Lassen wir die leidliche Diskussion Apple vs. Samsung mal beiseite: Fakt ist, in den meisten, wenn nicht allen Geräten von Apple steckt jede Menge Technik des südkoreanischen Elektronikkonzerns. Insbesondere Speicherchips – gefertigt in Südkorea – finden sich in MacBooks, iPhones, iPods und iPads. GIGA hatte Gelegenheit, sich die Produktion dieser Bauteile vor Ort in Samsungs Nano City Komplex in Hwaseong anzuschauen.

 

Samsung Electronics

Facts 

Zunächst: Wie kam es zu dieser außergewöhnlichen Möglichkeit? Wir folgten der Einladung Samsungs anlässlich der Vorstellung der neuen 840er SSD-Serie (Test- und Erfahrungsberichte folgen noch nächste Woche). Als Teil der Presse-Delegation durften wir den Produktionsstätten schließlich einen Besuch abstatten.

Hwaseong: Herz der Chip-Produktion

Hwaseong liegt einige Kilometer südlich von Seoul, mit dem Auto braucht es circa eine Stunde, um im dichten Verkehr der Megametropole hierhin vorzudringen. Für Samsung ist der Nano City Komplex schlichtweg das Herzstück der Halbleiterindustrie des Elektronikriesen. Eröffnet wurde das Areal im Jahre 2000 und ist seitdem das Zentrum der Speicherproduktion – ob DRAM oder NAND-Speicher für SSDs, Speichersticks, SD-Karten und Flashspeicher-Module für Apples Gerätschaften wie iPhone und Co – ihren Ursprung haben sie alle hier. Forschung, Entwicklung, Planung, Marketing und Produktion – alles findet unter einem Dach in Hwaseong statt.

Auf geht's: Busfahrt zu Samsung

Es ist ein sonniger Morgen, der Wettergott meint es gut mit uns. Voller Neugier und Wissbegierde versammeln sich die Vertreter der Weltpresse und werden mit gecharterten Reisebussen zum Ziel gebracht. Man diskutiert: Wie viel werden wir tatsächlich sehen können, wie offen wird sich Samsung geben? Schließlich ist es nicht alltäglich, die Produktions- und Entwicklungsstätten eines solchen Konzerns erblicken zu können. Nicht nur bei Apple wäre dies beispielsweise vollkommen unvorstellbar.

Der Weg nach Hwaseong ist leidlich interessant. Unzählige Plattenbauten säumen die Strecke und wecken Erinnerungen an wenig attraktive Wohnsiedlungen im Osten unseres Landes. Schon bald entdecken wir die ersten Gebäude – darunter eine Megahalle mit unübersehbar großen Samsung-Lettern.

Der Bus erreicht die Zufahrt: Ab hier befinden wir uns auf dem voluminösen Firmengelände – willkommen im Samsung-Land. Was auffällt: Wenngleich der Komplex schon seit 12 Jahren existiert, abgeschlossen sind die Bauarbeiten noch lange nicht. Linkerhand fällt eine riesige Baustelle ins Auge. Gut möglich, dass es sich dabei um eine weitere Produktionslinie handelt. So wurde vor einem Jahr erst bekannt, dass Samsung mit der neuen Linie-16 (einer zwölfstöckigen Produktionsstätte) ein Volumen von 200.000 Wafern (300-Milimeter) pro Monat zukünftig anvisiert – Baukosten 7,6 Milliarden Euro. Stillstand kennt man hier nicht. Übrigens: Der Grundstein für einen weiteren Firmenkomplex für die Speicherproduktion wurde erst kürzlich gelegt – diesmal geht Samsung allerdings nach Xian in China.

Top Secret: Ein Blick ins Innere

Zielstrebig erreichen wir unseren Bestimmungsort. In der Auffahrt warten schon die Offiziellen von Samsung. Ein Wermutstropfen: Unsere Kameras müssen fortan im Bus verbleiben beziehungsweise werden später „unschädlich“ gemacht – meint bei Samsung: Sticker aufs Handy drauf und Kameras kommen in einen versiegelten Sack. Löblicherweise stellte uns Samsung später noch offizielle Pressebilder, die auch Teile des Inneren zeigen.

