Sony SmartBand SWR10 im Test: Vielseitiger Activity-Tracker mit Ausbaupotential

Lukas Funk 13

Während Smartwatches noch auf den großen Durchbruch warten, konnten sich andere Wearable Devices schon einen Nischenmarkt schaffen: die Fitness-Tracker. Nach Fitbit, Nike und Jawbone möchte sich mit Sony nun der erste große Smartphone-Hersteller an einem solchen Gerät versuchen und hat im Januar das SmartBand SWR10 vorgestellt. Dieses verspricht, neben sportlicher Betätigung den gesamten Tagesverlauf seines Trägers mitzuschreiben – Ob dies gelingt, zeigt unser Test.

Wenngleich sich Activity- oder Fitness-Tracker schon vergleichsweise gut etabliert haben, steht am Anfang ihrer Entwicklung eine grundlegende Frage: Was soll eigentlich aufgezeichnet werden? Sony beantwortete diese Frage bei der Ankündigung des SmartBand SWR10 vollmundig mit einem kurzen „Alles!“ Neben dem Mitschreiben verschiedener Bewegungsformen wie Gehen, Laufen, Rad- und Autofahren wird im offiziellen Trailer die Analyse der App-Nutzung sowie des Schlafverhaltens angepriesen, Apps lassen sich mit dem SmartBand sogar fernsteuern:

Amir hatte im Januar schon die Gelegenheit das SmartBand anzulegen. Hier schildert er seine Eindrücke im Hands-On-Video:

Sony SmartBand: die Hardware

Widmen wir uns zunächst der Hardware. Das Sony SmartBand SWR10 besteht aus zwei Teilen: Dem Herzstück, „Core“ genannt, und einem elastischen Gummiband, mit dem dieser getragen wird. Beim Kauf erhält man zwei verschieden lange Gummibänder von 250 respektive 214 Millimeter Länge, die zudem mehrstufig an den genauen Umfang des Handgelenks angepasst werden können und sich mit einem schicken Sony-Button schließen lassen. Ein kurzes Micro-USB-Kabel dient zum Aufladen.

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Viel interessanter aber ist der Core, der die komplette Technik des SmartBand enthält: Schrittzähler, Bewegunssensor und Vibrationsmotor, den Akku, der eine Laufzeit von 5 Tagen verspricht und einen ARM Cortex-M0-Prozessor – GPS ist nicht vorhanden. Mit dem Smartphone kommuniziert wird ausschließlich über NFC und Bluetooth 4.0 Low Energy, der micro-USB-Port an der Stirnseite dient lediglich zum Laden des Core. An einer Längsseite sind 3 Status-LEDs angebracht, daneben ein Button, der das einzige physische Steuerelement darstellt.

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Dank der genauen Passform des SmartBands, das sich geradezu um den Core und dessen USB-Schnittstelle schmiegt, ist das SmartBand nach IP58 zertifiziert – also vor Staub geschützt und bis zu 30 Minuten in Wassertiefen von 1,5 Metern verwendbar. Dies ist eine elementare Funktion des SWR10, soll es den Träger doch in jeder Lebenslage begleiten und seine Bewegungen aufzeichnen. Im Test funktionierte das auch tadellos: Neben der täglichen Dusche bewältigte das Wearable das aktive Schwimmen sowie den Sprung in den kühlenden Baggersee ohne Murren.

Ein weiterer wichiger Faktor, der das tägliche – und nächtliche – Tragen des SmartBands angenehm gestaltet, ist sein geringes Gewicht: Der Core an sich bringt geringe 6 Gramm auf die Wage, komplett wiegt es circa 21 Gramm, abhängig vom gewählten Gummiband.

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Die Software des Sony SmartBands

Auch der höchste Tragekomfort ist nutzlos, wenn die Funktionalität nicht gegeben ist. Was also kann Sonys eierlegende Wollmilchsau tatsächlich? Zunächst einmal dient das SWR10 als Fitness-Tracker: Per NFC und Bluetooth schnell mit dem Smartphone gekoppelt ist dazu die Installation dreier Apps nötig: Sonys Smart Connect, das die Verbindungen mit allerlei Accessoires verwaltet, das entsprechende Plugin für das SmartBand sowie Lifelog, das schließlich zur Auswertung der Daten dient.

