Otto entwickelt einen lernenden Onlineshop

Marco Kratzenberg

Auch wenn für die jüngere Generation der Familienbetrieb Otto immer noch ein altbackenes Katalog-Versandhaus ist, zeigt der Onlineerfolg des Konzerns doch deutlich, dass man bei Otto früh genug reagiert hat.

Otto entwickelt einen lernenden Onlineshop

Während die früheren Konkurrenten sang- und klanglos untergingen, macht der Versandhandel von Otto mit seinen über 100 verschiedenen Onlineshops immerhin einen Jahresumsatz von rund 6 Milliarden(!) Euro. Und im Gegensatz zu Aufsteigern wie Zalando macht man bei Otto sogar Gewinn. Damit das so bleibt und sich vielleicht sogar noch positiv entwickelt, beschreitet das Unternehmen sogar ungewohnte und gewagte neue Wege.

Otto will die Dauersurfer erreichen

Als Generation „always on“ bezeichnet man die nächste große Zielgruppe. Das sind die Leute wie Du und ich, deren Rechner ständig läuft und die über Smartphone und Co andauernd erreichbar sind. Das sind nämlich auch die Leute, die erst einmal Preise vergleichen, die sich modisch inspirieren lassen und dann auch im Internet bestellen - weil es so bequem ist.

Früher hat der Otto-Katalog die Lauffaulen und die Leute ohne vernünftige Handels-Infrastruktur bedient. Heute sollen das Otto-Onlineshops erreichen. Und zu diesem Zweck entwickelt das  Otto-Tochterunternehmen Collins neue Shopsysteme, die mehr bieten, als das reine Online-Katalog-Erlebnis.

Der Trick liegt darin, dass die neuen Otto-Shops einen Zusatznutzen bieten wollen. Wie das aussehen kann, kann man sich bei „Jaimie Jacobs“ bereits erkunden. Hier gibt es eigentlich nur 8 verschiedene damenschuhe, doch deren endgültiges Aussehen kann sich die Kundin bis ins kleinste Detail selbst entwerfen. Welches Leder darf es sein? Kroko, Ziege, Schlange…? Und welche Farbe? Wie soll die Spitze aussehen und wie die Ferse? Stück für Stück gestaltet man sich seinen ganz persönlichen Traumschuh und kann ihn dann bestellen. Ganz billig ist der Spaß natürlich nicht und die „Generation billig“ ist auch nicht die Zielgruppe der Otto Shops

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26 Fabrikverkäufe und Outlets, bei denen du so richtig Geld sparst.

Der Onlineshop lernt vom Kunden

Zalando zieht insbesondere durch kostenlosen Versand und Gutscheinaktionen neue Kunden an. Otto Gutscheine gibt es natürlich auch. Aber in erster Linie legt es das Versandhaus offenbar darauf an, sich unersetzlich zu machen. Was ist, wenn mir der Shop gleich sagen kann, welcher Style in meinem Club gerade angesagt ist? Wenn ich angeben kann, was für Sachen ich bereits habe und mir der Shop daraus, aus meinen letzten Bestellungen und meinem Kaufverhalten Styling-Tipps mit Kaufempfehlungen geben kann?

Darauf läuft es über kurz oder lang heraus und teilweise setzt man ähnliche Ansätze bereits um. Das Ziel der komplexen Entwicklungsstrategie sind selbstlernende Onlineshops. Und wenn man erst mal angefangen hat, auf das urteil eines Shops zu vertrauen, dann hat Otto gewonnen. Hat neue Kunden gewonnen und eine lohnenswerte Zielgruppe aktiviert. In dieses Projekt wurden bislang schon hohe Summen gesteckt und wir dürfen da sicherlich auf einige neue Shoppingerlebnisse gespannt sein.

Geleitet wird Collins von Benjamin Otto, einem Otto der dritten Generation. Er hat große Ziele und die Otto Group hat einen dreistelligen Millionenbetrag in den versuch gesteckt, das Onlineshopping zu revolutionieren. Dazu wurde unter anderem die Shopping-Marke About You ins Leben gerufen. Hier soll eine Shopping-Plattform geschaffen werden, die auf Dauer kreative Köpfe und Entwickler zum mitmachen animieren soll. Auf diese Weise wollen Otto bzw. Collins von der Schwarmintelligenz der Community profitieren. Wie wir alle und auch die Kreativen von diesem Konzept profitieren werden, muss sich vermutlich erst noch zeigen. Aber auf alle Fälle muss die Otto-Konkurrenz so langsam mal durch andere Konzepte als Skandale und kostenlosen Versand in die Presse kommen.

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