Drahtloses Aufladen während der Fahrt: Löst Qualcomm die Probleme von Elektroautos?

Johann Philipp 2

US-Unternehmen Qualcomm demonstriert auf einer Teststrecke in Frankreich eine Technik zum drahtlosen Laden von Elektroautos während der Fahrt. Löst das die Probleme der Elektromobilität?

Drahtloses Aufladen während der Fahrt: Löst Qualcomm die Probleme von Elektroautos?
Bildquelle: Qualcomm.

Dynamisches, drahtloses Laden von Autos oder „dynamic electric vehicle charging“ nennt Qualcomm sein neues System. Es ermöglicht, Elektroautos während der Fahrt aufzuladen. Auf einer Teststrecke in Versailles bei Paris präsentiert das Unternehmen die Technik: In der Fahrbahn sind Spulen verbaut, die durch Wechselstrom ein hochfrequentes Magnetfeld mit 85 kHz erzeugen. Im Unterboden des Autos sind ebenfalls Spulen verbaut. Über das Magnetfeld wird in die Spule am Auto eine Spannung induziert. Es fließt Strom, mit dem der Elektromotor angetrieben wird.

Auf der Teststrecke können bis zu 20 kW zu übertragen werden. Das reicht, um das Auto anzutreiben. Der Akku muss nicht mehr benutzt werden. Um den Akku aber auch gleichzeitig aufzuladen, reicht die Spannung noch nicht. Die Technik kennt man auch von Smartphones, die kontaktlos geladen werden können. Es gibt auch bereits Hüllen, die diese Funktion nachrüsten:

Fahrbahn muss Auto erkennen

Damit das Magnetfeld nur dann aktiviert wird, wenn es auch gebraucht wird, sind Sensoren in der Fahrbahn verbaut, die ein Auto innerhalb von wenigen Millisekunden erkennen. Daraufhin wird das Magnetfeld aktiviert. Besonders stolz sind die Entwickler darauf, dass keine direkte Kommunikation mit dem Auto stattfinden muss. Das System arbeitet autonom. Der Nutzer würde nichts bemerken und muss das Laden auch nicht durch einen Knopfdruck bestätigen.

Einziger Nachteil: Durch die automatische Erkennung funktioniert das System nur bis zu einer Geschwindigkeit von 120 km/h und das Auto muss seine Spur perfekt halten: Nur 20 cm dürfen die Fahrzeuge links und rechts von den Bodenelementen abweichen. Ohne Lenkassistent wäre das auf Dauer sehr anstrengend.

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15 Momente auf Technik-Präsentationen, die peinlicher kaum sein könnten.

12 cm Abstand zwischen Auto und Fahrbahn

Außerdem dürfen die Abstände zwischen den beiden Spulen in der Fahrbahn und im Auto nicht zu groß sein. Maximal 12 cm sind es auf der Teststrecke. Gerade für die beliebten SUVs wird das zum Problem. Die Autos brauchen zwei Empfängerplatten und eine Steuereinheit. Die Platten sind 65 x 40 cm groß.

2 Meter Element kostet 8.000 Euro

Die Kosten für die Installation eines solchen Systems wären enorm: Allein ein 2-Meter-Bodenelement mit den Spulen kostet 8.000 Euro und die Energieversorger müssten neue Stromkabel verlegen. Für Hunderte Kilometer Autobahn kämen da schnell mehrere Millionen Euro zusammen. Daher ist es wohl sehr unwahrscheinlich, dass ein privater Investor oder der Staat in den Bau der Ladespuren investieren wird.

Taxis und Parkplätze können ausgerüstet werden

Eine flächendeckende Ausrüstung der Autobahn muss aber gar nicht sein. Vor allem Taxistände könnten von der Technik profitieren: Die Fahrzeuge könnten kontinuierlich geladen werden, während sie sich in der Warteschlange nach vorn bewegen. Gleichzeitig könnte im Winter so auch eine Standheizung betrieben werden. Wann es zum ersten praktischen Einsatz des dynamischen Ladens kommen wird, ist noch offen. Qualcomm würde die Technik gerne für einen großen Autozulieferer lizenzieren, doch offenbar gibt es noch keine Verträge.

Quelle: Qualcomm, Golem

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