Diese Lösung ist etwas umständlich, wird von Sony aber klar kommuniziert. Alternative Möglichkeiten zum Abfragen der Daten gibt es indes nicht: weder Web-App noch Desktop-Anwendungen sind vorhanden. Und so ist der Nutzer auf ein Smartphone oder Tablet mit Android 4.4 angewiesen. Im Gegensatz zu Samsungs Wearables funktioniert das SmartBand mit allen Geräten, die diese Voraussetzung erfüllen – iOS allerdings bleibt außen vor.

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Alle Aktivitäten, die das SmartBand aufzeichnet, auf einen Blick.

Die Daten umfassen den geschätzten Kalorienverbrauch – errechnet am eingangs abgefragten Gewicht und der Körpergröße –, getane Schritte, die Zeit, die man gegangen und gerannt ist, die Zeit, die man geschlafen hat, wie lange man soziale Apps genutzt hat, wie viele Fotos man geschossen hat, wie lange man sich in Musik- und Film Apps aufgehalten, wie lange man auf dem Smartphone gespielt, gelesen und gesurft hat. Vergleicht man diese komplette Liste mit den eingangs erwähnten versprochenen Funktionen fällt sofort auf, dass etwas fehlt: Weder Rad- noch Autofahren werden vom Lifelog erfasst. Zudem fehlen Sportarten wie Schwimmen, für das sich das SmartBand dank seiner Wasserfestigkeit ja geradezu anbietet.

Und hier liegt auch schon der größte Schwachpunkt des SmartBand: Für ein Fitnessarmband werden zu wenige Tätigkeiten unterstützt, Jawbone und Fitbit sind in dieser Hinsicht vielseitiger. Zudem bieten einige Smartphones wie das Samsung Galaxy S5 oder das Nexus 5 integrierte Schrittzähler, was die Anschaffung externer Hardware – zumindest für den Alltagsgebrauch – überflüssig macht.

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Für die verfügbaren Tätigkeiten allerdings lassen sich tägliche Ziele festlegen und detailierte Statistiken abrufen, die den Verlauf über den Tag, die Woche, den Monat oder gar das Jahr hinweg als Balkendiagramm darstellen. Achievments und Meilensteine, wie Konkurrenzprodukte sie bieten, sucht man dagegen vergebens. Beim Tracking bedient sich das SmartBand zweier Modi: Aktive Tätigkeiten werden ausschließlich im Tagmodus aufgezeichnet, während die Bewegung im Schlaf nur im Nachtmodus mitgeschrieben wird. Der Wechsel erfolgt entweder automatisch zu festgelegten Zeiten oder manuell per langem Druck auf den Button.

Während die untere Hälfte der Lifelog-App von den beschriebenen Statistiken oder einer Karte mit Standortverlauf gefüllt wird, zeigt die obere Hälfte den Tagesverlauf als hübsche Animation. In dieser werden neben den Aktivitäten die Tageszeit und das Wetter dargestellt. Besonders wichtige Zeitpunkte lassen sich mit einem Lesezeichen versehen – aus der App heraus oder per Doppelklick auf den Button des SmartBands. Zur Nutzung von Lifelog ist übrigens die Anmeldung mit einem Google- oder Sony-Account nötig, über den die Daten synchronisiert werden. Wechselt man das Smartphone, bleiben erhobene Statistiken also erhalten.

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Natürlich trackt das SmartBand die Bewegung auch ohne Verbindung zum Smartphone. Dann werden die Daten auf dem internen Speicher abgelegt und beim erneuten Verbinden übertragen. Auf einen Standortverlauf muss man dann allerdings mangels GPS verzichten.

Neben dem Tracking kann das SWR10 über die Smart Connect-App auch als Fernsteuerung für das Smartphone benutzt werden und Benachrichtigungen von selbigem per Vibration an den Nutzer weiterleiteten. Hierzu nutzt Sony vorbildlich die Notification-API von Android 4.4 KitKat, sodass Benachrichtigungen und eingehende Anrufe umgehend auf dem Armband ankommen. Dabei kann der Nutzer selbst entscheiden, welche App sich melden darf – ein praktisches Feature, wenn man konzentriert arbeitet und nur im Notfall erreichbar sein will.

