Prognose: In 20 Jahren dürfen wir kein Auto mehr fahren

Johann Philipp

Wenn es nach Bundeskanzlerin Angela Merkel geht, könnten Roboterautos in 20 Jahren zur Pflicht werden und Selbstfahren nur noch mit Sondererlaubnis möglich sein. Ist die Freude am Fahren bald vorbei?

Tesla: Hardware für autonomes Fahren im Model S.

Das Auto ist des Deutschen liebstes Spielzeug. Es wird gehegt und gepflegt. Wird an jedem sonnigen Samstagnachmittag zur nächsten Waschanlage gefahren und trotz Dieselskandal und möglichen Fahrverboten von vielen geliebt. Es macht uns zum Exportweltmeister, sorgt für 350 Milliarden Euro Umsatz und ist der bedeutendste Industriezweig Deutschlands. Doch was für Waschstraßenfahrer und Petrol-Heads als Statussymbol und Liebling Nummer eins zählt, ist für viele Fahrradfahrer und Menschen ohne Benzin im Blut ein reines Hassobjekt, das für schlechte Luft und Stau sorgt. Sie radeln lieber auf dem E-Bike zu Arbeit:

Selbstfahren bald verboten

Der größte Schwachpunkt beim Auto bleibt der Mensch – er macht Fehler und verursacht Unfälle. 3.214 Verkehrstote zählte das Statistische Bundesamt für das Jahr 2016 in Deutschland. Die Zahlen gehen zwar fast jedes Jahr weiter zurück, doch erst wenn der Mensch keine Fehler mehr machen kann – weil er gar nicht mehr fahren darf, wird sich die Zahl radikal verringern.

Deswegen sollen autonom fahrende Autos den Verkehr revolutionieren. Die Kanzlerin ist gerade in Argentinien und sagte vor Studenten, dass in 20 Jahren das autonome Fahren Realität sein könnte und wir nur noch mit einer Sondererlaubnis manuell Auto fahren würden. Ein sehr optimistischer Plan.

Autonomes Fahren – ein langer Weg

Einsteigen, Adresse sagen und losfahren. Das Auto chauffiert dich durch den Berufsverkehr, während du einen Film schaust oder deine Mails checkst und du musst keinen Finger rühren. Heute noch Zukunftsmusik, doch die Technologie des autonomen Fahrens wird kommen. Man ist sich nur noch nicht einig, wann. Was bisher beschlossen wurde, sind die verschiedenen Stufen bis zum vollständigen Roboterauto. Die Industrie hat sich ein fünfstufiges System ausgedacht: Ein fahrerloses Auto stellt Stufe 5 des autonomen Fahrens dar. Bisher stehen wir bei Stufe 3.

Die gesamte Umgebung muss digitalisiert werden

Die großen Hürden liegen im Moment beim Sprung zu Level 4. Denn dafür müssen nicht nur die Autos technisch aufgerüstet werden, sondern auch die Infrastruktur. Ampeln müssen ihre Phasen melden, Bahnübergänge, dass sie schließen und Rettungswagen, dass sie Vorrang haben. Die gesamte Umgebung muss digitalisiert werden. Da stehen wir noch ganz am Anfang. Auch die Autos untereinander müssen sich verständigen können, doch dafür gibt es bisher keinen einheitlichen Standard.

Diese Herausforderungen gelten nur für die Technik, auch rechtliche und moralische Fragen müssen noch geklärt werden.

Pläne wirklich realistisch?

Wenn alle Bedingungen zum autonomen Fahren erfüllt sind und die Hersteller die ersten Roboterautos auf den Markt bringen, was passiert dann mit den „alten“ Autos? Wenn die Bundesregierung einige Zeit später alle selbstfahrenden Autos verbietet, werden dann Reservate für die „Oldtimer“ eingerichtet? Dürfen selbstfahrende Autos als aussterbende Spezies bald nur noch im Reservat Nordschleife bewegt werden? Wir sind gespannt.

Quelle: Golem, VDA

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