Teure Image-Pflege vor der NX: Darum war die Wii U doch ein Erfolg für Nintendo

Sebastian Moitzheim 14

3. Die Wii U hat neue Standards für „Spiele als Service“ gesetzt

Dies ist vielleicht der faszinierendste Punkt auf dieser Liste: Nachdem Nintendo sich zunächst nur zögerlich an den Online-Bereich und das Konzept “Spiele als Service“ näherte, machen sie jetzt allen vor, wie es gehen sollte. Wie Super Smash Bros., Super Mario Maker und Splatoon nach dem Release unterstützt wurden, sollte beispielhaft für die gesamte Industrie sein. Heutzutage ist es Standard, schon bei Release einen teuren Season Pass anzubieten, der, seien wir ehrlich, Content enthält, der früher Teil des Hauptspiels gewesen wäre. Bei Nintendo dagegen erscheinen Spiele für gewöhnlich mit einem regelrechten Content-Überfluss (ich glaube, ich habe in Smash Bros. Wii U noch immer nicht alles ausprobiert). Kostenpflichtige DLCs sind nicht das fehlende Teil des Puzzles, sondern optionale Zusatzinhalte für Liebhaber.
smash bros
Splatoon war bei Release etwas weniger umfangreich, doch dafür verzichtete Nintendo ganz auf zusätzliche Kosten und stellte stattdessen zusätzliche Inhalte (und zwar viele) kostenlos zur Verfügung. Eine ähnliche Strategie fuhr Nintendo bei Super Mario Maker. Wenn man mal drüber nachdenkt, ist das eigentlich kaum zu glauben: Wie viel mehr Geld hätte Nintendo an neuen Waffen für Splatoon oder Level-Elementen in Super Mario Maker verdienen können, hätten sie sie über Mikro-Transaktionen angeboten?
splatoon
Man kann nun mit den Augen rollen und sagen, dass Nintendo an seinem Misserfolg offensichtlich auch selbst Schuld ist, weil die Verantwortlichen keinen Geschäftssinn haben. Man kann sich allerdings auch fragen, was überhaupt Nintendos Definition von Erfolg ist. Bei Splatoon und Super Mario Maker priorisierte Nintendo offensichtlich das Vertrauen ihrer Kunden höher als den kurzfristigen, finanziellen Gewinn. Und auch das ist natürlich eine Investition für die Zukunft: Heutzutage ist es sehr viel wert, wenn Kunden eine Marke geradezu als Garantie sehen, nie ein unspielbar verbuggtes Spiel zu kaufen oder für ein unvollständiges Spiel zu bezahlen. “Spiele als Service“ ist für Nintendo eine Chance, ihre Spiele kontinuierlich zu verbessern und zu supporten - keine Ausrede, unfertige Spiele veröffentlichen zu dürfen.

Und die Wirkung kann man schon jetzt spüren: Trotz der kleinsten Spieler-Basis aller Konsolen erfreut sich die Online-Komponente von Mario Maker, Smash Bros. und Splatoon ungebrochener Beliebtheit. Vergleicht das mal mit zum Beispiel Titanfall, dessen Community trotz größerer Spielerbasis ein paar Monate nach Launch fast ausgestorben war. Nintendo hat es irgendwie geschafft, sich vom Online-Legastheniker zum besten Anbieter von Online-Multiplayer und -Inhalten zu mausern - in nur einer Konsolengeneration, und auch noch einer (angeblich) gescheiterten.

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