Über Klopfgesten auf das SmartBand lassen sich außerdem diverse Apps steuern, vorausgesetzt, man installiert eine entsprechende Erweiterung. Dies funktioniert am besten im Zusammenspiel mit einem Sony-Smartphone wie dem Xperia Z2, im Test war es aber auch mit dem Nexus 5 (Test) sehr gut möglich. Beispielsweise lässt sich die Kamera mit einem Tapp auf das Band aus der Ferne auslösen oder die Medienwiedergabe steuern. Dies Funktioniert auch, wenn das Smartphone etwa mit dem Audiosystem des Autos oder dem Chromecast verbunden ist, wodurch sich einige interessante Anwendungsmöglichkeiten ergeben.

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Weitere Funktionen sind das oben erwähnte automatische Wechseln in den Nachtmodus, das sich für Nutzer mit regelmäßigem Schlafrythmus anbietet und das das Weiterleiten von Benachrichtigungen unterbindet. Außerdem das sanfte Wecken, bei dem man ein Zeitintervall definiert, in dem man geweckt werden möchte. Anhand der Bewegungen im Schlaf ermittelt das SmartBand dann eine Phase leichten Schlafs innerhalb dieses Intervalls und beginnt zu vibrieren. So soll der Start in den Tag möglichst angenehm gestaltet werden.

Nicht zuletzt kann das SmartBand seinen Nutzer durch Vibration warnen, wenn er sich zu weit von seinem Smartphone entfernt – in der Bar liegengelassene Geräte sollten damit der Vergangenheit angehören.

Fazit

Wenngleich das SmartBand SWR10 hinsichtlich seiner Fähigkeiten hinter dem zurückbleibt, was Sony bei der Vorstellung versprochen hat, erledigt es seine Pflichten zuverlässig. Im Test stellten sich die gemessenen Werte als genau genug heraus, tendenziell neigt das Wearable aber zur Untertreibung. Soll heißen: Geht man 10.000 Schritte, werden womöglich nur 9.000 registriert. Sony arbeitet allerdings aktiv an Updates und so besteht die Hoffnung, dass sich nicht nur die Werte bessern, sondern auch versprochene Funktionen nachgeliefert werden. Zudem wäre eine API für Drittanbieter-Apps löblich.

An Tragekomfort lässt das SmartBand dagegen kaum zu wünschen übrig. Es ist leicht, robust und hat eine angenehm lange Akkulaufzeit, sodass man es im Alltag irgendwann kaum mehr wahrnimmt. Auch das Gummiarmband zeigte im Test keine Abnutzungserscheinungen, tendiert durch seine Oberflächenstruktur allerdings dazu, Staub und Schmutz anzuziehen.

Letztendlich bietet das Sony SmartBand SWR10 Funktionen, die auch in manchem Smartphone enthalten sind – allerdings im kompakten Formfaktor. Ob man nun bereit ist, dafür Geld auszugeben, hängt vom Anwendungszweck und dem Budget ab: Sportler beispielsweise können ihr Smartphone zu Hause lassen und die Daten nach dem Training mit dem SmartBand abgleichen – verzichten dabei allerdings auf GPS-Tracking. Wer nicht regelmäßig laufen geht, profitiert im Alltag dagegen nur bedingt vom SmartBand, zumal sich einfache Schritte auch mit neueren Smartphones zählen lassen. Ob die zusätzlichen Daten sowie die erweiterten Benachrichtigungen und Fernsteuerungsfunktionen ihr Geld wert sind, muss jeder für sich selbst entscheiden. Immerhin ist das Wearable aber mit derzeit rund 70 Euro günstiger als die Konkurrenz.

Für die Zukunft hat Sony übrigens austauschbare Bänder in verschiedenen Farben sowie andere, noch unauffälligere Tragemöglichkeiten wie Anhänger oder Broschen angekündigt. Wie es um deren Entwicklung bestimmt ist, steht allerdings in den Sternen.

Smart Connect
Preis: Kostenlos
SmartBand SWR10
Preis: Kostenlos
Lifelog
Preis: Kostenlos

Sony SmartBand SWR10

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