Teure Image-Pflege vor der NX: Darum war die Wii U doch ein Erfolg für Nintendo

Sebastian Moitzheim 14

2. Nintendo steht wie lange nicht mehr für Qualität und Innovation

Dass das größte Problem der Wii U der fehlende Third-Party-Support und die damit verbundene Dürre an Spielen war, dagegen habe ich gar nichts zu sagen. Aber wenn wir nur darüber diskutieren, welche Plattform die meisten Spiele hat, landen wir am Ende doch eh beim PC. Man muss auch über Qualität reden.

Das First-Party-Line-Up der Wii U war qualitativ wie von Nintendo gewohnt auf hohem Niveau - nein, es überstieg die hohen Standards der Japaner sogar noch. Nintendo gab sich auf der Wii U so innovations- und risikofreudig wie lange nicht mehr (seit dem GameCube, dem letzten Nintendo-“Misserfolg“). Sie lieferten die besten Teile einiger ihrer beliebtesten Reihen, probierten neue Spielkonzepte aus (Captain Toad Treasure Tracker), gaben Spielern ungekannte, uncharakteristische Freiheit (Super Mario Maker), und versuchten sich mit Splatoon sogar endlich mal wieder an einer neuen IP.

captain toad
Und das Wichtigste: Diese Risiken zahlten sich auch aus. Es ist leicht, ob des finanziellen Misserfolges der Wii U Nintendos gesamte Strategie dieser Ära als Misserfolg abzutun. Aber das wäre ein Fehler. Im Verhältnis - gemessen an den Zahlen der verkauften Wii Us - waren alle großen Spiele der Konsole erfolgreich. Das wohl größte Risiko, die neue IP Splatoon, war nach diesem Maßstab ein sensationeller Erfolg: Über 4 Millionen Exemplare wurden von Splatoon verkauft - so viel wie von den beiden PS4-Exclusives The Order 1886 und Bloodborne zusammen.

Nintendo hat aus dem Nichts eine starke Marke geschaffen: Splatoon ist in Japan bereits auf dem Weg zu einem ähnlichen Wiedererkennungswert wie die klassischen Nintendo-Reihen (Splatoon-Charaktere haben sogar ein Konzert gegeben), und liefert mit dem vielfältigen Merchandise eine zusätzliche Einnahmequelle für Nintendo. Wie viele neue Franchises nehmen so schnell diese Dimensionen ein? Pokémon und…eigentlich nur Pokémon. Ganz unabhängig davon, dass Nintendo, mal wieder, neue Standards gesetzt hat, ein Spiel geschaffen hat, dass in seinem Genre einzigartig und qualitativ überragend ist. Und das in einem Genre, in dem Nintendo noch nie zuvor gearbeitet hat.

splatoon virtual idols
Wenn Nintendo eines aus der Wii-U-Ära mitnehmen sollte, dann das: Es ist, entgegen einer weit verbreiteten Meinung, nicht bloße Nostalgie, die Spieler/innen immer wieder zu Nintendo und ihren etablierten Reihen zurückkehren lässt. Es ist Nintendos immer noch überragendes Gamedesign, das auch funktioniert, wenn man den Titel des Spiels noch nicht mit Kindheitserinnerungen assoziiert. Und Apropos Kindheitserinnerungen: Wohl seit Pokémon kam kein Nintendo-Franchise so gut bei jungen Spielern und Spielerinnen an wie Splatoon - und die Kinder von heute sind die nostalgischen Nintendo-Jünger von morgen.

Das große Risiko der Wii U mag sich nicht gerechnet haben, doch die vielen kleinen Risiken, die Nintendo in dieser Generation mit seinen Spielen eingegangen ist, haben sich sehr wohl gelohnt. Das sollte Nintendo Hoffnung für die Zukunft geben - eine Konsole wird nach ein paar Jahren ersetzt, aber ein neues Franchise wie Splatoon könnte, wenn Nintendo damit so klug umgeht wie mit seinen anderen Reihen, noch viele Jahre und Konsolengenerationen erfolgreich sein.

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