Aus Sicht der Spieler ist das natürlich zunächst als Erfolg zu sehen. Auch die Verschiebungen von The Crew und The Division haben am Ende zu besseren Spielen geführt. Doch auch wenn sich der Aktienkurs wieder erholt hat, wurde Ubisoft angreifbar. Schon lange gilt das Unternehmen als günstiger Übernahmekandidat. Zuletzt hatte etwa Electronic Arts sich daran probiert, aber seinen Anteil von knapp 20 Prozent vor sechs Jahren wieder verkauft.

Seit Oktober 2015 arbeitet Vivendi daran, sich bei Ubisoft und Gameloft einzukaufen. Der Konzern hat seine Ursprünge im 19. Jahrhundert und war Betreiber der Wasserbetriebe von Lyon und Paris. Seit den Achtzigern stieg das Unternehmen zum Medienriesen auf. Dazu gehörte die spätere Fusion mit Universal, der Kauf von Sierra und Blizzard, sowie die Fusion von Vivendi Games mit Activision. Activision-Blizzard hat sich erst 2013 die eigene Unabhängigkeit zurückgekauft. Vivendi brachte der Verkauf das nötige Kapital ein, um angehäufte Schulden zu begleichen.

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Die verrückten Hasen sind zu einem echten Markenzeichen für Ubisoft geworden.

Im Februar 2016 gehörten Vivendi bereits 15 Prozent der Anteile von Ubisoft und damit mehr als der Guillemot-Familie. Und auch beim tatsächlichen Stimmrecht liegt man womöglich bald vorn. Der Zukauf wird als strategische Investition kommuniziert, um die Produkte von Ubisoft über die eigenen Plattformen und Distributionskanäle zu vertreiben. Außerdem könnte so ein starker französischer Medienriese entstehen. Über weitere Motive und Pläne kann nur spekuliert werden.

Vielleicht sucht Vivendi nach einer Verschnaufpause einfach nur Ersatz für Activision-Blizzard und sieht in Ubisoft einen idealen Partner. Immerhin besitzt der Publisher viele starke eigene Marken. Was einst mit Rayman begann, ist heute ein ganzer Schatz geworden. Die verrückten Rabbids haben eine eigene Fernsehserie, man plant einen Kinofilm zu Assassin's Creed und sogar ein Themenpark ist angedacht. Ubisoft arbeitet schon heute an einer möglichst langen Wertschöpfungskette, um zusätzliche Einnahmen und mehr Aufmerksamkeit zu generieren.

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Was will Ubisoft?

Im Free-to-Play-Bereich lief es bisher nicht immer rosig, aber beispielsweise Die Siedler Online kann sich sehen lassen. Ähnliches gilt für die Aktivitäten auf iOS und Android. Ein richtig großer Hit blieb aus, aber Ubisoft und Gameloft bespielen als Duo all diese Plattformen mit kalkuliertem Risiko und guter Qualität. Neben den großen Studios in Frankreich und Kanada hat Ubisoft auch recht früh begonnen, in Asien zu investieren und ist so global gut aufgestellt. Trotz seiner Größe ist der Publisher offenbar noch immer ein recht agiles Unternehmen, das Trends früh erkennen und schnell reagieren kann.

Warum ich The Division irgendwie doof finde und trotzdem nicht aufhören kann, es zu spielen

Gegen eine mögliche Übernahme wehrt sich Ubisoft gleich an mehreren Fronten. Einerseits werden derzeit, wie bereits erwähnt, weitere Investoren gesucht. Ob sich so jemand so schnell findet, wird sich zeigen. Gleichzeitig droht Ubisoft damit, dass wichtige Talente das Unternehmen verlassen würden, wenn weiterhin versucht wird, dass Studio feindlich zu übernehmen. Und schließlich wird in Aussicht gestellt, dass die Verkäufe in den kommenden drei Jahren um 60 Prozent steigen. Damit will man wohl auch aktive Aktieninhaber davon abhalten, ihren Anteil zu verkaufen.

Tatsächlich sind das berechtigte Punkte. Sollten wichtige Kreative den Publisher verlassen, verliert Ubisoft sein größtes Pfund. Eine bekannte Marke allein reicht nicht, um erfolgreich zu sein. Und wie fragil die Unterstützung von Fans sein kann, zeigt das Beispiel mit Assassin's Creed. Auch Geld ist nicht alles. So gesehen mag die Entscheidung, Ubisofts wichtigsten Titel mehr Zeit zu geben, genau die richtige gewesen zu sein. Ob sich Investoren und Aktieninhaber davon wirklich beeindrucken lassen, darüber kann nur spekuliert werden.

Seit 30 Jahren führt Guillemot schon Ubisoft und will natürlich weiter die Kontrolle über einen der größten unabhängigen Publisher behalten. Die aktuellen guten Verkaufszahlen von The Division geben Ubisoft etwas Rückendeckung. Gameloft kämpft bereits sehr konkret gegen die feindliche Übernahme und weist dabei auch auf die geringen Synergien hin. Universal Music und der Pay-TV-Anbieter Canal+ bieten nur wenige Möglichkeiten zur Zusammenarbeit. Gleiches dürfte für Ubisoft gelten.

Auf der dritten Seite geht es um Ubisofts Schattenseiten und die Zukunft.