Angriff auf Telekom, o2 und Vodafone: United Internet macht sich startklar [Update]

Stefan Bubeck 29

Dieser Milliarden-Deal wird den deutschen Telekommunikationsmarkt umkrempeln: United Internet will das Mobilfunkunternehmen Drillisch übernehmen. Zusammen betreuen die beiden bereits jetzt mehr als 12 Millionen Kundenverträge.

Angriff auf Telekom, o2 und Vodafone: United Internet macht sich startklar [Update]

Anmerkung: Das Titelbild dieses Artikel zeigt Ralph Dommermuth, Gründer und Vorstandsvorsitzender der United Internet AG.

Update vom 12.06.2017, 10:28 Uhr: Das Bundeskartellamt hat Übernahme von Drillisch durch United Internet genehmigt. Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes: „Der Mobilfunkmarkt wird von den drei großen Netzbetreibern Telekom, Vodafone und Telefónica bestimmt. Drillisch kann sich hier gemeinsam mit United Internet zu einem belebenden Element entwickeln. Der Zusammenschluss begegnet vor diesem Hintergrund keinen wettbewerblichen Bedenken.“

Bei Drillisch handelt es sich um einen sogenannten virtuellen Mobilfunknetzbetreiber – das Unternehmen betreibt kein eigenes Netz, sondern darf einen von der Europäischen Kommission festgelegten Anteil von bis zu 30 Prozent der Kapazitäten des Telefónica-Netzes nutzen.

Originalartikel vom 12.05.2017:

Seitdem im Jahr 2014 E-Plus durch Telefónica übernommen wurde, dominieren nur drei Anbieter den Telekommunikationsmarkt in Deutschland: Die Deutsche Telekom (D1-Netz), Vodafone (D2-Netz) und Telefónica (Marke „o2“, E-Netz).

Doch nun brechen neue Zeiten an, denn der Internet- und Telekomkonzern United Internet will den Mobilfunkprovider Drillisch AG schlucken und so einen „leistungsfähigen Telekommunikations-Komplettanbieter mit erheblichem Synergie- und Wachstumspotenzial schaffen“, wie das in Montabaur ansässige Unternehmen heute verkündete. Eine starke vierte Kraft im deutschen Telekommunikationsmarkt.

Branchenkenner wissen, welche Namen sich hinter United Internet und Drillisch verbergen – wir zählen hier nochmal alle Marken auf:

Marken der United Internet AG

  • 1&1
  • GMX
  • WEB.DE
  • mail.com
  • 1&1 Versatel
  • Strato
  • Arsys

Marken der Drillisch AG

United Internet kauft Drillisch: So läuft der Deal ab

Die Vorstände beider Unternehmen haben eine Grundsatzvereinbarung (Business Combination Agreement) getroffen, die den schrittweisen Erwerb der 1&1 Telecommunication SE durch Drillisch unter dem Dach von United Internet vorsieht und diesen regelt. United Internet bringt sein Tochterunternehmen 1&1 Telecommunication über zwei Kapitalerhöhungen bei der Drillisch AG ein und wird so die Mehrheit erwerben. Drillisch bleibt dabei eine eigenständige börsennotierte Gesellschaft.

„1&1 verfügt über eine starke Marke, einen riesigen Kundenstamm und enorme Vertriebskraft. Drillisch ist ein schnell wachsender Mobilfunkanbieter mit einem attraktiven Produktportfolio. Gemeinsam können wir unseren Kunden künftig die komplette Produktpalette auf Basis heutiger und künftiger Netztechnologien aus einer Hand bieten: Highspeed DSL, mobiles Internet und passende Services“, so Ralph Dommermuth, Vorstandsvorsitzender von United Internet.

Wie so oft steht auch hinter dieser Übernahme die Aussicht auf Synergien (gemeinsamer Nutzen), die im Wettbewerb mit den drei großen Marktbegleitern zum Vorteil werden sollen. Dazu gehört beispielsweise der gemeinsame Hardware- und Vorleistungseinkauf oder eine effizientere Nutzung der Netzkapazitäten. Auch interessant: Drillisch besitzt einen exklusiven Zugang zu einem Anteil des deutschen Telefónica-Mobilfunknetzes (Netzmiete) von bis zu 20 Prozent, der bis 2020 sogar auf 30 Prozent ausgebaut werden kann.

Die Synergien des kombinierten Geschäfts sollen bis 2025 jährlich rund 250 Millionen Euro betragen – bleibt zu hoffen, dass der neue große Telekommunikationsanbieter diese Einsparungen in Form attraktiver Preise an uns Kunden weitergibt. Eines ist schon mal sicher: Telekom, Vodafone und o2 werden auf den heute beschlossenen Mega-Deal reagieren müssen – denn der Wettbewerbsdruck dürfte sich von nun an erhöhen.

Quellen: Bundeskartellamt (Update), United Internet, Handelsblatt

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