OnePlus ist bekanntlich immer für eine Überraschung gut. Ob der jüngste Blogeintrag von Carl Pei, in dem der Chef des chinesischen Smartphone-Herstellers um ein Praktikum bei Samsung bittet, nun erneut ein cleverer PR-Stunt ist oder tatsächlich ein ernsthaftes Anliegen ausdrückt, darüber lässt sich streiten. Interessant ist die Begründung für den ungewöhnlichen Vorschlag zur „Zusammenarbeit“ allemal.

 

OnePlus: Das Unternehmen hinter den „Flaggschiff-Killern“

Facts 

OnePlus ist ein vergleichsweise kleines Unternehmen, Samsung der weltweit größter Hersteller von Android-Smartphones. Die Koreaner haben ein gewaltiges Marketing-Budget und erschlagen den Markt geradezu mit neuen Produkten. Das chinesische Startup hingegen hat bislang gerade mal zwei Smartphones veröffentlicht, kam und kommt mit deren Auslieferung kaum hinterher und generiert dennoch jede Menge Hype und vor allem Nachfrage durch virales Marketing und ungewöhnliche Vertriebswege – zwei sehr unterschiedliche Player auf demselben Geschäftsfeld also, die vermutlich eine Menge voneinander lernen könnten.

OnePlus ♥ Samsung: Ein Plädoyer zur gegenseitigen Unterstützung

Genau so sieht das jedenfalls Carl Pei, CEO von OnePlus: In einem öffentlichen Eintrag in seinem persönlichen Blog erläutert er zunächst die aktuellen Probleme, die es bei der Auslieferung des OnePlus 2 gibt, um dann seine Einschätzung des Marktes abzugeben, in dem „die Neuen“ wie OnePlus den „Giganten der Industrie“ derzeit das Leben schwer machen – Pei sieht hier Raum für alle Akteure und vor allem Potenzial zum gegenseitigen Voneinanderlernen. So diplomatisch diese Analyse ausfällt, überrascht der nächste Absatz dann aber doch, denn darin wendet sich Pei direkt an Samsung (Übersetzung von uns):

Also, Samsung, ich hätte da einen Vorschlag: Lasst mich euer Praktikant sein. Ernsthaft. Es wäre mir eine Ehre von eurem Team zu lernen, wie es euch gelingt, eurer Business so erfolgreich zu betreiben. Im Gegenzug wäre es mir eine Freude mit euch zu teilen, was wir darüber gelernt haben, wie man mit der Community interagiert und ihr Feedback effektiv implementiert, um im Ergebnis eine bessere Nutzererfahrung zu schaffen.

Neben der offensichtlichen Kuriosität, der Anfrage eines CEOs nach einem Praktikum bei der vermeintlichen Konkurrenz, lässt vor allem der letzte Satz tief blicken – und darf durchaus auch als kleine Stichelei in Richtung Seoul gewertet werden: Implizit unterstellt Pei Samsung damit, dass sie eben nicht in der Lage seien, effektiv auf die Wünsche ihrer Kunden und Nutzer einzugehen und ihre Produkte an deren Bedürfnissen auszurichten – wenigstens nicht in dem Maße, das er sich und OnePlus attestiert. Gleichzeitig gesteht Pei mit dem verblüffend offenherzigen Post auch ein, dass bei OnePlus auch nicht nur eitel Sonnenschein herrscht und dass gerade die „Neuen“ Wettbewerber auf dem Smartphone-Markt mit Problemen zu kämpfen haben – wir denken hier an beispielsweise an die geringen Margen, die OnePlus ob der deutlich kleineren Absätze erzielen dürfte –, die Big Player wie Samsung weniger zu schaffen machen.

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Möglicher Image-Gewinn für beide Parteien

Bleibt die Frage, wie ernst Peis Bitte um einen Praktikumsplatz bei Samsung gemeint ist — und vor allem, ob Samsung sich auf so einen Austausch ausgerechnet mit einem Startup einlassen würde, das dem Selbstverständnis nach („Flagship-Killer“) am eigenen Fundament sägt. Auch wenn Pei sogar noch anbietet, im Gegenzug auch einem Samsung-Manager vor Ort Einblicke in die Arbeit von OnePlus zu gewähren. Wir glauben unterm Strich, dass weder Samsung noch OnePlus ernsthaft Interesse daran haben, auf diesem Wege voneinander zu lernen.

Aber: Auf PR- und Marketing-Ebene könnten wohl beide Parteien von einem solchen öffentlichkeitswirksam inszenierten Austausch profitieren – Samsung, indem sich der tatsächlich von seiner Nutzerschaft durchaus entfremdete Großkonzern ein wenig im kreativen und innovativen Image des Newcomers sonnt, OnePlus, indem das Startup etwas von der Reichweite und Bekanntheit Samsungs mitnimmt.

Die Koreaner haben sich bislang nicht zu Peis Anfrage geäußert – wir beobachten das weitere Geschehen und melden, sobald eine Antwort aus Korea vorliegt.

Quelle: Carl Pei via Android Authority
Bild: Carl Pei @ Twitter

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