Die Nachlese geht weiter: Nach dem Paukenschlag am Wochenende wird nicht nur das gesprochene Urteil im Fall Apple gegen Samsung genau analysiert. Auch die am Prozess beteiligten Personen melden sich zu Wort. Der Vorsitzende der Geschworenen stand jetzt in einem TV-Interview Rede und Antwort.

Nach dem Urteil in Kalifornien, welches Samsung der Patentverletzungen schuldig gesprochen und zu einer Strafzahlung von einer Milliarde US-Dollar verurteilt hatte, wird so ziemlich alles hinterfragt. Das US-Patentrecht, die Befangenheit des Gerichtes und auch die der Geschworenen waren schon Gegenstand von Spekulationen. Der amerikanische TV-Sender Bloomberg bat jetzt den Vorsitzenden der Geschworenen im Prozess, Vel Hogan, zum Interview. Der verriet in dem fast 17-minütigen Gespräch einige interessante Details zum Prozess.

Das komplette, in englisch geführte, Interview könnt ihr euch hier ansehen:

Hogan erläutert unter anderem, welche Argumente der letztlichen Entscheidung über die Gültigkeit von Apples Patenten zugrunde lagen und erklärt, wie die finale Summe von mehr als einer Milliarde US-Dollar als Strafzahlung zustande kam. Offenbar war die Jury tatsächlich der Ansicht, die Apple-Entwickler hätten die patentierten Technologien geschaffen, ohne von bereits vorher existierenden Produkten zu wissen. Das klingt unserer Ansicht nach wenig plausibel. Hogan äußert sich auch zu den Vorwürfen der fehlenden Sorgfalt der Jury, welche er, wie zu erwarten, zurückweist.

Allerdings nennt der Geschworene auch durchaus plausible Gründe dafür, dass Samsung sich genau bewusst war, dass sie mit ihren Produkten möglicherweise legale Grenzen überschreiten könnten. Er berichtet sogar davon, dass ein Treffen zwischen Google und Samsung stattgefunden habe, in dem die Koreaner dazu aufgefordert wurden, Produktdesigns weniger nach Apple aussehen zu lassen und klarer abzugrenzen. Eine Aufforderung, der Samsung nicht nachgekommen sei.

Einige witzige Details ließ Vel Hogan auch noch durchblicken: So besaß laut seiner Aussage keiner der Geschworenen ein iPhone. In Anbetracht der Tatsache, dass die Jury ein Querschnitt der Bevölkerung im Silicon Valley darstellt, eher ungewöhnlich. Es wäre aus unserer Sicht interessant zu wissen, ob das ein Auswahlkriterium dür die Jurymitglieder war. Wer also glaubt, dass es sich bei dieser Jury um Apple-„Fanpeople“ gehandelt hat, ist hiermit eines Besseren belehrt. Vel Hogan selbst behauptet sogar niemals ein Apple-Produkt besessen zu haben und ist nach eigener Aussage „eher ein PC-Typ“. Na wenn das so ist, hab‘ ich keine weiteren Fragen, euer Ehren!

Quelle: Bloomberg [via Phandroid]