Samsung: Zusammenarbeit mit Zulieferer aufgrund des Verdachts auf Kinderarbeit gestoppt

Tuan Le 2

Samsung geht weiter gegen Kinderarbeit bei Zulieferern in China vor. So wurde jetzt die Zusammenarbeit mit dem chinesischen Lieferanten Shanyang Engineering Ltd. vorerst beendet. Im Zuge eigener Untersuchungen musste das südkoreanische Unternehmen feststellen, dass bei Shanyang offenbar Kinderarbeiter eingesetzt wurden, wie schon zuvor von der Organisation China Labor Watch berichtet worden war. Bis zur endgültigen Aufklärung wird Samsung daher keine weiteren Komponenten mehr von Shanyang beziehen.

Samsung: Zusammenarbeit mit Zulieferer aufgrund des Verdachts auf Kinderarbeit gestoppt

Kinderarbeit scheint in einigen Teilen der Welt schlichtweg zum traurigen Alltag zu gehören – Samsung bemüht sich jedoch schon seit geraumer Zeit darum, durch regelmäßige Untersuchungen und Kontrollen zu verhindern, dass Kinderarbeiter in den Produktionshallen der Galaxy-Smartphones zum Einsatz kommen – egal, ob es sich um die eigenen Produktionsstätten oder die Fabriken von (deutlich schwerer zu kontrollierenden) Zulieferern handelt. Man muss Samsung hier gar kein „Gutmenschentum“ unterstellen, denn am Beispiel von Foxconn und Apple, aber auch aus eigener Erfahrung weiß man, wie viel nachhaltige negative Publicity derartige Vorwürfe mit sich bringen können.

Wie die Organisation China Labor Watch, die sich für die Einhaltung der Arbeitsgesetze in China einsetzt, feststellen musste, kam es in Fabriken des Lieferanten Shanyang Engineering Ltd. immer wieder zur Einstellung von minderjährigen Mitarbeitern. Samsung selbst dementierte die Vorwürfe zunächst, versprach aber weitere Untersuchungen vorzunehmen – die dann sogleich die Ineffizienz der regulären Kontrollen zu Tage förderten, sodass mittlerweile auch die chinesische Regierung ermittelt. Sowohl durch gefälschte Ausweise als auch mangelnde Kontrolle der Übereinstimmung mit den Gesichtern des Auszuweisenden sei es möglicherweise Ende Juni zur illegalen Einstellung von Kinderarbeitern gekommen. Indirekt impliziert Samsung mit den Angaben allerdings, dass Shanyang nicht willentlich Kinderarbeiter eingestellt, sondern durch unzureichende Kontrollen deren Einstellung lediglich nicht verhindert hätte werden können.

Dies mag aufgrund des rechtlich illegalen Status von Kinderarbeit in China zwar plausibel klingen, in der Realität kann Samsung aber offenbar trotz aller Versprechen kaum regulieren, was in den Fabrikhallen der Lieferanten vor sich geht – den Berichten von China Labor Watch zufolge werden dort systematisch Kinderarbeiter eingestellt, oft bei gleicher Belastung mit nur zwei Drittel des regulären Gehalts von Erwachsenen entlohnt und aufgrund der langen Nachtschichten nur schlecht ernährt. Auch den restlichen Mitarbeitern gehe es nicht besser, denn ständige Überstunden und die Arbeit mit gesundheitsschädlichen Chemikalien stellten ebenfalls Probleme dar, die Samsung zu korrigieren gelobte.

Angesichts der anhaltenden Probleme äußerte sich der Direktor von China Labor Watch Li Qiang gegenüber den Versprechungen von Samsung ungehalten: Nicht was Samsung sage, sei wichtig, sondern was Samsung tatsächlich dagegen unternimmt, so der Menschenrechtler.

Samsung ist als Branchenprimus gewiss erster Adressat solcher Vorwürfe. Wir gehen allerdings davon aus dass auch viele andere – vermutlich sogar nahezu jedes – Unternehmen im Smartphone-Sektor auf Lieferanten und Produktionsstätten in China zurückgreift, die oft unter menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen operieren und somit nicht nur Samsung allein Nutznießer von Ausbeutung und mangelnden Arbeiterrechten ist.

Quelle: Reuters [via Android Authority]

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