntesten Emulatoren-Webseiten. Das Projekt soll auch in Zukunft nicht aufgegeben werden. Laut MasJ gibt es schon Pläne, wie die Seite weiterhin für Nutzer attraktiv gehalten werden soll. Was genau damit gemeint ist, werden wir wohl erst in den nächsten Wochen und Monaten herausfinden.

Originale Nachricht vom 23. Juli 2018, 18:05 Uhr:

Nintendo verklagt die beiden Webseiten LoveROMs und LoveRETRO. Auf beiden Plattformen werden ROMs angeboten, die mit einem Emulator auf dem PC oder anderen Plattformen gespielt werden können. Dabei besitzen die beiden Seiten jedoch keine Rechte an den Spielen, bei den angebotenen ROMs handelt es sich also um Raubkopien. Denen hat Nintendo schon vor einiger Zeit den Kampf angesagt und so ist es auch kein Wunder, dass nun die ersten Emulatoren-Hoster verklagt werden.

In der Anklage von Nintendo, die auf der Seite TorrentFreak zu finden ist, wird beschrieben, dass die Seite LoveROMs pro Monat 17 Millionen Besucher verzeichnet. „Die Besucher werden von dem umfassenden Angebot an kostenlosen, unerlaubten Kopien von Nintendo-Spielen und anderem, sehr wertvollem geistigen Eigentum angezogen. Durch die daraus entstehende Popularität der den Angeklagten gehörenden Seiten LoveROMs uns LoveRETRO konnten die Angeklagten wesentliche unrechtmäßige Einnahmen machen, unter anderem durch Spenden und das Verkaufen von Anzeigen auf der LoveROMs- und LoveRETRO-Seiten.“

Als Entschädigung fordert Nintendo laut PC Gamer knapp 130.000 Euro für jedes Nintendo-Spiel, das auf den Seiten zu finden ist, sowie bis zu 1.700.000 Euro für jede Markenverletzung. Damit droht den beiden Seiten eine Strafe von mehreren Millionen Euro. Zudem fordert Nintendo eine Übergabe der Domains und der Quellen ihrer ROMs. Inzwischen wurde die Seite LoveRETRO bis auf weiteres vom Netz genommen, die Seite LoveROMs ist zwar noch erreichbar, allerdings lassen sich dort keine Nintendo-Spiele mehr finden. Ob das etwas an der Anklage ändert, ist allerdings fraglich.

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Natürlich lässt sich darüber spekulieren, warum Nintendo nicht schon viel früher gegen Emulatoren-Seiten vorgegangen ist. Schließlich gibt es Anbieter im selben Stil schon seit einigen Jahren. Es lässt sich vermuten, dass Nintendo in Zukunft selbst wieder verstärkt eigene Retro-Spiele anbieten möchte, vielleicht schon im Rahmen des Online-Services für die Switch. Dieser soll im September diesen Jahres veröffentlicht werden. Das Kuriose daran: In Vergangenheit hat sich Nintendo allem Anschein nach selbst an ROMs aus dem Internet bedient und diese zu Geld gemacht. Das Verhältnis zwischen Nintendo und Emulatoren-Anbieter scheint also ein zweischneidiges Schwert zu sein.

Was hältst du davon, dass Nintendo jetzt Emulatoren-Seiten verklagt? Warst du sowieso nie ein Fan davon, sondern hast dir lieber die Originale besorgt? Oder wirst du den Emulatoren noch lange hinterhertrauern, haben sie es doch ermöglicht, alte Klassiker noch einmal zu spielen?

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