Meinung: Das Nokia 3310 ist ein alter Gag

Stefan Bubeck 25

„Retro! Kult! Wie früher!“ – wenn du denkst, nach der Vorstellung des Nokia 3310 (2017) sind alle ein bisschen übergeschnappt … dann hast du recht.

Meinung: Das Nokia 3310 ist ein alter Gag

Denn wenn man sich vom aktuellen Hype nicht blenden lässt, dann wird klar: Das neue Nokia 3310 hat mit dem Original aus dem Jahr 2000 oder der Marke Nokia, wie wir sie in Erinnerung haben, nicht mehr viel gemeinsam. Es ist einfach nur ein Feature-Phone mit technischen Daten zum Totlachen und dem Schriftzug „Nokia“ darauf. Ok, das Design lehnt sich wenigstens ansatzweise am Original an. Aber: Es ist viel zu bunt und viel zu abgerundet – das Ding sieht aus wie Spielzeug für Kleinkinder. Was ist da passiert und vor allem warum?

Die finnische Firma HMD Global hat letztes Jahr die Markenrechte am Namen „Nokia“ gekauft. Der immer noch starke Markenname, der jahrelang für technische Innovation und hervorragende Verarbeitungsqualität stand, sollte wieder auferstehen. Das kleine Problem: Damit die altehrwürdige Marke wieder alten Glanz versprühen kann, müssten eigentlich Nokia-Smartphones aus der Flaggschiff-Klasse auf den Markt kommen, die einem Samsung Galaxy S7, einem Huawei P10 und einem iPhone 7 das Wasser reichen können. Denn genau das war das alte Nokia 3310 vor 17 Jahren: Eines der besten Handys, die man sich kaufen konnte, die Spitze des technisch Machbaren.

Nokia 3310 (2017) im Hands-On.

LG G6 bei Notebooksbilliger vorbestellen *

Stattdessen liefert uns HMD Global mit Nokia 3, 5 und 6 drei Smartphones der Einsteiger- und Mittelklasse. Es ist nicht abwegig zu behaupten, dass die Finnen auf dem MWC2017 auch mit diesen Geräten allein schon für eine gewisse Aufmerksamkeit gesorgt hätten. Aber vielleicht nicht genug, um den Namen Nokia zurück in die weltweite Berichterstattung auch abseits der IT-Blogs zu bringen. Deshalb musste ein Show-Pony her, ein Blickfang, ein Publikumsliebling.

Nur deshalb gibt es das Nokia 3310 (2017). Die Neuauflage ist nichts weiter als ein (zugegeben gelungener) Marketing-Stunt, der unsere nostalgischen Gefühle bedient und so die Marke wieder auf die Bildfläche bringt. Die Triebfeder dahinter ist dieses trügerische „Früher war alles besser“-Feeling, das seitens der Industrie immer wieder aufs Neue genutzt wird und uns Dinge beschert, nach denen eigentlich niemand gefragt hat.

Wenn wir Glück haben, dann kommt dabei sowas wie das NES Classic Mini heraus: Ein Gadget, das den Retro-Gedanken konsequent umsetzt und sich dabei achtungsvoll vor dem Original verneigt. Wenn wir Pech haben, bekommen wir ein knallbuntes Handy mit 2-Megapixel-Kamera, 2G-Netz und QVGA-Display, auf dem „Nokia“ steht. Ein Haufen Plastik, der uns als „Zweithandy“ angedreht wird – Nur was soll das überhaupt sein und sollte darauf dann nicht wenigstens WhatsApp laufen? Das ergibt im Jahr 2017 so keinen Sinn.

Glückwunsch und Respekt an HMD Global – die Marketingstrategie ging auf, der Name „Nokia“ ist wieder auf dem Radar. Aber ein zweites Mal zieht diese Nummer (hoffentlich) nicht.

Kommentare zu dieser News

* gesponsorter Link