Assassin's Creed: Buchautor verklagt Ubisoft; alles nur geklaut?

Robin Schweiger 19

Patentklagen sind ja mittlerweile an der Tagesordnung. Gerade in den USA scheinen viele Menschen allein damit ihr Geld zu verdienen, möglichst viele Patente anzumelden und anschließend große Firmen zu verklagen. Nun trifft es Ubisoft und Gametrailers.

Assassin's Creed: Buchautor verklagt Ubisoft; alles nur geklaut?

Der Vorwurf: Die Assassin’s Creed-Reihe soll auf dem Buch Link des Autoren John Beiswenger basieren und wichtige Punkte der Geschichte kopiert haben, wie er in einer am 16. April gestarteten Klage behauptet.

Assassin's Creed 3 Reveal Trailer.

Bei „Link“ geht es um das Unternehmen „Search International, Inc.“. Durch einen Zufall entdeckt es, dass jede Zelle unendlich viele Erinnerungen speichern kann. Dort sind die Erinnerungen der Vorfahren der jeweiligen Person zu finden. Mit dieser Erfindung und dem eigens entwickelten „Link“ reisen sie nun zurück in der Zeit und erforschen die Geheimnisse der menschlichen Entwicklung. Im Zuge dessen treffen die Figuren unter anderem sogar auf Jesus höchstpersönlich. Es dauert jedoch nicht lange und schon versuchen Regierungen und andere Unternehmen an die Erfindung zu gelangen.

Die Grundidee ist also sowohl bei „Link“, als auch bei „Assassin’s Creed“, dass Personen mit Hilfe einer neuen Erfindung - des Links, beziehungsweise des Animus - in die Erinnerungen ihrer Vorfahren eintauchen und sie selbst erleben können. So weit, so gut. Das genügt jedoch nicht, um eine Patentklage anzuregen: Zwei Leute können schließlich eine ähnliche Idee haben, ohne voneinander zu wissen.

Deshalb behauptet Beiswenger, dass auch weitere Details abgekupfert worden wären. In seiner Klageschrift behauptet er, dass auch in seinem Buch Menschen von „assassins“ heimgesucht werden und es um den Kampf von „Gut gegen Böse“ ginge. Hier wird jedoch deutlich, auf welch wackeligen Füßen die gesamte Klage steht.

Das englische Wort „assassins“ steht nämlich nicht nur für den Geheimbund der Assassinen, sondern wird auch ganz allgemein als „Attentäter“ übersetzt. So kann im Grunde jeder geplante Mord als Tat eines „assassin“ bezeichnet werden. Die Attentäter in Beiswengers Buch haben also reichlich wenig mit den Assassinen der „Assassin’s Creed“-Reihe gemein.

Dass das Konzept des Kampfes „Gut gegen Böse“ aus Link entliehen worden sein soll, erscheint dann schon arg weit hergeholt. Wäre das ein legitimer Vorwurf, könnte Beiswenger wohl alle Autoren fiktiver Werke der letzten hundert Jahre verklagen.

Das Buch „Link“ befasst sich außerdem detailliert mit der religiösen Schaffensgeschichte und gibt dabei sogar Jesus den ein oder anderen auftritt. „Assassin’s Creed“-Fans wissen, dass auch in Ubisofts Spieleserie Religion eine wichtige Rolle spielt - jedoch auf eine komplett andere Art und Weise. Die Reihe des französischen Entwicklungsstudios hat sich nämlich sehr schnell der klassischen Religion abgewandt und ist stattdessen geradewegs ins Sci-Fi-Territorium gerast - inklusive eines alten Volkes, dass die Menschheit einst heranzüchtete und die Edengegenstände herstellte.

Auch hier gilt also: Während sowohl im Buch, als auch im Spiel Religion ein Thema ist, ist die Herangehensweise doch gänzlich verschieden.

So richtig skurril wird es jedoch erst, als Beiswenger die in New York sitzende Firma „Gametrailers“ verklagt. Auch die hätte sich nämlich der Verletzung seiner Patente schuldig gemacht. Der Grund: Ein Trailer zu Playstation Home sowie eine Folge von Gametrailers TV. Das ist ein Vorwurf, den man sich auf der Zunge zergehen lassen musst: Gametrailers hätte Patente verletzt, weil sie über ein Spiel berichtet haben, das angeblich Patente verletzt. Wenn das der Fall wäre, müssten morgen wohl alle Seiten schließen, die jemals über „Assassin’s Creed“ berichtet haben.

Auch wenn der Vergleich zwischen Buch und Spiel eine grundlegende Ähnlichkeit offenbart - beide Produkte lassen die Protagonisten mit einer Maschine in die Erinnerungen ihrer Vorfahren zurückkehren - sind die Geschichten an sich  komplett verschieden. Gefahr für „Assassin’s Creed 3“ () wird also sehr wahrscheinlich nicht bestehen.

Auf der Homepage von Beiswenger gibt es übrigens einen eigenen Patent-Bereich. Dieser umfasst unter anderem Patente für Wasserschlauchaufsätze und Digitaluhrwecker.

Bildquelle: http://www.johnbeiswenger.com

E3 2016: Was waren eure Favoriten der Ubisoft-Pressekonferenz?

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