Qualcomm erhebt Widerklage gegen Apple: iPhone-7-Modem als Streitpunkt

Florian Matthey

Seit diesem Jahr befindet sich Apple in einem Rechtsstreit mit dem Zulieferer Qualcomm. Dieser holt jetzt mit einer Widerklage zum Gegenschlag aus: Apple habe nichts in Sachen Mobilfunktechnologie beigetragen und müsse daher bezahlen.

Qualcomm erhebt Widerklage gegen Apple: iPhone-7-Modem als Streitpunkt
Bildquelle: iFixit.

Apple gegen Qualcomm: Exklusiv-Deal „erpresst“?

Im Januar dieses Jahres verklagte Apple den Chip-Hersteller Qualcomm, der Apple vor allem mit dem Modem für das iPhone beliefert. Apple meint, dass der Zulieferer seine Marktposition durch unfaire Maßnahmen gestärkt habe: Qualcomm habe Apple mit seiner Marktmacht zu einem Exklusiv-Deal über iPhone-Mobilfunk-Chips gezwungen, indem das Unternehmen nur bei Exklusivität faire Lizenzgebühren für Qualcomm-Patente in Aussicht stellte. Es handelt sich um so genannte „standardessenzielle“ Patente – also solche für Technologien, die für die Kommunikation von Smartphones mit dem Mobilfunknetz Voraussetzung sind.

Auch die US-Handelsbehörde ermittelt in dieser Sache gegen Qualcomm. Der Patentexperte Florian Müller sieht in dem Verhalten des Unternehmens durchaus potenziell kartellwidriges Verhalten – er geht sogar so weit, dass er meint, dass das Verhalten des Unternehmens so wirke, als wolle jemand ein solches Verhalten „parodieren“. Dennoch möchte Müller keine Vorhersage treffen, wie der Rechtsstreit ausgehen wird.

iPhone 7 Review.

Qualcomm gegen Apple: Marktmacht ausgenutzt?

Mit Qualcomms Widerklage ist der Rechtsstreit jedenfalls nicht weniger kompliziert geworden: Das Unternehmen hat heute bekannt gegeben, mit einer eigenen Klage gegen Apple den Gegenschlag zu wagen. Qualcomm wehrt sich gegen sämtliche Anschuldigungen aus Cupertino und behauptet, dass Apple seine „enorme Marktmacht“ ausgenutzt habe, um Qualcomm zu unfairen Lizenzbedingungen zu nötigen.

Apple habe zwar viel dazu beigetragen, Mobilfunktechnologien zu einem Durchbruch zu verhelfen. Da Apple aber erst spät auf den Markt der Handy-Hersteller eingestiegen sei, profitiere das Unternehmen in Sachen Kommunikationstechnologie von der Arbeit anderer: Zur Entwicklung dieser Technologien habe Apple quasi überhaupt nichts beigetragen. Das Unternehmen werde diesem Umstand nicht durch die Bereitschaft, für Technologien entsprechend zu bezahlen, gerecht. Stattdessen habe Apple auch noch „Angriffe“ durch Behörden gefördert – nicht nur in den USA, sondern auch in Korea.

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Verlangsamt Apple den Qualcomm-Chip im iPhone 7?

Interessant ist auch, dass Qualcomm behauptet, dass Apple mit dem iPhone 7 den Vorteil der Qualcomm-Chips „kaschiere“: Im jüngsten iPhone kommt neben dem Qualcomm-Mobilfunkchip auch ein solcher von Intel zum Einsatz, da der Exklusiv-Deal mit Qualcomm mittlerweile ausgelaufen ist. Tests zeigen, dass die iPhone-7-Exemplare mit Qualcomm-Modem schneller über LTE kommunizieren als solche mit Intel-Modem.

Laut Qualcomm wäre dieser Unterschied sogar noch größer, wenn Apple das volle Potenzial des Qualcomm-Chips ausnutzen würde. Mit anderen Worten: Apple versuche, die Leistungsfähigkeit der Modems so anzupassen, dass nicht offensichtlich wird, wie wichtig die Qualcomm-Technologie für optimale LTE-Kommunikation ist. Apple habe Qualcomm sogar für den Fall, dass sich das Unternehmen öffentlich zum Leistungsgefälle zwischen den Qualcomm- und den Intel-Chips äußern würde, mit Konsequenzen gedroht. Mit der Pressemitteilung hat Qualcomm jetzt letztendlich trotz dieser Drohung doch gehandelt.

Quelle: Qualcomm via Mac Rumors

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