NVIDIA-CEO: „Android ist das am meisten disruptive OS seit Jahrzehnten“

Amir Tamannai 16

Ui, da platzt NVIDIA-Boss Jen-Hsun Huang aber beinahe vor Anerkennung für das Android-OS: Im Rahmen eines Gesprächs mit Analysten und Journalisten zu den Ergebnissen des 3. Quartals der Grafikchipschmiede, attestierte Huang dem eben längst nicht mehr nur mobilen Betriebssystem von Google, so disruptiv wie kein anderes OS der jüngeren IT-Geschichte zu sein und damit implizit das Potenzial, bestehende Plattformen und Betriebssysteme über kurz oder lang zu verdrängen. Für NVIDIA selbst ist Android schon jetzt eine Art Heilsbringer.

NVIDIA-CEO: „Android ist das am meisten disruptive OS seit Jahrzehnten“

Kurze Wortkunde vorweg: Der Begriff „disruptiv“ ist eigentlich negativ konnotiert und bedeutet im technischen Umfeld so viel wie „zerstörend“ — und zwar für ein bestehendes System etablierter Technologie(n). Im Falle der Aussagen des NVIDIA-Chefs ist damit also gemeint, dass Android ein Gamechanger par excellence sei und diverse bestehende Strukturen im Bereich der Konsolen und des Home Computing auf lange Sicht ablösen könnte.

„Android ist das am meisten disruptive Betriebssystem, das wir in den vergangenen paar Jahrzehnten erlebt haben. Es ist das vielseitigste OS, das wir kennen und kommt mit dem großen Vorteil, standardmäßig mit der Cloud verbunden zu sein. Dadurch ist es vom ersten Hochfahren an dank zahlreicher bereits vorhandener Apps äußerst nützlich“, so Huang, der weiter erklärte, dass Android eben nicht mehr nur auf Smartphones, sondern auch auf Tablets, Set-Top-Boxen, Spielkonsolen und All-in-One-PCs wie dem HP Slate 21 erfolgreich zum Einsatz kommt.

Am genannten HP Slate lässt sich erkennen, warum Huang in so hohen Tönen von Android spricht: In dem 21 Zoller kommt NVIDIAs Tegra 4 zum Einsatz — und auch wenn der Absatz dieses SoC wohl hinter den Anfang des Jahres gesteckten Erwartungen zurückgeblieben sein dürfte, so erklärte Huang auch, dass „hinsichtlich des reinen Umsatzes, der Tegra das Zugpferd NVIDIAs“ sei — das auch angesichts eher stagnierender PC-Hardware-Verkäufe.

Und genau darin liegt NVIDIAs Enthusiasmus gegenüber Android tatsächlich begründet: „Wir glauben, dass Android zukünftig eine für das Gaming eminent wichtige Plattform sein wird.“ Und da NVIDIAs Kerngeschäft nun mal Grafikchips für Gamer sind, die Zukunft dieser Branche aber wohl tatsächlich mobiler Hardware oder kleinen Set-Top-Boxen gehören wird, ist nachvollziehbar, dass die Amerikaner verstärkt auf Googles OS bauen; denn dieses hat — anders als beispielsweise Windows 8 (RT) — das Zeug, zum Katalysator für die Tegra-Hardware zu werden.

Glücklicherweise funktioniert das in beide Richtungen. Wenn NVIDIA es richtig anstellt — und unsere Hoffnungen sind diesbezüglich nicht ganz gering, auch in Anbetracht der für 2014 angekündigten Mobile Kepler-Chips —, könnten diese Prognosen Huangs zu einer selbsterfüllenden Prophezeiung werden: Android würde dann auch dank NVIDIAs Enthusiasmus und entsprechendem Engagement tatsächlich zur Über-Plattform der kommenden Jahre avancieren und eventuell, ganz disruptiv, die Windows-Rechner und die PlayStations oder Xboxes dieser Tage ablösen.

Dazu gehört allerdings erwiesenermaßen mehr, als nur laut „Ouya“ zu rufen oder ein paar zeitlich exklusive Apps zu promoten. NVIDIA wird mit entsprechender Hardware und Produkten, die leistungsfähig, erschwinglich, multifunktional und einfach und mobil sind, versuchen müssen, Käufer und Entwickler für sich und die Android-Sache zu gewinnen. Der Mobile Kepler, so er denn hält, was er verspricht, könnte ein wichtiger Schritt in diese Richtung werden — sofern es den Amerikanern gelingt, in ausreichenden Stückzahlen zu liefern, hochwertige und sinnvoll optimierte Titel bereitzustellen und somit zahlreiche OEMs davon zu überzeugen, diese Mobile-GPU zu verbauen.

Wir sind gespannt auf die erste Jahreshälfte 2014 und darauf, wie sich Android und NVIDIA zukünftig weiter befruchten werden.

Quelle: The Register

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