Europäische Kommission wirft Qualcomm Bestechung von Smartphone-Herstellern vor

Tuan Le 2

Auf Qualcomm kommen schwere Zeiten zu – nicht nur in wirtschaftlicher, sondern auch in rechtlicher Hinsicht: Die Europäische Kommission erhebt schwere Vorwürfe gegen den Halbleiterentwickler und bezichtigt Qualcomm unter anderem der Bestechung von Smartphone-Herstellern sowie des Preis-Dumpings.

Europäische Kommission wirft Qualcomm Bestechung von Smartphone-Herstellern vor
Bildquelle: Amio Cajander.

Nicht, dass Qualcomm nicht ohnehin schon genug Probleme hätte: Von Schwierigkeiten mit dem Hitzemanagement über Stellenabbau aufgrund von starker Konkurrenz aus Asien bis hin zu Gerichtsklagen bleibt dem kalifornischen Unternehmen derzeit nichts erspart. Erst im Oktober wurde Qualcomm von der chinesischen National Development and Reform Commission wegen „unlauterem Wettbewerb und Monopolbildung“ zu einer deftigen Strafe von 975 Millionen US-Dollar verurteilt. Ähnliche Vorwürfe erhebt nun auch die Europäische Kommission in einem Resümee der seit Juli 2015 geführten Ermittlungen gegen Qualcomm.

Qualcomm: Soll Smartphone-Hersteller für die exklusive Verwendung von SoCs bezahlt haben

Video-Bild: qualcomm-quick-charge-20-helps-reduce-battery-anxiety-91217.mp4 (5)

Seit 2011 seien danach Gelder in die Kassen eines nicht näher benannten großen Smartphone-Herstellers geflossen, der sich dafür wiederum zur exklusiven Verwendung von Chipsätzen und insbesondere 3G- und LTE-Modems von Qualcomm verpflichtete. Dies stellt in den Augen der Europäischen Kommission unlauteren Wettbewerb dar, da durch die feste Bindung der Modems an die Prozessoren konkurrierenden Unternehmen ein deutlicher Nachteil entstanden ist. Durch die Monopolbildung sei somit die Entwicklung der mobilen Netzwerktechnologie eingeschränkt worden.

Zwischen 2009 und 2011 soll Qualcomm außerdem maßgeblich an dem Niedergang des konkurrierenden Unternehmens Icera, das 2011 schlussendlich für 367 Millionen US-Dollar von Nvidia übernommen wurde, beteiligt gewesen sein: So habe Qualcomm laut dem Bericht der Europäischen Kommission in diesem Zeitraum die eigenen Chipsets zu Dumping-Preisen verkauft -  mit dem einzigen Ziel, Icera aus dem Markt zu drängen. Die Preise seien derart niedrig gewesen, dass nicht einmal die Produktionskosten von Qualcomm dadurch gedeckt werden konnten.

Bilderstrecke starten
16 Bilder
15 Momente auf Technik-Präsentationen, die peinlicher kaum sein könnten.

Wer ließ sich von Qualcomm bestechen?

Interessant ist sicherlich vor allem die Frage, welcher Hersteller nun konkret mit Qualcomm gemeinsame Sache gemacht hat. Zumindest bei den Topmodellen setzen sehr viele Unternehmen ausschließlich auf Chipsätze des kalifornischen Herstellers, wobei Samsung aufgrund der hauseigenen Exynos-Prozessoren und HTC wegen der Kooperationen mit MediaTek als Kandidaten wohl ausfallen. Qualcomm wird nun 3 Monate Zeit haben, sich zu den Vorwürfen zu äußern und muss sich voraussichtlich auf einen weiteren Gerichtsprozess einstellen – spätestens dann wird vermutlich bekannt werden, welches Unternehmen noch in die Angelegenheit verwickelt ist.

Der neue Spandragon 820 im Qualcomm-Promo-Video

Snapdragon 820 X12 LTE Test.

Quelle: Europäische Kommission via engadget

Sony Xperia Z5 bei Amazon kaufen * Sony Xperia Z5 bei Amazon kaufen *

Zu den Kommentaren

Kommentare zu dieser News

* Werbung