Tesla Autopilot versagt im Test deutscher Behörde – Zulassung trotzdem nicht entzogen

Stefan Bubeck 3

Die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) hat das Assistenzsystem des Tesla Model S getestet und fordert nun, dem Fahrzeug die Zulassung zu entziehen. Das zuständige Bundesverkehrsministerium zögert aber.

Tesla Autopilot.

Erst der tragische Unfalltod von Joshua Brown, dann der erste Unfall in Deutschland: Das von Tesla „Autopilot“ genannte Fahrassistenzsystem wirft kein gutes Licht auf den kalifornischen Elektroauto-Hersteller. Dass Elon Musk stets den offiziellen Beta-Status der Software betont, macht die Sache nicht besser. Dem vagen Verdacht vieler Skeptiker, dass die Technik noch nicht einhalten kann, was das Marketing verspricht, schließt sich nun auch noch ein staatliches Gutachten an: Nach mehreren tausend Kilometern Testfahrt auf deutschen Straßen kommen die Experten der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) zum Schluß, dass eine „erhebliche Verkehrsgefährdung“ vorliege. Der interne Bericht liegt dem Magazin „Der SPIEGEL“ vor (Paywall), das Gutachten wurde im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums erstellt.

Der Name lasse den Fahrer glauben, das Auto fahre von allein

Die Beamten werfen dem „Autopiloten“ eine ganze Reihe von Problemen vor – allen voran, dass die Bezeichnung schlichtweg irreführend sei. Der Fahrer werde dazu verleitet, „sich von der Fahraufgabe abwenden zu können“. Die deutschen Prüfer stehen mit dieser Einschätzung nicht alleine da – im Heimatstaat von Tesla sieht man das auch so. Das California Department of Motor Vehicles (DMV) will dem Autobauer Begriffe wie „automatisiert“, „selbstfahrend“ und „Autopilot“ verbieten, solange die Fahrzeuge nicht in der Lage sind, komplett ohne menschlicher Aufsicht sicher zu fahren.

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„Dramatische Szenen“ im Tesla Model S

Die Beispiele aus dem Gutachten sind in der Tat beunruhigend und zeigen, dass das, was man sich unter „Autopilot“ vorstellen könnte, hier bei Weitem nicht erreicht wird: An einer Baustelle erkannte die Software die veränderte Streckenführung nicht. Diese wird durch gelbe Linien angezeigt, der Tesla fuhr aber stur der weißen Fahrbahnmarkierung hinterher. Wenn gar keine Markierung da war (frisch asphaltierte Strecke), dann folgte er sogar einfach dem Vordermann und machte dessen Spurwechsel brav mit.

Brenzlig waren auch Überholvorgänge – denn die nach hinten gerichteten Sensoren reichen nur 40 Meter weit. Wer schon mal auf einer deutschen Autobahn auf der linken Spur Platz machen musste, weiß was gemeint ist. Bei Geschwindigkeiten um die 130 Stundenkilometer empfiehlt sich schon deutlich mehr Weitsicht für Überholvorgänge, auf 200 Sachen oder mehr braucht man gar nicht erst eingehen.

Tesla widerspricht und das Ministerium schindet Zeit

Gegenüber dem „Spiegel“ haben sich die Verantwortlichen von Tesla verteidigt – es sei klar, dass das System nicht ohne den Fahrer arbeite, dieser sei verpflichtet, den Verkehr zu überwachen. Der CEO Elon Musk sorgte schon im Juli für Unmut, indem er twitterte, die Technik sei noch in der Beta-Phase – ein Begriff, den man eher in der Welt der Computerspiele verortet.

Jedes System benötige laut Musk eine Milliarde gefahrene Kilometer, um als zuverlässig eingestuft zu werden. Im Sommer waren davon erst 200 Millionen erreicht. Immerhin hat Tesla mittlerweile ein Softwareupdate auf die Version 8.0 vorgestellt – inklusive Verbesserungen beim „Autopiloten“.

Alexander Dobrindt, seines Zeichens Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur, will der Empfehlung des Gutachtens nicht folgen, den Fahrzeugen wird also erstmal nicht die Zulassung entzogen. Aus dem Ministerium heißt es, man sei noch nicht zu einer abschließenden Bewertung gekommen.

Quellen: manager magazin, heise, auto motor sport

 

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