Quantic Dream: Artikel über Ausbeutung – Autor ist jetzt auf der Blacklist von Sony

Michael Sonntag

Drei französische Magazine berichteten über schlechte Arbeitsbedingungen und ein rassistisch sowie sexistisch geprägtes Arbeitsklima bei Entwickler Quantic Dream. Dabei berufen sie sich auf Aussagen ehemaliger Mitarbeiter. Studiochef David Cage weist die Vorwürfe zurück.

Das neueste Spiel von Quantic Dream ist Detroit – Become Human, welches voraussichtlich 2018 erscheinen wird:

Detroit: Become Human - E3 2016 - E3 Trailer.

Update vom 16. Januar 2018:

Der Journalist William Audureau, der den LeMonde-Artikel über die Arbeitsbedingungen bei Quantic Dreams geschrieben hat, wurde inzwischen wohl von Sony auf die Blacklist gesetzt. Das berichtet er auf seinem privaten Twitter-Account. Zur Folge hat das, dass der Journalist beispielsweise weder an Events teilnehmen darf, noch Rezensions-Exemplare für Spiele erhält. In Frankreich ist dies wohl eine gängige Praxis in der Games-Branche.

Davon mitbekommen hat er eigenen Aussagen nach von geheimen Quellen, weswegen er auch keinen Beleg dafür hat. „Sony hat mir keine ‚Glückwunsch, Sie sind auf der Blacklist‘-Grußkarte zukommen lassen“, meint der Journalist sarkastisch auf Twitter.

Ursprüngliche Meldung vom 15. Januar 2018, 8:30 Uhr:

Die betreffenden Mitarbeiter machten ihre Vorwürfe an einigen Vorfällen fest. So kursierten laut LeMonde seit 2013 insgesamt 600 sexistische, rassistische und anderweitig anstößige Foto-Montagen durch den internen Mailverkehr des Studios.

Der Entwickler habe darauf reagiert, indem er die Verantwortlichen abgemahnt und einen Leitfaden für besseren Umgang untereinander umgesetzt habe.

Des Weiteren wird Studiochef David Cage persönlich für seine alltägliche Allmachts-Attitüde und seine sexistischen sowie rassistischen Kommentare gegenüber Mitarbeitern kritisiert. Mitgründer Guillaume de Foundaumière steht ebenfalls in der Kritik für unangemessenes Verhalten auf internen Feiern.

Ein Mitarbeiter spricht außerdem von ausbeuterischen Arbeitszeiten, nach denen er 15 Stunden am Tag und 80 Stunden die Woche arbeiten musste. Zwischen 2015 und 2016 verließen insgesamt 50 Mitarbeiter das Studio, unter anderem aufgrund von Burn-out und Depression.

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Studiochef David Cage bezeichnete die Vorwürfe als „grotesk, absurd und lächerlich“.

Außerdem sagte er: „Ihr wollt mir etwas von Homophobie erzählen? Ich arbeite mit Ellen Page, einer Kämpferin für die Rechte der LGBT-Gemeinde. Ihr wollt mir etwas von Rassismus erzählen? Ich arbeite mit Jesse Williams, der in den USA für Bürgerrechte einsteht. Beurteilt mich anhand meiner Taten.

De Foundaumière äußerte sich ebenfalls gegenüber Kotaku zu den Vorwürfen: „Quantic Dream bestreitet alle Anschuldigungen. Was mich angeht, bin ich wütend und empört über diese Vorwürfe, welche ich sehr ernst nehme. Und ich werde alle möglichen gerichtlichen Schritte einleiten, um meine Ehre zu verteidigen.

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