Sennheiser HD 4.50 BTNC im Test: Noise-Cancelling-Kopfhörer zum Sparpreis?

Stefan Bubeck

Mit einem tritt der Sennheiser gegen die deutlich teurere Konkurrenz der Kopfhörer-Oberklasse an. Kann sich der HD 4.50 BTNC gegen Bose QuietComfort 35, Sony WH-1000XM2 und B&W PX durchsetzen?

Sennheiser HD 4.50 BTNC (Herstellervideo).

Sennheiser HD 4.50 BTNC: Unser Testurteil

Formschön gestaltet und klanglich gut abgestimmt: Der Sennheiser HD 4.50 BTNC ist eine preiswerte Alternative im mittlerweile auf stattliche Größe gewachsenen Markt der geräuschreduzierenden Kopfhörer. Wer einen in seinen Grundzügen gelungenen Kopfhörer sucht, der sozusagen als Bonus noch eine aktive Geräuschunterdrückung (ANC, bei Sennheiser „NoiseGuard“) an Bord hat, ist beim HD 4.50 BTNC richtig.

Er leistet sich zwar keine groben Schnitzer, aber hier und da ein paar kleinere Schwächen – sodass der Abstand zu den Referenzen Bose QuietComfort 35 und Sony WH-1000XM2 erhalten bleibt. Der HD 4.50 BTNC kann als Gesamtpaket nicht zur Spitze seiner Gattung aufschließen. Der Klang ist nicht dafür verantwortlich, sondern der mittelmäßige Tragekomfort und das wenig intuitive Bedienkonzept. Die Verarbeitung ist sehr einfach gehalten, geht aber in Ordnung – wobei auch hier ein edler B&W PX in einer ganz anderen Liga spielt.

Die größte Stärke des HD 4.50 BTNC ist der Preis, die größte Schwäche die Bedienung – wir empfehlen unbedingt einen Blick in die Bedienungsanleitung des Sennheiser HD 4.50 BTNC (PDF). Ansonsten wird man wohl kaum herausfinden, dass man „Laut“ und „Leise“ gleichzeitig drücken muss, um das Noise Cancelling zu aktivieren.

Wer es sich leisten kann oder will, sollte zu den zu Recht hoch gelobten Referenzen von Bose, Sony oder B&W greifen. Bei kleinerem Budget ist der Sennheiser HD 4.50 BTNC hingegen eine Kaufempfehlung wert. Man sollte aber keineswegs glauben, dass man hiermit die Spitze des technisch Machbaren erreicht – dafür muss man weiterhin über 100 Euro mehr ausgeben.

Sennheiser HD 4.50 BTNC: Testwertung

  • Klang: 80 Prozent
  • Tragekomfort: 45 Prozent
  • Hardware, Design & Funktionen: 50 Prozent
  • Akku: 80 Prozent

Gesamt: 68 Prozent (der Klang bildet 50 Prozent der Gesamtnote)

Sennheiser HD 4.50 BTNC: Das hat uns gefallen

  • Klang: Unaufgeregtes, direktes und neutrales Klangbild, das sich für jede Musikrichtung eignet. Stimmen werden natürlich dargestellt, die Bässe sind nur leicht betont und stets präzise. Die Höhen sind „entschärft“, was ein wenig Glanz kostet, aber dafür für lange Hörsessions besser geeignet ist. Der Sennheiser unterstützt AptX für bessere Klangqualität. In der Praxis ist der Nutzen im Zusammenspiel mit kompatiblen Geräten begrenzt wahrnehmbar – trotzdem ist es löblich, dass Sennheiser diesen Standard unterstützt, denn das tut nicht jeder Hersteller.
  • Noise Cancelling: Die Geräuschunterdrückung von Sennheiser nennt sich NoiseGuard und erfüllt ihren Zweck. Vor allem tiefe Frequenzen werden gut herausgefiltert. Die geräuschdämmende Leistung von Boses QuietComfort 35 wird nicht ganz erreicht, aber der winzige Abstand ist im Alltag nicht von Bedeutung.
  • Akku: Bis zu 19 Stunden mit aktiviertem Noise Cancelling sind ausreichend für jeden Bürotag und die meisten Zug- oder Flugreisen.
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Sennheiser HD 4.50 BTNC: Das fanden wir nicht so gut

  • Tragekomfort: Für sich betrachtet und in den ersten Minuten ganz okay. Im Direktvergleich mit den ANC-Modellen von Sony oder Bose jedoch allenfalls Mittelmaß. Die Ohrpolster aus Kunstleder stauen Hitze stark an (im Sommer kaum erträglich), der kaum gepolsterte Kopfbügel drückt auf Dauer. Dagegen wirken der Studiokopfhörer Beyerdynamic DT770 oder der B&O H4 wie bequeme Sofas für die Ohren. Der Sennheiser HD 4.50 BTNC ist da eher die mit Folie bespannte Bierbank – eine Stunde am Stück hält man es aus, aber ab dann wird es echt unbequem.
  • Gehäuse: Die Ohrmuscheln des Sennheiser HD 4.50 BTNC sind für einen Over-Ear-Kopfhörer vergleichsweise klein geraten. Wer große Ohren hat, wird sie nicht ganz hinein bekommen, was die Nutzbarkeit praktisch verschwinden lässt. Das Noise Cancelling braucht den Rundum-Abschluss des Ohrs, um anständig zu funktionieren.
  • Bedienung: Die Buttons an der rechten Ohrmuschel und ihre Mehrfachbelegung (durch länger gedrückt lassen) wollen erstmal gelernt werden. Auch danach fanden wir das Konzept nie besonders eingängig. Das macht etwa der Marshall MID A.N.C. radikal anders und konnte uns in der Hinsicht eher überzeugen. Auch seltsam: Beim Sennheiser kann man anhand der Status-LED nicht entnehmen, ob das Noise Cancelling aktiviert ist oder nicht. Sie blinkt nur kurz violett auf, wenn man es ein- oder ausschaltet.
CapTune
Entwickler:
Preis: Kostenlos
  • Die zum Sennheiser HD 4.50 BTNC passende App „CapTune“ hat uns nicht überzeugt: Sie ist unübersichtlich und das Noise Cancelling lässt sich hier nicht einstellen. Da sollte dringend mal ein Update eingespielt werden.

Sennheiser HD 4.50 BTNC: Gut zu wissen

  • Bei Amazon gab es kürzlich den HD 4.50 BTNC als „Special Edition“ zum absoluten Kampfpreis – dieses Modell seht ihr auch hier auf unseren Fotos. Der einzige Unterschied ist die Farbe (komplett schwarz statt silberner Elemente). Wer weiß, vielleicht taucht der Sennheiser eines Tages wieder für 99 Euro auf? Dann ist dieser Kopfhörer auf jeden Fall preislich ohne Konkurrenz.
  • Der Sennheiser HD 4.50 BTNC wird per Micro-USB-Buchse geladen.
  • Der Klang des Kopfhörers ist in der Grundeinstellung neutral und angenehm. Das könnte so manchem Nutzer auch „langweilig“ erscheinen, weil andere Hersteller hier zum Teil eine stärkere Färbung aufweisen (z.B. extrem viel Bass). Der Vorteil dieses unspektakulären Sounds ist, dass man ihn per Equalizer in beliebige Richtungen anpassen kann.

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