Neuorientierung bei NVIDIA: Rückzug aus dem Markt für Tablet- und Smartphone-SoCs angedeutet

Tuan Le 10

In der letzten Zeit sah man immer seltener Prozessoren von NVIDIA in Android-Smartphones und -Tablets gleichermaßen. Nach einem anfänglich rasanten Aufstieg des Chipherstellers im mobilen Sektor scheint sich das Unternehmen nicht mehr gegen die Dominanz von Qualcomm, Intel und dem Emporkömmling MediaTek durchsetzen zu können und zieht nun Bilanz: In einem überraschend ehrlichen Interview sprach der CEO von NVIDIA über Experimente, Misserfolge und die Zukunftspläne des Unternehmens.

Neuorientierung bei NVIDIA: Rückzug aus dem Markt für Tablet- und Smartphone-SoCs angedeutet

Als NVIDIA damals mit den Tegra-Prozessoren in den Markt für mobile SoCs einstieg, war die Erwartungshaltung der Nutzer groß: Seit jeher galt das Unternehmen schließlich als die Referenz in Sachen Grafikchips und mit der Herstellung von Prozessoren für Smartphones und Tablets hatte man die Vision vor Augen, ausreichend Power für Konsolengrafik künftig auch in der Hosentasche verstauen zu können. Zugleich wurde die Tegra Zone ins Leben gerufen, deren Spiele die Kraft der NVIDIA SoCs erst richtig auszureizen wussten und immer eine etwas bessere Grafik boten, als alle anderen Games. Viele beliebte Geräte - darunter allen voran natürlich das Google Nexus (2012, Test) - waren mit einem Chip des Herstellers versehen und mit Titeln wie Horn oder Shadowgun gab es so einige Android-Games, die das Herz der Nutzerschaft höher schlagen ließen.

Shadowgun-Tegra-3-teaser

Nun schreiben wir allerdings das Jahr 2014 und während zuletzt der Tegra 3 noch einen unrühmlichen Auftritt im Surface RT hatte, konnte der NVIDIA Tegra 4 beziehungsweise Tegra 4i kaum einen der großen Hersteller im mobilen Sektor überzeugen, zumindest nicht für die Smartphone-Oberliga. Das lag nicht zuletzt auch daran, weil NVIDIA die Produktion zugunsten der Subvariante mit LTE, dem Tegra 4i, verschoben hatte. NVIDIAs CEO Jen-Hsun Huang ist kein Mann, der um den heißen Brei herumredet und bringt es auf den Punkt: Der Tegra 4i war kein Erfolg für NVIDIA und viele Dinge im Unternehmen liefen nicht so, wie es eigentlich geplant war.

Das Kernproblem war die falsche Einschätzung von NVIDIA vom Verbrauchermarkt, wie Huang schilderte - man ging davon aus, mit speziell für grafisch aufwändige Aufgaben optimierten Prozessoren die Bedürfnisse der Klienten wie Samsung, HTC oder LG befriedigen zu können. Was sich Hersteller von den Chip-Lieferanten wünschen, hängt aber nun einmal auch von den Kunden ab und davon, was sie sich von ihrem Smartphone wünschen. Das Spielen von 3D-Games in der bestmöglichen Grafik scheint leider nicht primär dazu zu gehören.

NVIDIA-CEO

CEO Jen-Hsun Huang mit dem NVIDIA Sield.

NVIDIA musste es auf die harte Art und Weise lernen - in erster Linie geht es dem Kunden um das liebe Geld und wenn dieser die Wahl zwischen einem geringeren Preis sowie einem auf Gaming angelegten Prozessor hat, so wird diese im Smartphone-Sektor stets zugunsten der eigenen Brieftasche ausfallen. Das sei laut Huang auch der Grund, weshalb aktuell vor allem MediaTek einen derartig starken Druck auf Marvell und Qualcomm ausüben kann - nicht, weil MediaTek der beste, sondern der günstigste Hersteller ist.

Folgerichtig resümiert Huang, dass das Smartphone-Geschäft im Moment für NVIDIA kaum Perspektiven bietet als ein Hersteller, der sich seit jeher den Nutzern verschrieben hat, die das Maximum an Grafikpower benötigen. NVIDIA sei kein Unternehmen, dass sich auf einen solchen Preiswettbewerb einlasse, sodass es in Zukunft einen stärkeren Fokus auf Bereiche mit höherem Leistungsanspruch geben wird. Einen hohen Bedarf für die eigenen Prozessoren findet das Unternehmen aktuell etwa in der Automobil-Industrie vor, wo ganze Bordcomputer von den hauseigenen Chips angetrieben werden und wohl auch der Tegra K1-Prozessor ein neues Zuhause finden dürfte.

Auch wenn es für NVIDIA mit den Smartphones nicht geklappt hat, ist das zum Glück noch lange nicht das Ende der Beziehung zum Android OS. Huang hegt große Hoffnungen für Android als Plattform für Konsolen und der NVIDIA Shield soll in Zukunft die Schnittstelle zum Computing in der Cloud darstellen - schließlich mache unter anderem gerade dies Android zum besten Betriebssystem der Welt.

Was sagt ihr zu den Aussagen von NVIDIA? Würdet ihr euch mehr Smartphones mit Tegra-Prozessor wünschen oder ist euch auch der Preis wichtiger? Meldet euch unten in den Kommentaren zu Wort.

Quelle: CNet

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