Satoru Iwata: Das war sein Leben

Martin Küpper 2

Der Tod von Satoru Iwata war ein schwerer Schlag für Nintendo und die ganze Videospiel-Landschaft. Wir blicken zurück auf das Leben des Nintendo Präsidenten und ziehen unseren Hut vor seiner eindrucksvollen Arbeit.

Normalerweise gehen mir Todesnachrichten bekannter oder berühmter Menschen nicht außergewöhnlich nahe, doch mit Satoru Iwata ist eines meiner persönlichen Idole von uns gegangen.

Im Zuge seiner Arbeit als Nintendos Präsident habe ich Iwata sehr zu schätzen gelernt – nicht nur als Präsident meiner liebsten Videospiel-Firma, sondern auch als Mensch.

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Alleine durch seine Auftritte bei den Nintendo Directs war Iwata immer ein ungewöhnlich nahbarer Präsident, der sich nicht hinter seinem Schreibtisch versteckt hat. Doch damit nicht genug: In der großartigen Interview-Reihe „Iwata fragt“ zeigte sich der Präsident stets sehr persönlich und hinterließ einen äußerst sympathischen Eindruck.

Iwata war nicht bloß der Chef, er war eine Identitätsfigur – sowohl für Fans als auch für seine Mitarbeiter. Nach allem was ich von ihm gehört habe, muss Iwata ein vorbildlicher Chef gewesen sein, der trotz seiner Position nie seine Wurzeln vergessen hat. Verdammt, mir ist sogar zu Ohren gekommen, dass dieser Teufelskerl noch bei Mario Kart 8 einfach mal selbst Hand angelegt und kleine Optimierungen im Programmcode vorgenommen. Als Präsident! Egal ob das nun tatsächlich stimmt oder nicht, alleine dass ich es ihm zutraue sagt eine Menge über Iwata aus.

Beim Schreiben dieser Worte bekomme ich Gänsehaut und ich bin erneut den Tränen nahe. Ja, ich war immer ein großer Fan von Iwata und sein Verlust schmerzt mich sehr. Und gerade deshalb möchte ich euch heute den unfassbaren Werdegang dieses Mannes erzählen, der meiner Meinung nach auch genug Stoff für eine Hollywood-Verfilmung hätte.

Zum Programmierer berufen

Satoru Iwata erblickt am 06.12.1959 in Sapporo das Licht der Welt. Hier, in der Hauptstadt der Präfektur Hokkaido, wuchs Iwata als Sohn eines kommunalen Bürgermeisters auf. Sein Interesse an Videospielen entwickelte sich früh und bereits in seiner Highscool-Zeit begann er seine ersten Spiele zu programmieren. Mit Hilfe eines Taschenrechners produzierte Iwata simple Zahlen-Spiele, die er mit seinen Klassenkameraden teilte.

Schon von diesem Zeitpunkt an schien sich Iwata seiner Berufung bewusst gewesen zu sein. Laut eigener Aussage war sein Vater jedoch nicht erfreut von den Plänen seines Sohnes, sein Geld mit Videospielen zu verdienen. Laut Iwata war der Kontakt zu seinem Vater dadurch zeitweise schwer und brach für sechs Monate sogar komplett ab. Doch davon ließ sich Iwata nicht abhalten. Nach der Highscool wurde Iwata am Tokyo Institute of Technology aufgenommen, wo er später seinen Master in Computer Science abschloss. Während des Studiums war einer von mehreren (unbezahlten) Praktikanten bei Commodore Japan und gründete einen Entwickler-Club. Mit einigen Freunden mietete er ein Apartment in Akihabara, wo die Gruppe Spiele programmierte.

Von Balloon Fight zu Smash Bros.

Aus dieser Gruppe wurde später das inzwischen sehr bekannte Entwickler-Studio HAL Laboratory, für das Iwata ab 1980 als Teilzeit-Programmierer arbeitete, bevor er 1982 als insgesamt fünfter Mitarbeitet fest angestellt wurde. Bereits 1983 stieg er zum „Coordinator of Software Production“ auf und half der Firma dabei eine enge Partnerschaft mit Nintendo einzugehen. Das öffnete die Tür für die Entwicklung diverser Famicom-Titel (bzw. NES-Spiele) wie Balloon Fight, NES Open Tournament Gold und Earthbound, die alle von Satoru Iwata programmiert wurden. Auch bei der Entwicklung von Kirbys Dreamland soll Iwata eine große Rolle gespielt haben, auch wenn er nicht in den Credits erwähnt wird.

Trotz vieler Erfolge, ging es HAL in den frühen 90er Jahren finanziell so schlecht, dass sogar die Zahlungsunfähigkeit drohte. In diesen schweren Zeiten wurde Iwata 1993 zum Präsidenten von HAL ernannt – auf beharren des damaligen Nintendo Präsidenten Hiroshi Yamauchi. Und tatsächlich schaffte Iwata die Kehrtwende und stabilisierte die Finanzen des Unternehmens.

Doch auch als Präsident von HAL bleib Iwata seinen Wurzeln als Programmierer treu: Obwohl er damals nicht bei Nintendo oder Game Freak angestellt war, half bei der Entwicklung von Pokémon Gold und Silber und half bei der Programmierung von Pokémon Stadium mit. Außerdem half er seinem guten Freund Masahiro Sakurai bei der Entwicklung des ersten Super Smash Bros. für das Nintendo 64.

