Qualcomm in der Krise: Entlassungen, Ausgliederungen und mögliche Trennung [Gerüchte]

Rafael Thiel 4

„Läuft bei dir … nicht!“ – So in etwa dürften einige Aktionäre auf das schwache Jahr von Qualcomm reagiert haben. Die Anleger üben zunehmend Druck auf die US-amerikanische Chipschmiede aus und fordern strukturelle Veränderungen. Einem Bericht zufolge könnte infolgedessen ein nicht geringer Anteil der Belegschaft entlassen werden. Zudem zieht die Führungseben in Betracht, die lukrative Patentsparte vom restlichen Unternehmen auszugliedern.

Qualcomm in der Krise: Entlassungen, Ausgliederungen und mögliche Trennung [Gerüchte]

Im Laufe des heutigen Tages wird Qualcomm die jüngsten Quartalsergebnisse präsentieren. Nach dem jüngsten Debakel mit dem Snapdragon 810, der für geringe Mehrleistung deutliche Hitzeprobleme enhtwickelte, gehen Analysten von einer rückläufigen Gewinnmarge aus. Schon im Vorfeld hatte das Unternehmen prognostiziert, dass das zweite Quartal, das im Juni endete, im Vergleich zum Vorjahr um 10 bis 20 Prozent weniger profitabel sein könnte.

Qualcomm könnte rund 3.000 Stellen streichen

Wie das Branchenmagazin The Information mit Verweis auf einen Insider berichtet, könnte Qualcomm im Rahmen der heutigen Präsentation auch einige Entlassungen ankündigen. Insgesamt sollen angeblich 10 Prozent der rund 30.000 Stellen auf der Kippe stehen. Darüber hinaus könnte das Unternehmen weitere Teile seiner Forschungs- und Entwicklungsabteilung in günstigere Länder wie Indien outsourcen, um noch mehr Kosten einzusparen.

Doch damit nicht genug: Das Wall Street Journal will erfahren haben, dass Qualcomm derzeit in Betracht zieht, die Patentlizenzierung und die Prozessordivision voneinander zu trennen. Angeblich soll vor allem der Hedgefonds Jana Partners auf diese Ausgliederung pochen. Wie das Firmenmotte („Enabling the Wireless Industry“) nahelegt, verfügt Qualcomm über ein üppiges Arsenal an nützlichen und vor allem gewinnbringenden Patenten, die viele Entwicklungen der Mobilfunkbranche erst möglich machen und lukrativ lizenziert werden könnten. Daneben sollen auch weitere Maßnahmen intern evaluiert werden, um das Vertrauen der Investoren zurückzugewinnen und den eigenen Aktienkurs zu steigern. Das Ganze könnte heute als „strategic review“ offiziell angekündigt werden.

Bilderstrecke starten
16 Bilder
15 Momente auf Technik-Präsentationen, die peinlicher kaum sein könnten.

Qualcomm in Schwellenländern weniger erfolgreich

Eine Umstrukturierung, oder vielmehr ein Umdenken, könnte auch bitter nötig sein, um sich langfristig auf dem Markt zu behaupten. Denn die Konkurrenz ist erstarkt und gräbt vor allem in Schwellen- und Entwicklungsländern zunehmend Marktanteile ab. Bei Preisen von rund 10 US-Dollar für ein LTE-Modul und immerhin bis zu 5 US-Dollar für einen Prozessor, können sich Hersteller, die Smartphones für 50 US-Dollar das Stück verkaufen, die Technologie von Qualcomm schlichtweg nicht leisten. Demzufolge tendieren Konzerne wie Samsung, Huawei und zuletzt auch LG dazu, eigene Lösungen zu entwickeln. Zudem ist mit MediaTek ein Experte für kostengünstige und dennoch performante Chips vorhanden.

Ironischerweise sieht es unterm Strich gar nicht so schlecht für Qualcomm aus. Das Jahr verläuft zwar bis dato weniger gut, jedoch steht mit den Snapdragon 820 wieder ein potentieller Kassenschlager für das lukrative High-End-Segment vor der Tür. Ob das am Ende reicht, um wieder auf die Erfolgsspur zurückzukehren – insbesondere nach dem Imageverlust durch den hitzigen Snapdragon 810, auf den nicht zuletzt Samsung für sein Galaxy S6 verzichtete – bleibt abzuwarten.

Quelle: The Information, Wall Street Journal via Android Authority

Zu den Kommentaren

Kommentare zu dieser News

* Werbung