O2 Smart Steps: Verkauf von Kunden-Bewegungsdaten [Update: Von Bundesregierung gestoppt]

Amir Tamannai 25

Keine Frage, bei all den schönen, neuen mobilen Produkten und Software-Funktionen, die uns in den letzten Wochen erreichen, schwingt auch immer die Angst um die Sicherheit unserer persönlichen Daten mit: Ob Google Now, Facebook oder WhatsApp — zahlreiche Anbieter, Apps und Programme wissen eine Menge über uns; und manche könnten damit Schindluder treiben — oder tun es bereits. Aber nicht nur von Apps und Software geht solche Gefahr aus, auch die Provider verfügen über sensible Nutzerdaten, die sich gewinnbringend verkaufen lassen. O2 macht nun leider Nägel mit Köpfen.

O2 Smart Steps: Verkauf von Kunden-Bewegungsdaten [Update: Von Bundesregierung gestoppt]

[Update vom 1. November 2012]: Wie das Handelsblatt soeben meldet, hat das Bundeswirtschaftsministerium O2s Smart Step-Vorhaben in Deutschland gestoppt. Ein Sprecher des Ministeriums sagte, in Deutschland ist „der Handel mit Standortdaten grundsätzlich verboten.“ Auch O2 äußerte sich auf dem Telefònica Germany Blog zu dem umstrittenen Vorhaben:

Wir haben immer betont, dass es keine konkreten Pläne gibt, ein Produkt wie Smart Steps in Deutschland einzuführen. Wir sind überzeugt, dass das von Telefónica Dynamic Insights vorgestellte Produkt alle Datenschutzansprüche erfüllt. Denn bei allen Produkteinführungen gilt: Datenschutz und Kundenzufriedenheit hat bei Telefónica oberste Priorität.

Nach dem Feedback unserer Kunden haben wir uns nun allerdings entschieden, Smart Steps in Deutschland nicht einzuführen.

Na, das ist ja nochmal gut gegangen … [/Update, via mobiFlip]

„Smart Steps“ nennt sich O2s neues B2B-Produkt ganz harmlos, das potenziellen Kunden aus der (Werbe-)Industrie von der Geschäftseinheit „Telefónica Dynamic Insights“ angeboten wird: Die Bestandsdaten der Kunden wie Alter und Geschlecht werden mit Standortdaten derselben kombiniert und dann — anonymisiert, wie man bei O2 betont — verkauft; an Industriekunden, die daran interessiert sind, zu wissen, woher ein Nutzer kam, bevor er vor vor dem Schaufenster welches Ladens wie lange stehenblieb, um danach wohin weiter zu schlendern. Telefónica selbst bewirbt das so:

Mit Telefónica Dynamic Insights können Sie ab jetzt sehen, wohin sich Kunden bewegen, während sie sich bewegen. Sie erfahren, wo Ihre potenziellen Kunden wirklich sind, wann sie da sind - und wie oft.

Auch wenn solche Maßnahmen gewiss nichts ganz Neues sind und jedem Nutzer moderner Informationstechnologien inzwischen klar sein müsste, dass es mit der Privatsphäre und dem Datenschutz zu großen Teilen faktisch vorbei ist, sobald Power-Buttons gedrückt und Datenverbindungen aufgenommen werden, klingt Smart Steps besonders gruselig — geht es doch hier nicht mehr nur um Surf- oder Online-Kaufverhalten, um Suchanfragen oder Sehgewohnheiten, sondern um den ganz konkreten physischen Standort von Personen. Damit, dass staatliche Behörden auf diesen via Mobiltelefon mehr oder weniger berechtigt zugreifen können, mussten wir uns abfinden — darüber dass diese Daten, wenn auch vorgeblich aggregiert und anonymisiert, nun aber gegen Zahlung von Geld in die freie Wirtschaft gelangen, darf man ruhig besorgt sein.

Zwar versichert O2/Telefónica neben der Anonymisierung der Daten auch, dass Smart Steps in Deutschland noch nicht aktiv sei — in den Verträgen, die Kunden des Providers online abschließen, findet sich im Kleingedruckten eine neu formulierte Einwilligungserklärung: O2 dürfe fortan sowohl personenbezogenen Daten als auch Standortdaten „im Rahmen des Erforderlichen“ auch für „Vermarktung“ und zur „Marktforschung“ verwenden; eine Möglichkeit, diesen Absatz abzuwählen gibt es nicht.

Wer jetzt O2 boykottieren möchte oder einen Providerwechsel andenkt, der hat per se natürlich unseren Segen; wer allerdings glaubt, dass die anderen Provider bei Erfolg von „Smart Steps“ nicht auch schon bald solche für sie smarten Schritte unternehmen werden, um ihre Kundendaten zu Geld zu machen, der hat den Kern des Informationszeitalters nicht verstanden: Information ist alles, Privatsphäre und Datenschutz hingegen nicht so viel wert.

tagesschau.de [via SmartDroid]

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