Vom Programmierer zum Nintendo-Präsidenten

Im Jahr 2000 wechselte Iwata zu Nintendo, wo er als Kopf der Firmenplanung arbeitete. In den zwei folgenden Jahren sorgte er dafür, dass die Entwicklungszeit und die Kosten reduzierten wurden, ohne dass die Spiele dabei an Qualität verlieren sollten. In der Folge stieg der Gewinn des Unternehmens von 20- auf 41 Prozent, was auch auf die Erfolgreiche Arbeit von Iwata zurück zu führen ist.

Anfang 2002 soll Iwata dann von Hiroshi Yamauchi in sein Büro bestellt worden sein. Iwata meinte später (im Spaß) er hätte mit seiner Kündigung rechnet – doch es kam anders. Yamauchi, Nintendo-Präsident seit 1949 erklärte dem verdutzten Iwata, dass er ihn als seinen Nachfolger auserkoren hatte.

Und so kam es dann auch: Im Mai 2002 wurde Satoru Iwata der vierte Präsident von Nintendo, der Erste, der nicht aus der Gründerfamilie Yamauchi stammt. Vom Programmierer hatte es Iwata zum Präsidenten eines der bedeutendsten Spiele-Unternehmen überhaupt geschafft – was ein Werdegang!
In der Zeit als Iwata die Leitung der Firma unternahm, ging es Nintendo nicht gerade gut. Der GameCube verkaufte sich im Vergleich zur Konkurrenz sehr schwach und warf wenig Gewinn ab. Iwata forcierte eine Partnerschaft mit Capcom, die dem CameCube unter Anderem das zeitexklusive Resident Evil 4 bescherte.

Iwatas eigentlicher Masterplan nahm jedoch erst mit der Ankündigung des Nintendo DS Formen an. Mit der sogenannten „Blue-Ocean-Strategie“ schwamm Iwata gegen den Strom: Statt auf bloße Hardwarepower (und daraus resultierende Grafikpower) setze Iwata auf Innovative und neuartige Arten des Spielens. Der DS konnte nicht mit der Grafik von Sonys PSP mithalten, hatte dafür zwei Bildschirme und führte eine Touchscreen-Steuerung ein. Ein Strategie, die damals teils auch belächelt wurde – doch heute sind wir natürlich schlauer. Der DS verkaufte sich bis heute über 150 Millionen mal und ist damit der erfolgreichste Handheld überhaupt. Diesen Erfolg wiederholte Nintendo unter Iwatas Führung wenig später dann erneut mit der Wii, die mit über 100 Millionen verkauften Einheiten ebenfalls durch die Decke ging.

Das Ende der Erfolgsgeschichte

Ab 2011 ließ der Erfolg des Unternehmens jedoch spürbar nach. Die Markteinführung des 3DS war sehr problematisch und es dauerte eine ganze Weile bis der Handheld Fahrt aufnehmen konnte. Inzwischen ist der 3DS mit aktuell über 50 Millionen verkauften Einheiten zwar durchaus ein Erfolg, der Abfall im Vergleich zum Vorgänger ist und bleibt jedoch massiv. Schlimmer noch ist die Lage bei der Wii U, die sich bislang nur rund 10 Millionen mal verkaufen konnte. In der Folge des Misserfolges kürzte Iwata 2011 und 2014 freiwillig sein Gehalt.

Nach dem massiven Erfolg von DS und Wii (also auch dank Iwata) ist Nintendo finanziell auf lange Zeit abgesichert. Außerdem konnte Iwata im Mai diesen Jahres erstmals wieder schwarze Zahlen verkünden und es schien absehbar, dass Iwata das Unternehmen erneut aus der Misere führen könnte. Iwata leitete mit internen Umstrukturierungen, der Partnerschaft mit DeNA und dem damit verbundenen Einstieg in den Sektor des Mobile-Gamings, sowie der Ankündigung einer neuen Konsole mit dem Codenamen „NX“ die Zukunft für das Unternehmen ein.

Privat hatte Iwata zu diesem Zeitpunkt jedoch schon länger mit Gallenkrebs zu kämpfen. Der E3 2014 blieb Iwata, der seit 2013 übrigens auch CEO bei Nintendo of America war, aus gesundheitlichen Gründen fern. Später gab Iwata öffentlich bekannt, dass bei einer Routineuntersuchung ein Tumor im Gallengang entdeckt wurde, den er entfernen ließ. Nach der erfolgreichen Operation nahm Iwata im Oktober 2014 die Arbeit wieder auf. Er hatte einiges an Gewicht verloren und wirkte immer noch kränklich, doch im Laufe der Monate schien sich sein Gesundheitszustand zu verbessern. Leider trug der Schein: Am 11. Juli 2015 verstarb Iwata im alter von 55 Jahren an seinem Krebsleiden.

Iwata hinterlässt eine Firma im Umbruch, die seinen Weg jedoch konsequent weiter gehen möchte und dank ihm finanziell auf Jahre und Jahrzehnte hin abgesichert ist. Nintendo wird den schweren Verlust also verkraften und das Vermächtnis von Satoru Iwata (z.B. die NX Konsole) weiter führen.

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