Teure Image-Pflege vor der NX: Darum war die Wii U doch ein Erfolg für Nintendo

Sebastian Moitzheim 14

Nintendos Wii U gilt als der größte Misserfolg des Unternehmens seit dem Virtual Boy. Aber stimmt das wirklich? Wer genauer hinsieht, erkennt, dass Nintendo sich nicht nur wirtschaftliche Ziele gesetzt hat - und in einigen anderen Aspekten war die Wii U sehr erfolgreich.

Gerade erst kündigte Nintendo nach monatelangen Spekulationen endlich die neue Konsole NX an. Das Ende der Wii U-Ära ist damit eingeleitet - gut so, denn diese Ära sollte Nintendo so schnell und so weit wie möglich hinter sich lassen: Sie war ein beispielloser Misserfolg, eine Enttäuschung für das Traditionsunternehmen nach dem Megaerfolg der Wii. Zumindest ist das der allgemeine Tenor über die Wii U.

Ich hätte da eine andere These. Ich glaube, wenn Nintendo und wir Spieler/innen in Zukunft an die Wii U denken, werden wir sie als Erfolg sehen. Nicht als finanziellen Erfolg - die Zahlen kann man nicht auf zwei Arten deuten -, aber als kreativen Erfolg, der den Weg für Nintendos Zukunft ebnete. Auf den folgenden Seiten erkläre ich euch, wie ich zu dieser These gekommen bin: 3 Gründe, warum die Wii U ein Erfolg war.

Bilderstrecke starten(18 Bilder)
Vom NES bis zur Switch: Die skurrilsten Entwicklungen für Nintendo-Konsolen

Teure Image-Pflege vor der NX: Darum war die Wii U doch ein Erfolg für Nintendo

1. Die Hardware war innovativ und sagte einen Trend voraus

Es wurde und wird viel gelacht über den unhandlichen Controller der Wii U, und die Köpfe wurden geschüttelt ob der im Vergleich zu PS4 und Xbox One minderwertigen Leistung. Nach der genialen Idee der Motion Controls bei der Wii war die Zwei-Bildschirme-Hardware der Wii U eine, naja, weniger geniale Idee, die die schwache Leistung nicht rechtfertigte.

wii u gamepad
Quatsch. Das Problem war nie die Hardware selbst, sondern das Marketing. Über die Wii-U-Hardware hätten wir uns nie lustig machen dürfen.

Das gilt schon aus Prinzip. Das klingt blöd, ist aber wahr: Man sollte glücklich sein, dass Nintendo überhaupt ein so seltsames Konzept wie das der Wii U ausprobiert hat. Denn die Verantwortlichen bei Nintendo sind ja nicht blöd: Es wäre keine Unmöglichkeit gewesen, den Erfolg der Wii zu wiederholen, oder zumindest wieder in derselben Liga zu spielen. Sie hätten einfach eine weitere Motion-Control-Konsole entwickeln müssen, die technisch ein Bisschen besser gewesen wäre als die Wii. Wii HD, mit schönerer Grafik, präziserem Controller und noch lustigeren Party-Spielen, schon hätte man wieder großen Erfolg gehabt.

Doch dasselbe wie vorher, nur technisch etwas besser, mag Sony und Microsoft genügen. Aber Nintendo hat schon immer nach seinen eigenen Regeln gespielt, und so auch hier: Sie wollten etwas Neues wagen und waren dafür bereit, ein Risiko einzugehen, im Zweifelsfall auch Verluste in Kauf zu nehmen. Das muss man feiern - denn irgendwann sind Sony und Microsoft grafisch bei Fotorealismus angekommen, und was dann? Dann brauchen sie Ideen wie die, die Nintendo jetzt schon umsetzt. Selbst, wenn die spezielle Idee nicht gut war, muss man Nintendo dafür lieben, dass sie überhaupt Ideen umsetzen. Und gut war die Idee der Wii U doch nicht - oder?

Ist das so? Hat Nintendo nicht irgendwie auch einen kleinen Trend vorweggenommen - den des asymmetrischen Multiplayer? Evolve löste genau damit einen kleinen Hype aus. Der extrem coole Streaming-Hit Keep Talking and Nobody Explodes zeigt, welches Potential in dieser Art des Zusammenspiels steckt. Auf Steam kann man ihn nur spielen, wenn man entweder zusätzlich zum PC ein Tablet besitzt oder sich ein Handbuch ausdruckt. Ausdruckt. Auf der Wii U wäre er ohne solche Umstände spielbar.

Keep-Talking-header
Die Grundidee der Wii U war nicht schlecht. Fast immer, wenn ein Entwickler das Gamepad tatsächlich genutzt hat, waren die Ergebnisse großartig - von ZombiU und Nintendo Land über die sträflich untergegangenen Runbow und Affordable Space Adventures bis hin zu, natürlich, Super Mario Maker (Nintendo selbst hätte es aber etwas öfter probieren sollen, die Hardware wirklich zu nutzen). Nintendo war nur nicht gut darin, ihrer erweiterten Zielgruppe - Casual-Gamern - diese Grundidee zu erkären (nicht ohne Grund hält Nintendo allem Anschein nach auch an der Idee fest: Die NX ist - wenn sie so ist, wie wir denken - nur der logische nächste Schritt des Wii-U-Konzepts). Und wir Hardcore-Gamer? Wir hätten uns vielleicht nicht nur von der schönen Grafik der Konkurrenz blenden lassen und die gute Idee der Wii U erkennen sollen. Denn dass eine Konsole sozusagen die guten, innovativen Spielideen schon mitliefert, sollte man als Videospiel-Liebhaber doch eigentlich anerkennen, oder? Wenn es auch nicht mit Erfolg belohnt wurde, so hat Nintendo doch innovatives Denken und ein Gespür für Trends bewiesen - das ist durchaus ein kleiner Erfolg und spricht gegen die Bedenken, Nintendo hätte den Anschluss verloren.

Zu den Kommentaren

Kommentare zu diesem Artikel

* Werbung