Samsung Indien: Bizarre Forderungen und Drohungen an IFA-Blogger

Frank Ritter

Es gibt Geschichten, die mag man kaum glauben - wenn sie nicht sorgfältig dokumentiert wären. So eine Geschichte ist die einer Aktion, bei der die indische Niederlassung von Samsung Mobile jüngst Blogger zur IFA nach Berlin einlud. Als diese sich vor Ort weigerten, die Forderungen von Samsung, nach denen sie quasi als Standmitarbeiter fungiuert hätten, zu erfüllen, drohte die PR-Abteilung, die Rückflug-Tickets der indischen Blogger zu kassieren und diese in Berlin stranden zu lassen.

Man kennt das, auch aus Deutschland: Hersteller von Hardware laden Blogger ein, damit diese auch von entlegenen Locations in aller Welt über die Präsentation neuer Produkte berichten können. Bevor jemand „Sellout“ schreit, sei an der Stelle erwähnt, dass die meisten Blogger sonst nicht in der Lage wären, die Berichterstattung von überall auf der Welt zu verwirklichen. Zu den güldenen Regeln der PR sollte dabei aber auch gehören, dass man die Blogger dann aber ihr Ding machen und frei berichten lässt. Im vorliegenden Fall war das allerdings ganz und gar nicht so.

Das Mobiler-Programm von Samsungs Indien-Niederlassung gab zunächst allerdings genau das vor: Ausgewählte Blogger sollten die Möglichkeit erhalten, direkt nach Berlin zu fliegen und die dort vorgestellten Geräte, sprich: das Samsung Galaxy Note 2 und die Samsung Galaxy Camera, aus erster Hand zu betrachten, zu bestaunen und abzufilmen. Dabei wollte Samsung für die Kosten des Hotels und den Flug aufkommen.

Bilderstrecke starten(8 Bilder)
Samsung Galaxy A51: So erwachsen sieht die neue Handy-Mittelklasse aus

Nun sollte man meinen, dass es ein Milliardenkonzern wie Samsung nicht nötig hat, Blogger unter Druck zu setzen – zumal dessen Geräte qualitativ ja eigentlich für sich zu sprechen. Doch weit gefehlt: Nach der Ankunft in Berlin wurde den indischen Schreiberlingen ein NDA (Non Disclosure agreement) angeboten, das ihnen zwar ermöglichte, die neuen Devices früher zu sehen, aber nicht darüber zu schreiben. Das ist zunächst einmal nicht ungewöhnlich. Zudem sollten sie aber an einer Aktion teilnehmen, bei der vor Berliner Sehenswürdigkeiten im Stile von „Where the hell is Matt“ getanzt werden sollte. Bis hierhin wäre das aus Sicht der Blogger noch vertretbar gewesen.

Bei der Ankunft im Hotel wurde den Bloggern dann jedoch nahegelegt, dass sie sich in Samsung-Kluft werfen und die IFA-Tage am Samsung-Stand verbringen sollten, um die neuen Geräte Journalisten zu präsentieren – im Prinzip nicht unterscheidbar von regulären Samsung-Mitarbeitern. Verständlich, dass die Blogger – Clinton Jeff von Unleash the Phones und ein Kollege, der nicht genannt werden möchte – protestierten. Schließlich waren sie davon ausgegangen, dass Samsung sie nicht als Mitarbeiter angeheuert hatte, sondern sie in ihrer journalistischen Funktion unterstützen wollte.

Nach einem Gespräch mit einem PR-Mitarbeiter von Samsung in Berlin und einer kurzem gewährten Bendenkzeit erreichte Clinton Jeff der Anruf eines Mitarbeiters von Samsung India – und ab hier wird es haarig: Man solle sich entweder fügen, die Samsung-Uniform tragen und die Aufträge ausführen; oder man könne sich selbst um den Rückflug und ein Hotel kümmern. Kurze Zeit nach diesem Anruf erreichte ihn ein weiterer Anruf von derselben Person. Man habe einen neuen Rückflug für ihn am 1.9. gebucht, der ursprüngliche war für den 6.9. angesetzt. Auch dieser würde aber nur gewährt, wenn man übereinstimme, das Samsung-Shirt beim Unpacked-Event zu tragen und die Geschichte nicht zu erzählen.

Clinton Jeff stimmte zähneknirschend zu, da es außerhalb seines finanziellen Rahmens gewesen wäre, Heimflug und Hotel selbst zu bezahlen. Während des Unpacked-Events entschied er sich, zwar das T-Shirt zu tragen, aber nicht an der Scharade teilzunehmen, anderen Journalisten das Galaxy Note 2 vorzuführen. Daraufhin flog er bereits am 1. September zurück – ohne die Gelegenheit zu haben, den Rest der IFA 2012 zu sehen und über weitere Geräte andere Hersteller zu berichten.

Diese Geschichte erscheint zunächst einmal krass – insbesondere die Drohung, dass man die Blogger auf eigene Kosten in Berlin sitzen lassen würde. Allerdings sollte man auch Samsung zu Wort kommen lassen. Der Konzern äußerte sich nach dem Bekanntwerden wie folgt (Übersetzung von uns):

Bei Samsung Mob!lers handelt es sich um eine Gemeinschaft an Freiwilligen, denen angeboten wird, an unseren Marketing-Events in aller Welt teilzunehmen. Bei diesen Events sind alle Aktivitäten auf freiwilliger Basis und finden ohne Zwang statt.

Wir bedauern das Missverständnis zwischen den Samsung Mob!lers-Koordinatoren und dem betreffenden Blogger. Nach unserem Verständnis wurde er im Vorfeld der IFA 2012 nicht hinreichend in die Natur der Samsung Mob!lers-Aktivitäten eingewiesen. Wir haben bereits versucht, in Kontakt mit den Blogger zu treten.

Wir respektieren die Unabhängigkeit von Bloggern, ihre eigenen Geschichten zu publizieren.

Also: Alles nur ein Missverständnis? Lag es nur an der Kommunikation und den Bloggern wurde im Vorfeld schlicht nicht gesagt, was man von ihnen in Berlin erwartete? Mag sein. Allerdings scheinen die geforderten Handlungen definitiv nicht freiwillig gewesen zu sein und die Art und Weise, wie seitens Samsung India versucht wurde, den Konflikt zu lösen und den Bloggern einen Maulkorb zu verpassen, grenzte an Erpressung. Seh unschön – gerade weil Samsung eigentlich im Zuge des Apple-Urteils, der tollen neuen Produkte auf der IFA und cooler Marketing-Aktionen wie dem Custom-SGS3 in Kanada dieser Tage eine Welle der Sympathie entgegenschwappt.

Für das Protokoll sei hier zumindest erwähnt, dass man die internationalen Niederlassungen und einzelne Abteilungen eines gigantischen Konzerns wie Samsung nicht über einen Kamm scheren kann. Samsung Deutschland sponsert zwar auch Blogger, stellt aber nach unserem Kenntnisstand keine Anforderungen an deren Aktivitäten und Berichterstattung.

Wie seht ihr das? Ist Samsung India zu weit gegangen? Oder handelt es sich lediglich um ein unglückliches Kommunikationsproblem? Eure Meinung in die Kommentare.

Quelle: The Next Web, Bild: Samsung Mob!lers

Zu den Kommentaren

Kommentare zu dieser News

* Werbung