Samsung: Auf der Suche nach dem Design, das den Zeitgeist definiert

Frank Ritter 10

Journalisten der Nachrichtenagentur Reuters waren in Korea und durften die Design-Abteilung von Samsung besuchen. Im Gespräch mit Lee Minhyouk, Vice President of Design, erhielten sie einige interessante Einsichten in das Design-Verständnis von Samsung und das Verhältnis zu Apple.

Samsung: Auf der Suche nach dem Design, das den Zeitgeist definiert

Bevor Lee im Jahr 2009 den Job bei Samsung annahm und die Galaxy-Serie designte, hieß dass Smartphone-Flaggschiff des koreanischen Konzerns Omnia und war, auch nach der Meinung von Lee, ein Gerät, das man aufgrund seiner technischen Unzulänglichkeiten wegschmeißen wollte. Dennoch sei das Omnia ein wichtiger Schritt für Samsung gewesen und eine Voraussetzung für das Design der Galaxy-Serie, so der 40-Jährige.

Laut Reuters versucht das Design-Team von Samsung ein stückweit, den vorherrschenden Klischees über die koreanische Arbeitswelt im Allgemeinen und Samsung als schnell reagierendem „Copycat“-Produzenten im Besonderen zu strotzen. Auch wenn in den Cubicles im Samsung-Büro keine „Laidbackness“ und Spielkindmentalität wie in Silicon Valley-Startups vorherrscht, versucht der Konzern dennoch im Rahmen seiner Möglichkeiten, die kreativen Energien durch unkonventionelle Methoden sprießen zu lassen: So macht das Design-Team regelmäßige Gruppenausflüge in andere Regionen der Welt, etwa Brasilien oder Peru. Lee betont, dass er aus solchen Visiten Inspiration für das Design der von ihm entworfenen Produkte schöpft.

Große taktische Vorteile hat Samsung dadurch, dass alle für den Bau von Smartphones benötigten Technologien inhouse produziert werden können und daher in den Laboren - auch auf anderen Kontinenten - immer neueste Technologien vorhanden sind, mit denen man aktuellen Trends hinterherspüren kann.

Innerhalb der Firma wird Lee als „Midas“ für seine Designarbeit an der Galaxy S-Serie und dem Galaxy Note bezeichnet. Insbesondere das letztgenannte Phablet (hierzulande häufig Smartlet genannt) kann als Tabubruch gesehen werden, denn Samsung hat sich hier bewusst vom Mantra des Handys entfernt, das in einer Hand gehalten werden muss. So ist das Smartlet deutlich besser geeignet, Multimedia-Aufgaben zu lösen – wichtige Funktionen aktueller Smartphones. An dieser Stelle hat Samsung das zarte Pflänzchen Innovation gegossen und bewiesen, dass der Konzern auf dem Smartphone-Sektor mehr kann, als Bestehendes zu kopieren und zu verfeinern.

Die Geschmacksmuster-Klagen von Apple aufgrund einer vermeintlichen Ähnlichkeit verschiedener Samsung Galaxy-Produkte mit Apple-Produkten nimmt Lee dann auch sehr persönlich: „Tausende von Skizzen habe ich angefertigt und hunderte von Prototypen entworfen. […] Für einen Designer ist das eine Frage der Ehre. [Das Galaxy] ist aus sich heraus ein Original und ich bin derjenige, der es erschaffen hat. Es handelt sich um ein völlig anderes Produkt mit einer unterschiedlichen Designsprache und anderer Technologie, die hineingegeben wurde“.

Freimütig gibt Lee allerdings zu, dass er mit seiner Arbeit noch nicht den Status des Apple-Designers Jonathan Ive erreicht habe. Dennoch glaubt er, dass Samsungs Geräte einst den Rang zeitloser Produkte erhalten werden: „Ich bin zuversichtlich, dass Samsung eines Tages ein Produkt herausbringt, dass unsere Zeit definiert. Und ich hoffe, dass es eines von mir ist“.

Das hoffen wir natürlich auch. Gerne schon beim Samsung Galaxy S3. Ist Samsung ein Innovator oder stehen die Produkte und deren Designs hinter denen der Konkurrenten zurück? Eure Meinung in die Kommentare.

Quelle: Reuters [via Phandroid, Bild „Samsung Headquarters“: Wikimedia Commons/Secl (cc)]

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