Wir werden in Gruppen aufgeteilt: Die deutsche Delegation darf sich freuen, gehören wir doch zu den ersten, die die eigentliche Produktionslinie sehen dürfen. Wir passieren die Sicherheitsschleuse und steigen in den Fahrstuhl. Wenig später finden wir uns in einem Gangbereich wieder. Dem Vorbild realsozialistischer Schaukasten gleich (der Autor war als Jungpionier zu Zeiten der DDR ein halbes Jahr lang Wandzeitungs-Agitator in einer Polytechnischen Oberschule), finden sich in diesem Vorraum die Errungenschaften der letzten und zukünftigen Jahre. Kleine und große Wafer zeugen vom Erfindungsgeist der Südkoreaner. Ebenso ausgestellt wurden Prototypen neuartige Speichertechnologien wie PRAM und ReRAM.

Zusammen mit Kollege Sascha „Palle“ Pallenberg verlässt GIGA-Autor Sven „Kaule“ Kaulfuss unerlaubter Weise den Vorraum und entdeckt im hinteren Bereich eine Art Entspannungszone für die Mitarbeiter – ein Hauch vom Silicon Valley macht sich breit. Alsbald kehren wir jedoch zur „Schulklasse“ zurück und dürfen wenig später die heilige Produktionslinie besichtigen.

Natürlich dürfen wir nicht in den Reinraum: Wie im Zoo blicken wir durch eine meterlange Fensterscheibe. Die kleinen Roboter gleiten auf an der Decke angebrachten Schienen durch die Halle, beherbergen die Wafer und bringen sie zu ihren einzelnen, unzähligen Bearbeitungsstätten. Faszinierend – im Hinterkopfe scheinen „Kraftwerks-Roboter“ zu ertönen, so packend und futuristisch ist das Szenario. Menschen? Sehen wir nicht. Moment: Einen kleinen „Chip-Bunny“ im Schutzkostüm erblicken wir dann doch. Neugierig und zunächst ungläubig schaut er zu uns auf, wir winken zurück.

Schon nach wenigen Minuten müssen wir die „Chip-Bäckerei“ verlassen. Mehr gibt es nicht zu sehen, zumindest nicht für uns neugierige Journalisten. Weiter geht's: Nächste Station das Chip-Museum. Dieses liegt im Eingangsbereich des Gebäudes, ebenso wie eine kleine Bücherei. Samsung ist sichtlich stolz auf das bisher erreichte. Es war letztlich ein langer Weg vom ersten DRAM im Jahre 1983 (den es zu besichtigen gilt) bis zur heutigen Marktführerschaft.

Nach der Werksbesichtigung geht's für uns zum Mittagessen. Die „Kantine“ befindet sich in einem weiteren Gebäude – wir nehmen den Bus, schließlich hat der Komplex die Ausmaße einer kleineren Stadt. Übrigens: Da Samsung hier den Ton angibt und Reinlichkeit in der Chipproduktion groß geschrieben wird, herrscht auf dem ganzen Gelände ein einheitliches Rauchverbot, auch auf und an den Straßen.

Auf dem Weg zur Kantine kommen wir zum ersten Mal mit den „einfachen“ Mitarbeitern in Berührung. Ein Smartphone besitzt hier jeder. Patriotisch handelt es sich dabei um Ware aus dem eigenen Haus. Besonders das Galaxy Note scheint beliebt. Nicht nur bei Samsung, auch generell in Seoul ist das Handy mit Mega-Display häufig anzufinden. Ein iPhone entdecken wir dagegen nur bei einem einzigen Handwerker im Außenbereich – ob der allerdings direkt von Samsung angestellt ist? Überhaupt: Südkorea ist Samsung-Land, iPhones entdeckt man gleichwohl schon, allerdings befinden sich diese sichtlich in der Unterzahl.

Hwaseong
Hwaseong
Samsung-Mitarbeiter
Samsung-Mitarbeiter
Nano-Park
Nano-Park
\"Kantine\"
\"Kantine\"
Produktionshalle
Produktionshalle

Nach der Speisung machen sich die Herrn Journalisten auf in den Außenbereich, werfen noch eine Runde Körbe und nutzen den Kicker-Tisch. Derlei Mitarbeiterbespaßung muss hier aber wohl bezahlt werden, zumindest lässt diese Vermutung unserer Beobachtung zu – doch nicht ganz ein Silicon Valley am Zipfel Chinas. Denn grundsätzlich steht auch bei Samsung – wie überall in Südkorea – die konzentrierte Arbeit im Vordergrund. Der Erfolg gibt ihnen recht.

Bildquellen: Samsung und GIGA

Verwendete Kamera: Für die Aufnahmen von GIGA kam eine Fujifim X10 zum Einsatz (Erfahrungsbericht folgt), die wir freundlicherweise von Cyberport zur Verfügung gestellt bekommen hatten.

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Sven Kaulfuss
Sven Kaulfuss, GIGA-Experte für Apple, Antiquitäten und altkluge Sprüche.

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