Der Zeit und dem iPhone voraus: Erinnerungen an mein Siemens SL45i

Sven Kaulfuss 4

Kaum zu glauben, aber es gab mal eine Zeit lange vor dem iPhone, da hatten Handys noch echte Nummerntasten und besaßen monochromfarbige, winzige Displays. Damals in dieser „Steinzeit“ des Informationszeitalters besaß ich ein Siemens SL45i. Rückblickend betrachtet ein Handy, was seiner Zeit weit voraus war und heute in der Feiertags-Kolumne kurz vor Jahresschluss einen Ehrenplatz dafür erhält.

Man würde es beim Anblick der „grauen Maus“ nicht sofort vermuten, aber das Siemens SL45 (ohne „i“) war 2001 das erste Handy überhaupt mit Speicherkarte und eingebautem MP3-Player – just in dem Jahr, als der iPod auch das Tageslicht erblickte. Ein interessantes Feature, allerdings war der Speicherplatz der mitgelieferten MMC-Karte (16 beziehungsweise 32 MB) doch arg begrenzt – mehr als ein Walkman mit Musikkassette bot der Player dann aber doch. Wer sich heutzutage über den verschwundenen Klinkenanschluss von Smartphones beschwert, der muss wissen, dass es so etwas beim SL45 und anderen Handys überbaut nicht gab. Auf das proprietäre Headset (immerhin von Sennheiser) musste man also immer gut aufpassen. Nachteilig war beim MP3-Betrieb der verstärkte Stromverbrauch – dies machte sich bemerkbar, vor allem in einer Zeit, in der man Handys meist mehrere Tage nicht aufladen musste.

Siemens ist nicht alleine, auch diese Marken wurden schon vergessen:

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Als Apps noch nicht Apps genannt wurden: War das SL45i schon ein Smartphone?

Doch mein SL45 (mit „i“) konnte noch mehr: Es gab Apps dafür, nur nannte die man damals noch nicht so. Das SL45i beherbergte eine Java Virtual Machine und konnte somit Java-Programme nutzen. Die besorgte man sich im Internet, aber nicht im App-Store. Stattdessen landeten die frei verfügbaren „Apps“ auf der Speicherkarte, die mit dem Kartenleser – den ich mir extra für mein iBook kaufte – bespielt wurde. Natürlich landeten so auch die MP3s auf dem Handy. Allerdings war das SL45i seiner Zeit voraus und damit der Erfolg auch überschaubar. Wie schon erwähnt, war der Speicherplatz beschränkt und mobil war das Netz, wie man es kannte, schon mal gar nicht, nicht mal GPRS bot das Handy. Es war ein Vorbote der Smartphones, aber gehörte noch nicht zu dieser Geräteklasse dazu.

Das Promo-Video zum SL45i – etwas eigenartig, für meinen Geschmack:

Dann kam der iPod …

Die Zeit war einfach noch nicht Reif dafür, wie auch das SL45i. Zeit wurde es damals allerdings für meinen ersten iPod im Jahr 2003. Die Festplatte mit 10 GB ließ sich dann doch komfortabler füllen. Mit der anstehenden Vertragsverlängerung und dem Handy-Tausch geriert auch bei mir das SL45i in Vergessenheit. Dennoch: Interessant auch heute noch zu wissen, was damals aus deutschen Landen zum Thema Mobilfunk erhältlich war. Und heute?

Wie auch das SL45i, so geriet auch Siemens und die gesamte hiesige Handy-Branche langsam in Vergessenheit. Unsere neuen Helden kommen allesamt aus China, auch die, die in Kalifornien zunächst entworfen werden – irgendwie auch. Schade, oder?

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