Krankschreibung per WhatsApp: So funktioniert der neue Service

Johann Philipp 3

Eine Krankschreibung bequem Zuhause auf dem Smartphone erhalten: Diesen Service verspricht ein Hamburger Start-up und verschickt den gelben Schein per WhatsApp. Experten sind jedoch skeptisch.

Krankschreibung per WhatsApp: So funktioniert der neue Service
Bildquelle: GIGA.

Krankschreibung per WhatsApp: Nur bei Erkältung möglich

Kurz vor Weihnachten startete das Start-up „AU-Schein“ seinen Dienst: Die Firma bietet Krankschreibungen per WhatsApp an. Voraussetzung für den Krankenschein per Messenger ist allerdings, dass man nur an einer leichten Erkältung leidet. Weitere Krankheiten werden nicht diagnostiziert.

Um den Service zu nutzen, füllt man auf der Seite des Anbieters ein Formular aus, in dem die klassischen Erkältungssymptome abgefragt werden. Anschließend gibt man seine Handynummer an und bezahlt eine Gebühr von neun Euro.

Die weitere Kommunikation findet dann mit einer Ärztin auf WhatsApp statt. Ein Foto der Versicherungskarte muss verschickt werden und im Anschluss erhält man seine Krankschreibung auf dem Handy und zusätzlich ein paar Tage später per Post.

Die Nachfrage ist bisher eher gering: Zu Beginn nutzten erst 12 Erkrankte den Service, erklärt Firmengründer Can Ansay. Aber alle Patienten erhielten ihre Krankschreibung. Um Missbrauch vorzubeugen, kann man sich über WhatsApp allerdings nur zwei Mal im Jahr krankschreiben lassen.

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WhatsApp-Krankschreibung: Experten warnen vor Nutzung

Laut Berichten des NDR sorgt der Dienst für Unruhe unter Hamburger Ärzten. Auch die Ärztekammern in Hamburg und Schleswig-Holstein raten von der Nutzung des Angebots ab. Kammer-Präsident Pedram Emami sagte dem NDR, dass er es als Arzt problematisch findet, einen Patienten vor einer Krankschreibung nicht persönlich zu sehen.

Ein Problem: Die Ärzte, die das Start-up nutzt, haben keine Kassenzulassung und keine eigene Praxis. Der Arbeitgeber und die eigene Krankenkasse könnten den Attest daher nicht anerkennen.

Möglich macht den Dienst überhaupt erst eine Lockerung des Fernbehandlungsverbots. Die Berufsordnung der Ärztekammer Schleswig-Holstein lässt einen weitreichenderen Einsatz dieser sogenannten Telemedizin zu, erklärt Firmengründer Ansay. Damit ist auch eine Ferndiagnose via Internet oder Telefon in bestimmten Fällen erlaubt.

Laut Ansay müssen die Krankschreibungen daher auch von den Kassen anerkannt werden, selbst wenn diese von einer Privatärztin ohne Kassenzulassung ausgestellt wurden. Nicola Timpe von der Ärztekammer Hamburg äußerte sich jedoch gegenüber t-online, dass die rechtliche Grundlage des Online-Angebots noch geklärt werden müsse.

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