Die Marktforscher von Gartner haben neue Zahlen zum weltweiten Smartphone-Markt vorgelegt. Demnach wurde im zweiten Quartal 2015 die geringste Wachstumsrate seit 2013 verzeichnet. Grund dafür ist offenbar China: Im Vergleich zum Vorjahr wurden mit einem Minus von 4 Prozent erstmals weniger Smartphones im Reich der Mitte verkauft. Großer Verlierer ist Branchenprimus Samsung, der von gleich zwei Seiten unter Beschuss genommen wird. 

 

Samsung Electronics

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Laut Anshal Gupta, Research Direktor beim Marktforschungsunternehmen Gartner, zeichnen die Smartphone-Verkäufe im zweiten Quartal 2015 ein insgesamt durchwachsenes Bild, das von Region zu Region unterschiedlich ausfalle. In den aufstrebenden Märkten der Asien-Pazifikregion (mit Ausnahme von China), Osteuropa, dem nahen Osten und Afrika wurde ein starkes Wachstum verzeichnet, von dem vor allem chinesische und lokale Hersteller profitieren würden. In China allerdings, dem größten Mobilfunkmarkt der Welt, ist der Motor ins Stottern geraten. Dort sanken die Smartphone-Verkäufe erstmals im Vergleich zum Vorjahr um 4 Prozent. Die schwache Performance hat auch den globalen Smartphone-Markt in Mitleidenschaft gezogen. „Chinas Markt ist mittlerweile gesättigt“, so Guptal. „Die chinesischen Absatzzahlen werden hauptsächlich durch Neukäufe getragen – es gibt immer weniger Menschen, die sich zum allerersten Mal ein Smartphone kaufen“.

Trotz Einbußen führt Samsung noch immer die weltweite Rangliste an: Der südkoreanische Hersteller konnte 72,07 Millionen Smartphones an Endkunden absetzen und sich damit einen Marktanteil von 21,9 Prozent sichern. Auf Platz 2 folgt Apple, das im zweiten Quartal 48,08 Millionen iPhones verkaufte und damit auf einen Marktanteil von 14,6 Prozentpunkte kam. Der Vergleich zum Vorjahr zeigt allerdings, dass sich Apple um 2,4 Prozent steigern konnte: 2014 verbuchte das kalifornische Unternehmen noch einen Marktanteil von 12,2 Prozent. Samsungs Anteil ist im selben Zeitraum um 4,3 Prozentpunkte gefallen. Laut Anshal Gupta ist Apples gute Performance vor allem auf den Erfolg in China zurückzuführen, wo die Verkaufszahlen des iPhone 6 und 6 Plus um satte 68 Prozent zugelegt haben.

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Huawei und Xiaomi konnten sich ebenfalls steigern, während Lenovos Marktanteil – trotz der Übernahme von Motorola – von 6,6 Prozent auf 5 Prozent zusammenschrumpfte. Im zweiten Quartal 2015 wurden weltweit insgesamt 329 Millionen Smartphones abgesetzt und damit gut 40 Millionen mehr als im Vergleichszeitraum.

Ein Blick auf die meistgenutzten mobilen Betriebssystemen zeigt das gewohnte Duopol aus Android und iOS. Das Google-OS musste zwar leichte Verluste hinnehmen, ist mit einem Marktanteil von 82,2 Prozent aber noch immer einsam an der Spitze. Danach folgt Apples iOS, das sich in Q2/2015 aufgrund der gestiegen iPhones-Absatzzahlen von 12,2 auf 14,2 verbessern konnte.

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Von allen Seiten unter Druck: Samsung

Die Zahlen von Gartner lassen mehrere interessante Rückschlüsse zu: Samsung wird von gleich zwei Seiten in die Mangel genommen – im hochpreisigen Oberklasse-Segment macht Apple dem Hersteller ordentlich Druck und verkündet einen Verkaufsrekord nach dem anderen. Der Launch der vielfach gelobten Galaxy S6 sowie S6 edge hat nicht den Erfolg gebracht, den sich Samsung eigentlich erhoffte. Zuletzt musste bei beiden Geräten sogar an der Preisschraube gedreht werden, um den Absatz anzukurbeln. Im Bereich der Einsteiger- und Mittelklasse-Smartphones muss sich das Unternehmen hingegen mit den günstigen Konkurrenten aus China herumplagen, die immer mehr Boden gut machen. Eine herausragende Rolle nimmt hier Huawei ein, das seinen Marktanteil innerhalb nur eines Jahres von 6,1 auf 7,8 Prozent steigern konnte. Dass Huawei in diesem Jahr mutmaßlich das Nexus 6 (2015) fertigen wird, dürfte die Bekanntheit und das Renommee des Konzerns weiter steigern.

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Duopol von Android und iOS auf Dauer ungesund

Bei den Betriebssystemen sticht außerdem der weitere Fall von Windows Phone ins Auge. Der ohnehin schon geringe Anteil von Microsofts Mobil-OS, der im zweiten Quartal 2014 bei 2,8 Prozent lag, ist sogar noch weiter geschrumpft: Aktuell hält Windows Phone lediglich 2,5 Prozent vom Kuchen. Wir sind zwar leidenschaftliche Android-Anhänger, aber auf Dauer ist das oben beschriebene Duopol von Android und iOS nicht gut für den Mobilfunkmarkt. Möglicherweise kann sich ja Windows 10 Mobile zu einer veritablen dritten Alternative entwickeln. Zu wünschen wäre es – denn Konkurrenz belebt bekanntlich das Geschäft.

Quelle: Gartner, via: Engadget